Staat und Lobbyismus: Legitimation und Instrumente unternehmerischer Einflussnahme - Softcover

Busch-Janser, Florian

 
9783938456002: Staat und Lobbyismus: Legitimation und Instrumente unternehmerischer Einflussnahme

Inhaltsangabe

Die Bedeutung der unternehmerischen Einflussnahme auf die Politik nimmt ständig zu – darüber ist man sich einig. Diskutiert wird allerdings über die Ausrichtung am Gemeinwohl: Ist es legitim, wenn Lobbyisten politische Entscheidungen beeinflussen? Nutz dies nur dem Unternehmen oder letztendlich auch der Allgemeinheit? Die Frage nach der Legitimität von Einflussnahme durch Interessengruppen wurde bereits in den siebziger Jahren unter dem Stichwort Korporatismus aufgegriffen. Standen damals Verbände im Mittelpunkt, richtet sich der Fokus nun auf die Unternehmen. Das politische System der BRD ist heute verstärkt mit unternehmerischer Interessenwahrnehmung konfrontiert, die in der Öffentlichkeit oft als Widerspruch zum Pluralismus wahrgenommen wird. Dieser Eindruck entsteht, weil sich moderne Unternehmen durch das Public Affairs Management – die moderne Form des Lobbying – professionell am Willensbildungsprozess beteiligen. Um zu beurteilen, ob der Pluralismus durch diese Interessenwahrnehmung gefährdet oder gefördert wird, müssen die Strukturen des politischen Systems unter einem neuen Blickwinkel auf ihre Offenheit für das unternehmerische Engagement geprüft werden.

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Críticas

Die frühere Forschung zur Interessenvermittlung im politischen System Deutschlands konzentrierte sich weitgehend auf korporatistische, formalisierte Einflussnahme durch sektorale Verbände. Dieser Schwerpunkt erscheint angesichts der zunehmenden Bedeutung von informalem Lobbying und komplexen Public Affairs-Strategien einzelner Unternehmen als nicht mehr zeitgemäß. Da zu diesen Themen bisher hauptsächlich an den Praktiker gerichtete Publikationen erschienen, handelt es sich bei dem vorliegenden Buch durchaus um ein Novum, denn es handelt sich hier um eine empirische politikwissenschaftliche Analyse mit breiter, gut dokumentierter Datenbasis. In gut lesbarem, konzisen Stil stellt der Autor die Entwicklung des Public Affairs Management aus dem herkömmlichen Lobbying sowie dessen typische Organisationsformen und Strategien dar, was an einem ausführlichen Fallbeispiel exemplifiziert wird. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf juristische und ethische Beschränkungen unternehmerischer Einflussnahme, deren zweifelhafte Wirksamkeit eindrucksvoll herausgearbeitet wird. Diese Monographie leistet daher einen wichtigen Beitrag zur sachlichen Diskussion eines angesichts zahlreicher Skandale im Umfeld des Lobbyismus höchst aktuellen und umstrittenen Themas. Durch die klare Struktur und überzeugende Empirie empfiehlt sie sich gleichermaßen für Wissenschaftler wie auch als theoretisch fundierte Grundlage für Praktiker. (Jochen Kleinschmidt in Der Campus vom 01.03.05)

In seiner wissenschaftlichen Studie geht Busch-Janser der Frage nach, wie offen das politische System für die Einflussnahme unternehmerischer Partikularinteressen ist. Der Autor stellt dafür unter anderem ethische, juristische und gesellschaftliche Grenzen des Lobbyismus dar und zeichnet den Gesetzgebungsprozess nach. Solide, aber nicht gerade innovativ. Auch das Fazit fällt wenig überraschend aus: Public Affairs Management ist nicht nur legitim, sondern auch notwendig. Angemahnt werden gesetzliche Sanktionsmöglichkeiten zur Vorbeugung von Korruption. Insgesamt ein profunder Einstieg für Branchenneulinge. Auch für Profis lesenswert ist das Kapitel über die "Stop the clock"-Kampagne von AOL. (Politik & Kommunikation vom 01.04.05:)

Interessenvertretung, die einem starken Änderungsprozess unterworfen ist, ist notwendig aber unter Einhaltung von Verhaltensregeln . Auf diesen Kernsatz lassen sich die drei zentralen Thesen von Florian Busch-Janser Wirtschaftsjurist, Politikwissenschaftler und Herausgeber der Internetplattform poli-c.de zusammenfassen, deren Überprüfung er sich in 6 Hauptkapiteln seiner Arbeit zur Aufgabe gemacht hat. Der eigentlichen Arbeit schließt sich ein relativ ausführlicher Appendix an. Mit 98 Begriffen aus den Public Affairs stellt das Glossar dem Leser ein sehr umfangreiches Nachschlagewerk zur Verfügung. Daran anschließend bringt der Autor das Bemühen um geeignete Verhaltensregeln noch einmal explizit durch ein Verzeichnis von im internationalen Raum zuletzt erarbeiteten Verhaltenskodizes zum Ausdruck. Hilfreich gestalten sich in einem nächsten Schritt die aufgeführten Auszüge derjenigen Gesetzestexte, auf welchen Busch-Janser seine Argumentation gestützt hat. [...] Zusammenfassend besticht Busch-Jansers Arbeit durch seine klare Struktur und die umfassende Argumentation in Bezug auf die Legitimierung des Lobbying. Durch das sehr anschauliche AOL-Fallbeispiel gelingt es dem Autor, die Verbindung zwischen theoretischer Analyse und praktischen Handlungsempfehlungen zu ziehen. Zusammen mit dem ausführlichen und aktuellen Literaturverzeichnis, welches sein Werk abrundet, bietet Busch-Janser einen umfangreichen Überblick über das Public-Affairs-Management in Deutschland. Das Buch richtet sich insofern nicht nur an Studenten, sondern eignet sich ebenso für Praktiker, die am Public Affairs Management aber auch an manch theoretischem Hintergrund interessiert sind. (Kerstin Liehr auf poli-c.de vom 10.01.05)

Reseña del editor

Die Bedeutung der unternehmerischen Einflussnahme auf die Politik nimmt ständig zu – darüber ist man sich einig. Diskutiert wird allerdings über die Ausrichtung am Gemeinwohl: Ist es legitim, wenn Lobbyisten politische Entscheidungen beeinflussen? Nutz dies nur dem Unternehmen oder letztendlich auch der Allgemeinheit? Die Frage nach der Legitimität von Einflussnahme durch Interessengruppen wurde bereits in den siebziger Jahren unter dem Stichwort Korporatismus aufgegriffen. Standen damals Verbände im Mittelpunkt, richtet sich der Fokus nun auf die Unternehmen. Das politische System der BRD ist heute verstärkt mit unternehmerischer Interessenwahrnehmung konfrontiert, die in der Öffentlichkeit oft als Widerspruch zum Pluralismus wahrgenommen wird. Dieser Eindruck entsteht, weil sich moderne Unternehmen durch das Public Affairs Management – die moderne Form des Lobbying – professionell am Willensbildungsprozess beteiligen. Um zu beurteilen, ob der Pluralismus durch diese Interessenwahrnehmung gefährdet oder gefördert wird, müssen die Strukturen des politischen Systems unter einem neuen Blickwinkel auf ihre Offenheit für das unternehmerische Engagement geprüft werden.

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