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SUSH MUSH. Zeichnungen und Gedichte aus dem Tagebuch

Scheuerecker, Hans

 
9783936165043: SUSH MUSH. Zeichnungen und Gedichte aus dem Tagebuch

Inhaltsangabe

SUSH MUSH eröffnet eine Reihe von Skizzenbüchern von Hans Scheuerecker in der edition MINOTAURUS. Es wird mit ihnen der Versuch unternommen, die Sprache, das Vokabular Scheuereckers Gemälde zu offenbaren und den Ursprung, das Reine der Skizze hervorzuheben. Neben den Zeichnungen von Hans Scheuerecker sind zum ersten Mal Gedichte des Malers veröffentlicht.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Hans Scheuerecker: 1951 geboren in Römhild/Thüringen / 1967- 71 Lehre und Arbeit als Elektromonteur / 1971-79 Bühnentechniker, zeitweise Theatertischler und -schlosser, Handlanger auf dem Bau, Plakatkleber, Pförtner und Kinokartenabreißer / 1975 Bewerbung zum Studium der Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Dresden abgelehnt / Seit 1979 freischaffend als Maler, Grafiker, Aktionist und Bühnenbildner in Cottbus / 1982-91 Schwarz-Weiß Periode / 1982-86 Lehrauftrag an der Zweigstelle der Hochschule für Bildende Künste Dresden in Cottbus / 1984 Beginn der Malaktionen / 1989-90 erneute Hinwendung zum Tafelbild / 1989-99 Zusammenarbeit mit der Band SANDOW / 1992 erster Träger des Kunstpreises des Landes Brandenburg / 1992 Arbeitsaufenthalt und Stipendium in Rio des Janeiro / 1996 Stipendium und Studienaufenthalt im Künstlerhaus Ahrenshoop / 1996 Beginn der plastischen Arbeiten

Aus dem Klappentext

Als die Muster müde wurden, so kam mir der erste Satz in den Sinn, als mir im ruhelosen, gedankengequälten Gehen die Orte des alltäglichen Lebens häßlich wurden, fade und dreckig hell. - Der Akt, den Scheuerecker in seiner Kunst vollzieht hat 3 Zauber: Der erste ist der des karnevalistischen Maskentanzes einer Frau in Venedig, die hinter ihrer bunten Maske das hübsche Gesicht des sorgenvollen Lebens trägt. - Der zweite Zauber ist die metaphorische und auch wahrhaftige (wenn man besonders an seine neuen Plastiken denkt) Erhebung seiner eigenen Symbole aus der Fläche, um sie in etwas Massives, Hartes, Unverwüstliches und Allgemeingültiges, ohne institutionelles Gesetz zu machen. - Und der dritte Zauber ist die nun endgültige Auflösung aller perspektivischen Lehren, die der Malerei, die nicht "schmierig" ist, so bitter anhaften. Aus seinen Flächen macht er wieder einen Raum, vielleicht identisch einer Bedeutungsperspektive, um mit jedem Werk ein neues Sinnbild des Lebens zu schaffen. Ein Zeichengewirbel, dem wir noch ansehen, daß es sich hierbei um eine Frau, Liebe, den Weg und die Gräser handelt. Die Symbole dienen als Muster für die Schaffung eines kleinen Lebensuniversums, mit dem er jetzt selbst Cézanne, de Chirico, Ernst und, ich möchte nicht übertreiben, Ansätze von Picasso überstrapaziert. Was ist wichtiger für einen Künstler als ein Muster, die Symbolik. Es ist ein Markenzeichen, sein Codesystem, um in seiner Sprache zu sprechen. Ein gefundenes "Muster" ist das Kapital eines Künstlers und gleichzeitig dies Lebensgrundlage, an dem sich das Leben immer wieder erneut interpretieren läßt. Stellen sie sich vor, einen Scheuerecker finden Sie irgendwann auf Ihrer Einkaufstüte, auf der Bäckertüte, in der sie am Morgen ihre Brötchen von einer netten Verkäuferin gesteckt bekommen. Und an jedem Morgen finden Sie dort ein anderes Motiv einer neuen Serie des Künstlers. Das wäre dann die Umkehr des Lichtenstein-Aktes, als er "Schau mal Mickey", seine erste Adaption eines Comicbildes malte und den Grundstein seines Codes legte, der einmal der einzelne Druckpunkt werden sollte. Der Akt des Malens eines Druckpunktes birgt ins ich natürlich auch schon einen grandiosen Akt, der Wirklichkeit ein Schnäppchen zu schlagen. Bild und Abbild verschachteln sich hier in mehreren Dimensionen. Nehmen wir Mickey Maus oder Donald Duck als künstlerisches Abbild auf einem Kaugummibildchen, das ein Künstler wiederum in einem neuen Zusammenhang zitiert, auch wenn die Metapher vielleicht nicht so schwanger ist, solange die Comicfiguren noch nicht die Worte Lichtensteins sprechen. Nun würde das Kunstwerk zurück auf das Produkt, oder seine Verpackung gelangen. Diesen Akt gibt es schon. 1999 wurde Lichtenstein und der Comicstil schon in einer MAZDA-Werbekampagne zitiert. Und hier wurde, wie selbst bei einer einfachen Postkartenreproduktion der gemalte Punkt ein Offsetdruckpunktemeer - ein faszinierender Akt. Aber worauf ich eigentlich hinaus will ist die Kunst für den Verbraucher. Viele Serien von Hans Scheuerecker würden es hergeben, auch wenn er sich jetzt als Künstler verraten fühlt, diesen Sinn der Verschönerung, des Lebens zu übernehmen, wenn sie für jeden erreichbar auf den alltäglichen Artikeln wären. Gleichzeitig wäre dies natürlich eine Marktlücke, um der Flut der stenotypischen Sonnenuntergangsfeldlandschaften auf TETRA PAKS und Folien ein Ende zu bereiten. Aber um noch einmal auf die Muster zurückzukommen. Es hat gerade in den 90ern und durch die über uns hereinbrechenden Musikveranstaltungsflyerflut eine überaus bedeutende Kraft bekommen. Das Ablösen der Zeitungs- und Produktbeschreibungszitates in der Punk und Rock´n-Blues Kultur durch die Techno-, Electronic- und Sample-Musik kam allmählich (man zitierte selbst in dieser Szene noch 50er Jahre Pin Ups oder Turntablebedienungsanleitungen), jedoch mit dem stetigen Ziel des einfachen, dekorativen, "spacigen" Untergrunds. Träger für schöne Typographien wurden so immer ausgereiftere Computergrafiken und Effekte (Muster), die sich jedoch immer mehr einem übergeordneten Sinn entledigten, auch wenn der sich nur durch einen kleinen Splitter Gesellschaftskritik durch das Zitieren von unmoralischen Werbestrategien definierte. Anders als bei Scheuerecker, der als moderner, zeitgemäßer Künstler fast computerreine Muster zu seinen Bildern macht, in denen er, sich selbst immer neu zitierend, Symbole, Codes und Motive einbettet. Inwieweit der rein dekorative Effekt durch das Verschachern seines eigenen Wortschatzes dabei eintritt bleibt das Urteil des Publikums. SUSH MUSH ist ein Beispiel dafür, wie sehr Scheuerecker absoluter Künstler ist. Die hier versammelten Zeichnungen sind nicht nur als fertiges Werk zu sehen, das sind sie sowieso nicht, da ich annehme, daß viele Motive als Code in neuen Bildern auftauchen werden. Viele hier gezeigten Zeichnungen sind Skizze, Suche und Lichtblick für das Neue in Scheuereckers Wortschatz. Am bemerkenswertesten fielen mir dabei die Marterpfahlmotive ins Auge; das gefesselte Ich der Zusammenkunft in Begierde, die in Liebe mündet. Neben den "Marterpfahlbildern" ist natürlich die afrikanische oder naive Logistik in der Darstellung menschlicher Würde auffallend. Diese ist jedoch nicht als einfaches Zitat oder als dümmliche Formensuche mißzuverstehen, da Scheuerecker sich in seiner Sprache so verselbstgegenständlicht, daß ich vielmehr erwarte, eine Gabel, einen Strick, das Messer, die Nase und die Haare aus der Scheuerecker-Dialektik geformt, demnächst als Alltagsgegenstand kaufen und gebrauchen zu können. Womit wir wieder bei den Bildern auf den Verpackungen und unglaublich schweren Stahlplastiken wären., Alexander Scholz - Herausgeber

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WOLKEN / Den Wolken nach, / ist / dort / Liebe / Wo komm ich an / wenn ich flieg´.
MORGEN / wird / sein / nichts nennenswertes / Ein Impresario / verreckt auf der Autobahn / die Katze / hat Futter und / schaut gleichgültig / Ich wechsle / volle gegen leere Bierkisten / und warte auf den / Abend / um / eifersüchtig auf / den / Mond zu sein

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