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Verhalten: Roman (Trojanische Pferde) - Hardcover

Raab, Thomas

 
9783932170546: Verhalten: Roman (Trojanische Pferde)

Inhaltsangabe

Thomas Raab, 1968 in Graz geboren, lebt als Schriftsteller, Kognitionsforscher und Übersetzer in Wien. Zusammen mit Oswald Wiener arbeitete er über ein automatentheoretisches Modell des "ästhetischen Prozesses". Er veröffentlichte in zahlreichen Literatur-, Kunst- und Wissenschaftszeitschriften. 1999 erhielt er das Romstipendium für Literatur des Österreichischen Bundeskanzleramts.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Thomas Raab, 1968 in Graz geboren, lebt als Schriftsteller, Kognitionsforscher und Übersetzer in Wien. Zusammen mit Oswald Wiener arbeitete er über ein automatentheoretisches Modell des "ästhetischen Prozesses". Er veröffentlichte in zahlreichen Literatur-, Kunst- und Wissenschaftszeitschriften. 1999 erhielt er das Romstipendium für Literatur des Österreichischen Bundeskanzleramts.

Aus dem Klappentext

In seinem Debüt Verhalten stellt Thomas Raab ein Ereignis an den Ausgangspunkt, das die österreichische Öffentlichkeit vor einiger Zeit tief erschütterte und von den typischen Reaktionen des Boulevardjournalismus begleitet wurde: Die Ehefrau eines anerkannten Wiener Psychiaters springt, nachdem sie ihre beiden Kinder aus dem 4. Stock geworfen hat, selbst hinterher und überlebt. Mit dem erklärten Verzicht auf eine faktenbezogene Recherche wird eine Familientragödie fingiert und zum Verhaltensmodell einer urbanen Lebenswirklichkeit gesteigert.
Der anonyme Charakter der Figuren macht sie dabei zu Platzhaltern eines beobachtbaren Vorgangs menschlichen Verhaltens in einer beliebigen mitteleuropäischen Metropole. Deren gesellschaftliche Strukturen, kulturelle Prozesse und alltägliche Lebensläufe werden in einer distanzierten Sprache beschrieben, die sich in ihrer vorgeblichen Nüchternheit zu einem bissigem Humor steigert. Der zweite Teil wechselt in die Perspektive der Mutter, und zeigt in dichter, rätselhafter Sprache deren Gedanken und Gefühle, während des Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik.
Die subtil angelegte Komposition, die Engführung von wissenschaftlicher und poetischer Sprache, das Einfühlungsvermögen des Autors in seine Figuren prägen dieses außergewöhnliche Debüt und veranschaulichen die Gewalt, das Scheitern und die Stellung der Liebe in unserer Gesellschaft.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

AN DIESEM TAG IM HERBST oder im Oktober wird O ihre Freundinnen getroffen haben. O trifft ihre Freundinnen jetzt gerne, denn A und O leben seit kurzem getrennt. O und ihre Freundinnen albern herum. Sie machen sich schon lange nichts mehr aus Männern, ihre Freundinnen. Mann sein, sagt eine von ihnen, ist eine antike Obsession, ein Bündel an Dispositionen für den Hugo, eine Einstellung als Auslaufmodell. O lacht. Ihre Freundinnen gratulieren ihr zur Entscheidung, A verlassen zu haben. Sie sitzen gemeinsam an einem Tisch in einer Bar. Es ist wenig Licht dort und viel Rauch von Zigaretten, vorzugsweise Gauloises Blondes Legères aus roten Packungen. Alle zusammen gratulieren ihr. Man einigt sich und lacht.

Seltsam sei es doch gewesen, denkt A laut, dieses Gehörthaben zu einer Familie, wo man wie ein Gefangener gelebt hat. Seltsam, ein erwachsener Mensch in fortgeschrittener Lebensphase gewesen zu sein, denkt A laut, und als erwachsener Mensch hingemußt zu haben, zu einer Frau, O, oder zu den Kindern, B und M, in ein dunkles oder nur fahl beleuchtetes Zimmer, wo man die Frau oder die Kinder, O, B, M, nur halb im Dunkel gesehen hat, und sie um Erlaubnis zu fragen, abends ausgehen zu dürfen zur Vernissage oder zur Dichterlesung oder ins Haubenrestaurant eines Bekannten. Deshalb, weil es so seltsam gewesen ist, wie A laut denkt, hatte er lieber nicht gefragt, sondern hatte bereits ein schwarzes Sakko der Marke Armani umgeschnallt und die Wohnungstür hinter sich geschlossen. Machen wir uns nichts vor, denkt A laut, es wird eine gewöhnliche Geschichte der Gewalt gewesen sein.

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