Oi! - The sound of the street, die Musik der Straße! Anfang der '80er Jahre im East
End, einem Londoner Arbeiterviertel, kreiert, von den Kids geliebt, von den Medien
verachtet und der Plattenindustrie weitgehend ignoriert, erfreut sich das Genre auch
heute, 15 Jahre später, weltweit noch immer großer Beliebtheit.
Während der ursprüngliche '77er Punk sehr schnell zum Modetrend mutierte, hauchten
die Protagonisten des New Punk, Bands wie The Business, Cockney Rejects oder
Angelic Upstarts, der Bewegung recht nachdrücklich neues Leben ein. Auch Bands der
alten Garde, wie Menace oder Cock Sparrer, erlebten zu Beginn der letzten Dekade
eine Renaissance.
Die samstäglichen Fußball-Ergebnisse und die Frage danach, wer das nächste Pint
spendiert, waren bei der ursprünglichen Bewegung immer von gršßerer Bedeutung als
wie auch immer geartete Parteipolitik!
Jene Enzyklopädie soll den musikalischen Werdegang sowohl der populären als auch
weniger beachteten Vertreter des Genres beleuchten.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Eine Art Einleitung: Was ist Oi? Oi! war und ist mehr als Musik, Oi! steht für einen "Way of Life"! Oi! heißt Individualität, seinen eigenen Weg zu gehen und Autoritäten jeder Art zu mißtrauen. Per definitionem kann Oi! demnach gar nicht faschistisch sein, da müssen einige Leute etwas völlig falsch verstanden haben! Linguistisch entspringt "Oi" dem Cockney-Slang und bedeudet, unter anderem, soviel wie "I", also "ich", wird darüberhinaus aber auch einfach nur als lautmalerischer Ausruf ohne tieferen Sinn benutzt. Der Begriff Oi! wurde innerhalb der Musikszene, so ist es gemeinhin überliefert, zum ersten Mal von den Cockney Rejects benutzt, die ihre Songs anstatt mit dem üblichen "One, two, three"-Anzählen eben mit "Oi, Oi, Oi begannen. Gleichnamiger Song ist auf der LP 'Greatest Hits Vol.2' von 1980 (EMI) zu finden. Hier noch ohne Ausrufezeichen! Dieses ist wohl dann eine Erfindung des damaligen Sounds-Journalisten Garry Bushell, der aus Oi! eine Bewegung machte, die mit 'Oi! The Album' (1980, EMI) ihren Anfang fand (siehe O-Ton-Interview im vierten Teil dieses Buches). Aufgrund der stilistischen Bandbreite erscheint ein klare musikalische Definition von Oi! wenig praktikabel bis unmöglich. So konträre Gruppen wie The Gonads, The Last Resort und The Blood (alle Bestandteil jener Enzyklopädie) werden gemeinhin unter dem Stichwort Oi! subsumiert. Oi! war und ist immer mehr als reine Skinhead-Musik. Leider führte die Hetzkampagne der Massenmedien dazu, daß genau die Bands als Sprachführer der Bewegung deklariert wurden, die mit dem Genre im Grunde genommen nichts zu tun hatten. Skrewdriver haben sich selbst beispielsweise niemals als Oi!-Band bezeichnet (und hätten jene Bezeichnung in ihrer politisch geprägten Spätphase wahrscheinlich als "Beleidigung" angesehen)! Gegenstand dieses Buches sind ausnahmslos britische Bands (war genug Streß), die Oi!-Szenen (Rest-) Europas, Amerikas und speziell Deutschlands bleiben völlig außen vor. Macht Euch also an die Arbeit! Ich persönlich bin sogar der Meinung, daß Oi! an sich eine typisch britische Angelegenheit war (viele werden mir da sicher widersprechen), und somit jede Transformation von Anfang an zum Scheitern verurteilt sein muß (ein englischer Pub spiegelt z.B. eine völlig andere Lebensphilospohie wieder als die gewöhnliche deutsche Eckkneipe). Besonders (aber bei weitem nicht nur) in Deutschland haben einige Bands den Begriff Oi! offensichtlich völlig falsch verstanden. Zeitlich wurde die gesamte Spanne abgedeckt, von den Ur-Street Punks wie Menace und Cock sparrer (Mitte bis Ende der '70er) über die große Oi!-Welle Anfang der '80er bis hin zu relativ jungen Bands, die sich zum Teil erst Anfang der '90er gegründet haben (Short 'n' Curlies, Argy Bargy, The Chozen). Zu Beginn der Recherche für jene Enzyklopädie stand noch das Bestreben im Vordergrund, das Oi!-Spektrum in seiner Gesamtheit abdecken zu wollen! Dieser Anspruch stellte sich jedoch recht schnell als unerfüllbar heraus Ð weswegen es sich hier "lediglich" um den ersten Teil von 'Oi! The Book' handelt, immerhin ein Anfang! Dies hatte vor allem zwei Gründe: zum ersten gestaltete sich der Bereich der obskuren Oi!-Bands (siehe auch die exzellente CD-Serie 'Oi! The Rarities' auf Captain Oi!') doch umfangreicher als erwartet. Zum anderen erlahmte das Interesse diverser Mitarbeiter an jenem Buchprojekt leider wieder recht schnell, zuverlässige Autoren können sich für zukünftige Bücher unter der weiter vorne abgedruckten Adresse melden! hnlich problematisch stellte sich die Zusammenarbeit mit diversen Bands und Labels dar, zahlreiche Interviews blieben leider schlichtweg unbeantwortet. Dieses Nachschlagewerk behandelt vorwiegend die musikalischen Aspekte des Oi!-Kults, in Bezug auf philosophische, soziologische oder historische Fragestellungen sind bereits vorzügliche Werke publiziert worden (siehe Literaturempfehlungen im Anhang). Das Oi!-Genre musikalisch in seiner Abgrenzung zum Punk zu definieren, ist sicherlich nicht einfach! Es wird immer Grenzfälle dabei geben. In dieser Enzyklopädie haben wir jede Band als Einzelfall betrachtet, die Begriffe Street Punk und Oi! sind synonym zu behandeln (ebenso wie Real Punk oder New Punk). Labels wie No Future Records benutzten die Bezeichnung Oi beispielsweise nicht als generische Kategorie, sondern lediglich als Katalognummer für ihre 7" Singles (z.B. "Oi 1" als erste Single auf No Future), im Gegensatz zu den LPs, die das Präfix Punk zugesprochen bekamen (z.B. "Punk 1" für die erste LP auf No Future). Cock Sparrer wurden ebenfalls nicht als Oi!-Band "geboren", The Exploited waren dafür gleich auf dem ersten Oi!-Sampler vertreten! Erstere sind Bestandteil dieses Nachschlagewerks, zweitere nicht! Oftmals mußte die Anhängerschaft als ausschlaggebender Faktor über die Kategorisierung mitentscheiden (obwohl es auch hier einige 50:50-Fälle gab). Seid also nicht sauer, wenn Eure Lieblingsband nicht vertreten ist, wir werden unsere Gründe gehabt haben. Nein, es lag bestimmt nicht an den fehlenden Infos (heuchel)! Es sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich mit diesem Buch lediglich um den ersten Band einer Oi!-Enzyklopädie handelt und somit zahllose wichtige (und auch unwichtige) Gruppen des Genres erst in folgenden Publikationen Berücksichtigung finden werden. Ihr werdet darüberhinaus die eine oder andere eigentümliche Band auf den folgenden Seiten finden, die auf den ersten Blick völlig aus dem (musikalischen) Rahmen zu fallen scheint, es aber durchaus eine direkte (z.B. The Bombshells als Beki's Follow Up-Band nach Vice Squad) oder indirekte (Billy Karloff als Saufkumpel und Produzent von The Business) Querverbindung zum Oi!-Genre gibt. Auch nicht unbedingt linientreue Side-Projects sind berücksichtigt worden: so etwa UK (Micky Fitz und Steve Kent, The Business) oder Heavy Metal Outlaws (Steve Whale, The Business, und Roi Pearce, The Last Resort). Offenkundig rechts- oder linksradikale Bands haben für dieses Buch keine Berücksichtigung gefunden. Wobei hier nicht die Anhängerschaft der jeweiligen Band das ausschlaggebende Moment war (und sein konnte), sondern die Selbstdarstellung der jeweiligen Gruppe (Plattencovers, Texte, Interviews etc.). Was konnten Sham 69 dafür, daß irgendwelche Hohlköpfe ihre Gigs für Auseinandersetzungen und politische Agitationen nutzen wollten?
Matthias Mader
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