Es geht in dieser höchst unterhaltsamen Popsatire um die obsessive Beschäftigung eines Exzentrikers mit der noch exzentrischeren Sängerin Kate Bush.
Ein urkomischer, rasanter und mit britischem schwarzem Humor gespickter Roman.
Kates heftiger Bewunderer, das Unterwäsche-Model Leslie Herskovits, ist ein Mann, der, obwohl beneidenswert gut aussehend, sich selber verachtet.
Als klar wird, dass Kate ihre Fans seit nunmehr zwölf Jahren auf ihr neues Album warten lässt, sieht Herskovits sich längst als widerlichsten Fettsack auf britischem Boden.
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
John Mendelssohn ist Dramatiker, Erzähler und Rockkritiker. Er begann sich mit Rockmusik zu befassen, als er noch an der Universität in Kalifornien studierte.
Der gebürtige Amerikaner lebt heute in der Nähe von London. Zur Zeit schreibt er an einem Roman über Mobbing.
Mendelssohns familiäre Wurzeln liegen in Berlin. Sein Urgroßvater betrieb dort eine
Fleischerei.
Es gibt bemerkenswerte Gemeinsamkeiten zwischen ihm und seinem Romanhelden.
Mendelssohn widerstand allerdings bislang erfolgreich der Versuchung, vom Dach eines Hochhauses springen zu wollen.
Vorspiel: Mir bleibt nur noch eins
»Na los, spring schon!« flüsterte es jedes Mal in mir, wenn ich aus großer Höhe von irgendwo nach unten blickte. Also verbrachte ich mein ganzes Leben damit, solche Situationen zu vermeiden. Nun aber sitze ich genau am Rand des Abgrunds, in den mich jene innere Stimme von jeher hat stoßen wollen, und ich bringe es einfach nicht über mich.
Im Übrigen hat es mir großen Spaß gemacht, die armen Polizisten Chiang und Murray zu ärgern, die zusammen wohl noch nicht mal fünfzig Jahre alt sind.
Sie waren als Erste da, vermutlich nach dem Hinweis von jemandem, der mich von einer Wohnung auf der anderen Straßenseite aus beobachtet hatte. Und sie taten weiß Gott ihr Bestes, aber viel mehr als ernstes Bemühen hatten sie nicht zu bieten. Dass ich tatsächlich springen könnte, versetzte sie in helle Aufregung, und das machte sie mir anfangs sehr sympathisch. Ich schien für sie kein Mensch zu sein, sondern eine Idee. Ihre Sorge war nicht, Leslie Herskovits zu verlieren, sondern die Vorstellung, dass jemand freiwillig aus dem Leben scheiden wollte. Aus einem ganz ähnlichen Grund redeten sie mich mit Sir an, so als hätten sie Respekt vor mir als einem Mitglied jener Öffentlichkeit, der sie angeblich dienten, statt aufrichtig Respekt vor mir zu haben.
Als ob so etwas überhaupt möglich wäre, erst recht in meinem Fall.
Constable Chiang, ein frommer Presbyterianer, der Ur- oder Ururenkel von Chinesen, nahm ich an, die von schottischen Missionaren gerettet worden waren, schien entsetzt, dass ich durch den Sprung meinen Platz im Himmel verwirken könnte, während sich seine Kollegin Charlene eher Sorgen machte, dass ich bei meiner Landung einen unschuldigen Passanten erschlagen oder zumindest eine Sachbeschädigung anrichten könnte.
Sie flehten mich an, ihnen zu erzählen, was mich dazu trieb, aber ich fand, das wäre Perlen vor die Säue geworfen. Wenn ich ihnen sagte, dass mich Selbsthass verzehrte, dass ich es im Turnunterricht nie geschafft hatte, die Kletterstange zu erklimmen - würden sie sich dann nicht bloß verwirrt anschauen und mir mit blöden Sprüchen kommen? Wie ich dazu käme, mich selbst zu hassen, obwohl ich doch ganz klar ein ganz ungeheuer toller Bursche sei? Wenn ich berichten würde, dass ich bei der einzigen Aufgabe in meinem Leben, bei der ich auf gar keinen Fall hatte scheitern wollen, nämlich meiner Tochter ein guter Vater zu sein, kläglich versagt hatte - würden sie überhaupt nachvollziehen können, wovon ich redete? Sie waren noch so jung, dass sie allenfalls Säuglinge zu Kindern haben konnten, und wenn ich ihnen nun sagen würde, dass ich meine Hässlichkeit, meine obszöne Korpulenz schlicht nicht mehr ertragen könne - würden sie dann nicht auch von der Epidemie grausamer Hänseleien erfasst werden, die London in den vergangenen Monaten überschwemmt hatte, und so tun, als sei ihnen das gar nicht aufgefallen?
Jedenfalls nannte ich ihnen keinen der ersten neunundzwanzig Gründe, aus denen mein Leben so sehr auf der Kippe stand, sondern kam ihnen mit Nr. 30. »Wenn Sie mir versprechen können, dass Kate Bush innerhalb der nächsten sechs Monate ein neues Album herausbringt«, sagte ich, »lasse ich mich von Ihnen retten.«
Wie abzusehen war, sahen sie sich nur verwirrt an, und das machte mich wütend.
»Sie haben noch nie von ihr gehört, stimmt's?«, sagte ich. »Sie haben noch nicht mal von ihr gehört, verdammt! Wie können Sie sich einbilden, dass ich in einer Welt leben möchte, in der öffentlich Bedienstete nichts von der größten britischen Songschreiberin und Sängerin der letzten fünfundzwanzig Jahre wissen?« Ich wandte mich wieder dem Abgrund zu.
»Nein!«, schrie Constable Chiang. » Withering Heights , richtig? Natürlich habe ich von ihr gehört. Meine Schwester Victoria war ein Fan von ihr. Hat dauernd ihre Musik gehört, wirklich!«
» Wuthering «, korrigierte ich ihn, »Herrgott. Benannt nach dem Roman von Emily Brontë, der sie zu dem Song inspiriert hat. Auch ein Filmklassiker mit Sir Laurence Olivier. Nehme an, von dem haben Sie auch noch nie gehört. War ja nur der größte Schauspieler seiner Generation.« Ganz schön geheuchelt! Als ob ich den Brontë-Roman jemals gelesen hätte! (Als ob Kate selbst das getan hätte!) Als könnte ich mich erinnern, Sir Larry in irgendwas anderem als Der Marathonmann und The Boys from Brazil
gesehen zu haben. Oh, es wird dunkel, genau wie es Kate in ihrem ersten Hit beschrieben hat. Und kalt wird es auch. Wenn ich nicht bald sprang, standen die Chancen nicht schlecht, dass ich da oben zum Eisblock gefrieren würde.
»Was mögen Sie denn für Musik?«, fragte ich Constable Murray, hauptsächlich um ihr Handygespräch zu unterbrechen. Ich nahm an, sie forderte Verstärkung an. »Ich?«, sagte sie blöde. Dann lebte sie auf, es gefiel ihr, dass ich mich für sie interessierte. »R&B und so. Craig David. The Sugarbabes. Mis-Teeq.« Ich hatte mein Leben damit verbracht, anderen Leuten das Gefühl zu geben, sie seien interessant.
»Mit anderen Worten, die wahren Giganten des Genres«, sagte ich. »Verzieht euch, Smokey Robinson und Aretha und Marvin Gaye und Stevie Wonder.« Wenn ich schon als Sarkast gelebt hatte, warum sollte ich nicht auch als einer sterben?
Ein paar schlaksige Teenager in Kapuzenshirts und viel zu weiten Hosen, die ihnen kaum über die Schamhaare reichten, vermutlich Bewohner einer der Mietshäuser hier, erschienen auf dem Dach. Beim Anblick der Polizisten erstarrten sie. Dann aber erblickte der Größere der beiden mich und schrie: »Geil!«
»Verschwindet, Leute!«, rief Constable Chiang.
Der Kleinere wollte schon gehorchen, aber der Größere stellte sich taub. Er zog eine winzige, höchstwahrecheinlich gestohlene Digitalvideokamera aus einer seiner monströsen Vordertaschen und richtete sie auf mich. »Wenn er springt, Alter, verkaufen wir das an die BBC. Total abgefahren!«
»Ich sag's euch kein zweites Mal! Ihr sollt verschwinden«, drohte Constable Chiang nicht sehr überzeugend.
»Die Leute haben ein Recht auf Information, Mann«, sagte der Junge mit der Kamera, der mich, ohne sich zu rühren, in dem kleinen ausklappbaren Monitor beobachtete.
Jetzt trafen noch zwei Leute ein - ein älterer Constable mit rotem Gesicht und Hängebacken und ein Mann in Zivil. Der Constable legte eine Hand auf die Kamera des Jungen und stieß sie ihm an die Stirn, worauf er aufjaulte. Der Mann in Zivil wandte sich in meine Richtung.
Blieb aber gleich wieder stehen, als ich mich weiter auf den Rand zuschob und rief: »Das reicht!« Es wurde windig. Wir hatten vielleicht noch zehn Minuten Tageslicht, beziehungsweise das, was man in einem Londoner November so nennen kann.
Der Mann gehorchte aufs Wort. Ja, er war ein echter Kumpel. »Stimmt!«, bestätigte er und hob kapitulierend die Hände. »Stimmt. Sie sind der Chef. Ich tu alles, was Sie wollen. Sehen Sie? Ich bin Lieutenant Martyn - mit y, bitte - Martyn Root von der Metropolitan Police. Darf ich Ihren Namen erfahren?«
»Del Palmer«, sagte ich und musste selber grinsen. Er sah mich lange an. »Nein«, sagte er schließlich, »das glaube ich nicht so ganz. Del Palmer war Kate Bushs Bassist, später der Arrangeur und Linn-Drum-Programmierer und ihr langjähriger Lebensgefährte.«
Ich war beeindruckt. Erstaunlich, wie schnell sie einen aufgetrieben hatten, der sich auskannte, einen echten Kate-Fan.
»Meine Identität ist unwesentlich«, sagte ich. »Wir werden uns nicht so lange Gesellschaft leisten, dass Sie meinen Namen wissen müssen.«
Constable Chiang ächzte hörbar, aber mein neuer Kumpel, Lieutenant Root, auf Unerschütterlichkeit gedrillt, schien nur leise zu seufzen. »Sagen Sie das nicht, Sir. Ich habe den Verdacht, dass wir alles geregelt bekommen, wenn wir jetzt zusammenarbeiten.« Er ging ein paar Schritte auf mich zu und hatte plötzlich einen glänzenden Einfall: Er setzte sich hin.
»Wie ich höre, sind Sie verzweifelt, weil Kate seit elf Jahren kein Album mehr herausgebracht hat. Nun, wer von uns ist das nicht? Ich möchte...
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Zustand: Sehr gut. 0 Roman um die exzentrische Sängerin Kate Bush. 351 S., weitgehend unbenutzt, 572 g schwer, C-4. Artikel-Nr. 07808
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Zustand: very good. Gut/Very good: Buch bzw. Schutzumschlag mit wenigen Gebrauchsspuren an Einband, Schutzumschlag oder Seiten. / Describes a book or dust jacket that does show some signs of wear on either the binding, dust jacket or pages. Artikel-Nr. M03927638307-V
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