Radios von gestern: Das Sachbuch für Sammler und Radio-Amateure - Hardcover

Erb, Ernst

 
9783907007099: Radios von gestern: Das Sachbuch für Sammler und Radio-Amateure

Über die Autorin bzw. den Autor

Ernst Erb, 1936 (Basel) hat sich nach Gründung und Aufbau verschiedener Firmen (Data Center Luzern, Computer-Fachzeitschrift, Milchviehbetrieb mit eigener Verarbeitung und Vertrieb auf Teneriffa) voll auf seinen Jugendtraum, das Restaurieren alter Geräte der Telekommunikation konzentriert. Dabei mußte er feststellen, daß umfangreiche Kenntnisse gefordert sind und das Hobby für den anspruchsvollen Sammler nicht ohne Grundlagenwissen sowohl technischer als auch historischer Natur einen Sinn macht. Sich dies in nützlicher Frist ohne neue, konzentrierte Unterlagen anzueignen, ist heute nahezu unmöglich. Darum sind die Bücher entstanden. Die dazu nötige Bibliothek und die umfangreichen und seltenen Sammlerstücke (z.B. mehr als 30 Schweizergeräte der 20er Jahre) sind in der »Stiftung Radiomuseum Luzern« (Schweiz) nach Voranmeldung zu sehen.

Aus dem Klappentext

Wie entstehen Funk, Rundfunk und Radiobewegung. Entwicklung des Radios und der wichtigsten Radiofirmen pro Land. Verwandte des Radios. Röhrenentwicklung. Sammeln, Restauration, Technik und Reparatur. 2'000'000 Zeichen und 900 Bilder auf 456 Seiten DIN A4 mit kleiner Schrift (Helvetica leicht, 9.1 Punkt).

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Sammlerstücke, Raritäten und Exoten Apparate, die aus einer allgemein gesammelten »Linie« stammen, heißen Sammlerstücke. Fallen einige Sammlerfaktoren zusammen, gilt der Apparat als seltenes Sammlerstück oder Rarität. Als Exoten gelten Stücke, die äußerst selten vorkommen, aber keine Besonderheit aufweisen und nicht allgemein gesucht sind. So jedenfalls möchte ich diese Begriffe hier auseinanderhalten.

In der Praxis gehen diese Begriffe natürlich fließend ineinander über und richten sich nach ganz persönlichen Einstellungen. Auch wechselt der gleiche Apparat in einem anderen Land seinen Stellenwert vollkommen. Wie bereits erwähnt ist normalerweise ein Gerät im Herstellungsland wesentlich gesuchter als in einem Nachbarland. Bei weiten Distanzen erhält ein Stück womöglich wieder einen gewissen »Exotenwert«, wie dies bei uns oft bei Geräten aus den USA der Fall ist. Die Preise für US-Radios sind dort bedeutend niedriger als in Europa. In »The old timer's bulletin«(AWA) vom November 1988 stehen die erzielten Auktions-Verkaufspreise anlässlich der »Historical Radio Conference« von 1988. Mehr als 200 Apparate und 50 Röhrentypen wechselten die Hand. Die ca. 100 Rundfunkempfänger - mehrheitlich aus den 20er und 30er Jahren - erzielten am häufigsten zwischen 25 und 65 USD. Nur ausgesuchte »Kathedralen« erreichten 100-125 USD. Typische Beispiele - Drei »RCA Radiola III« (1924) kosteten 30/30/37 USD, zwei »Crosley 51« (1924/25) fanden zu 37/75 USD einen neuen Besitzer und zwei »Atwater Kent, Modell 20« (1924/25), zu 25/35 USD. Von den sieben Geräten über 300 USD waren die teuersten »Rundfunkempfänger Amrad Super Type B« zu 1700 USD (kommt in der Beschreibung über »Amrad« in [287] nicht vor), »Johnson & Phillips T-6« (1916, Phillips mit »ll«) zu 1600 USD, »Kennedy 110« (1922) zu 575 USD.

Rarität oder seltenes Sammlerstück? Als seltenes Sammlerstück verstehe ich ein Gerät, das selten, aber dennoch so häufig vorkommt, daß es einige Sammler besitzen. Oft sind es Stücke, die »in eine Sammlung gehören«. Weil selten, bilden sie Mangelware. Man sieht sie in wenigen, vollständigen Sammlungen und sie sind von bestimmten Sammlern noch gesucht.

Ein Eigenbau kann ein interessantes Stück oder Exot sein; eine Rarität bildet er nach der Auffassung des Sammlers nicht. Sein Fehlen läßt keine Lücke in der Sammlung offen. Läßt ein Apparat lediglich wegen seiner kleinen Produktionsmenge eine Lücke offen, gilt er als seltenes Sammlerstück.

Raritäten sind nicht »nur« die typischen Lücken einer Sammlung, sondern weisen noch »das Besondere« auf. Meist ist es ein spezielles Design. Dies führt dazu, daß auch Nichtsammler sich für das Gerät interessieren bzw. Personen ein Gerät als Andenken behalten. Beispielsweise kam der »Ingelen-Geographic« ca. 1983/84 wegen einer Veröffentlichung in den Blickpunkt und galt ab dann zunehmend als Rarität.

Bild »Ingelen-Geographic, A«, von 1937 mit farbiger Weltkarte als Stationsanzeige. Superhet mit Bandfiltereingang für LMK, Edelholzgehäuse 540 x 355 x 320 mm BHT, Edyn-LS, AK2, AF7, AB2, AL1, AZ1. Weitere Geräte aus der Serie siehe unter Österreich und Farbfoto.

Eine größere Rarität bildet der Rundfunkempfänger »Telefunken, Modell 12« mit Stabröhren, weil er zu einer vollständigen Telefunken-Sammlung gehört, aber wegen des Rückziehers von Telefunken noch viel seltener zu finden ist. Beide Apparate zeichnen sich durch technische Besonderheiten aus - der »Geographic« zusätzlich durch ein besonderes Styling.

Rar und damit selten sind natürlich offene Batteriegeräte aus den Anfangszeiten des Rundfunks. Bei dieser Gruppe gibt es aber wieder diese Unterscheidungen - lediglich das Preisgefüge sieht anders aus. Leider ist es menschlich - aber nicht vernünftig - wenn man hin und wieder den Ausspruch hört - »Schauen Sie, dieses Gerät fehlt gerade in der und der sonst kompletten Sammlung - aber ich besitze es!«.

Exoten

Sind Herstellfirmen zu klein und bald wieder vom Markt verschwunden, können zwei extreme Situationen eintreffen - entweder suchen einzelne Sammler deren Produkte sehr und diese Geräte erreichen hohe Preise oder sie geraten »in Vergessenheit« und man findet sie höchstens per Zufall bei einem Sammler als »Exot«. Letzteres ist bei Eigenbau-Geräten nahezu immer der Fall. Jedenfalls leiden Eigenbau-Radios heute noch unter geringer Wertschätzung. Selbstbauten inkl. Bauunterlagen sind interessanter, sofern es sich um Baupläne bekannter Firmen oder Veröffentlichungen in Zeitschriften handelt.

Wo Geräte finden?

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre findet ein Umbruch statt; das sammelnswerte Radio taucht immer seltener bei Trödlern und in Brockenhäusern (Schweiz) auf. Bis in die 60er Jahre war es leicht, alte Radios für ein Butterbrot oder sogar von Radioreparaturwerkstätten gratis zu erhalten. Man fand sie im Müll, bei Trödlern, in Bazaren - einfach überall! In den 70er Jahren bedurfte es bereits größerer Anstrengungen, um zu guten Stücken zu kommen. In den 80er Jahren sind es eher Zufallstreffer, und alle Vorkriegsapparate haben schon ihren Preis. Erste Apparate tauchen in Antiquitätengeschäften auf und gelegentlich finden Auktionen durch bekanntere Häuser statt ...

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Verlag: vth, 2011
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