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Der Fall Crump: Roman - Hardcover

Lewisohn, Ludwig

 
9783905951035: Der Fall Crump: Roman

Inhaltsangabe

Ein Meister der Darstellung des Lebens zu zweit ist hier am Werk. Wenig liegt ihm am Banalen, auch wenn das Banale unter seiner Feder zur Hölle wird. Die Liebe verkehrt sich zu einem Käfig, dessen Enge die Kräfte in äußersten Hass umschlagen lassen. New York. Es treffen aufeinander: ein Mann und eine Frau. Er ein junger Komponist, sie eine Veteranin des Lebens. Sie träumen von Liebe. Jeder auf seine Art, verborgen dem andern. Ihre Heirat erfolgt, weil das Leben es so will. Dann beginnt das Crescendo der gegenseitigen Verachtung, Erniedrigung, Zermalmung,. Eine Schlacht der Emotionen, mit blank gelegten Neven, perfide, gewaltig, ausweglos. Der finale Mord: ein Monument der Selbstbehauptung. 'Zugleich aber ist es auf Schritt und Tritt mehr und weniger als ein Roman, nämlich Leben, krasse und ungeträumte Wirklichkeit, und sein künstlerisches Schweigen ist an mehr als einer Stelle von der Art, dass es einem Schrei verzweifelt ähnlich ist.' Aus dem Vorwort von Thomas Mann

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Ludwig Lewisohn (1882 - 1955) Sohn Berliner Juden, die 1890 in die USA auswandern. Lewisohn beginnt früh zu publizieren, er arbeitet als Lehrer, Übersetzer und Redakteur. Von 1924 bis 1934 lebt er in Europa. Ab 1948 ist Lewisohn Mitbegründer der Brandeis University wo er Literaturwissenschaft lehrte. 1926 erscheint in Paris The Case of Mr. Crump. Sigmund Freud feiert ihn als 'ein unvergleichbares Meisterstück', James Joyce, Thomas Mann und andere reagieren mit Verve auf das Werk. In den USA zunächst verboten, erreicht der Roman 1946 unter dem Titel The Tyranny of Sec Millionenauflage.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

"Die Geschicke ihrer Familie, das Leben ihrer Mutter und ihre eigenen frühen Jahre gehörten zu den Dingen, über die Mrs. Crump zu sprechen liebte. Sie tat es nicht besonders häufig. Es musste die Stunde eine ruhige sein; es mussten die Kinder, so weit sie dies sagen konnte, versorgt und zufrieden sein. In solch besonderen Momenten, vor allem nach einem guten Abendessen, eröffnete Mrs. Crump ihre Erinnerungen. Sie liebte es, zu solchen Anlässen in einem tiefen Armstuhl zu sitzen, ein Buch auf ihrem Schoß zu halten. Sie setzte ihre Lesebrille, die auf ihrem kleinen, fleischigen Nasenrücken niemals wirklichen Halt fand, ab und legte sie auf das Buch. In Stunden wie diesen konnte sie, so ihr Lieblingsausdruck, 'ein klein wenig Trost empfinden'. Ihr unvollkommen hennagetöntes Haar saß dabei lieblos hochgesteckt auf ihrem Kopf, unverändert seit den Morgenstunden; gekleidet war sie meist in einen leicht verschmutzten, mit Vorliebe gelben Kimono. Ein flüchtiger Friede in ihren grauen Augen, ein pathetisches Gefühl dann und wann für die Vergangenheit, mochten die Linien ihrer plötzlich hervorspringenden Knollennase und ihres kolossalen Unterkiefers weicher wirken lassen. Sie machte in solchen Stunden, besonders während ihrer letzten gemeinsamen Jahre, auf Herbert Crump den noch menschlichsten Eindruck. Die Welt ihrer Erinnerungen war eine ihm unvertraute jedoch nicht uninteressante Welt. Er war ihr zweiter Ehemann und beinahe zwanzig Jahre jünger als sie. Diese Tatsache, zu der es, ganz zu schweigen von dem offensichtlichen Alter ihrer Kinder, dutzende unwiderlegbare Beweise gab, hatte Mrs. Crump niemals zugegeben. Sie sagte, dass sie neun Jahre älter wäre als Mr. Crump. Bei trügerischem Licht und in Abendgarderobe, wohl ausgeruht und nicht ungeschickt zurechtgemacht, stellte sie diese mathematische Falschaussage auch urplötzlich, unwiderruflich und lautstark in den Raum. In solchen Momenten war es dann auch nicht ganz unglaubwürdig. Sie nutze und hütete und pflegte diese Momente in ihrer Erinnerung, als legte sie es darauf an, die Welt mit deren zusammengeballter Evidenz eines Tages konfrontieren zu wollen. Während ihrer häuslichen Gemütszustände nach einem Abendessen, geprägt von Ruhe und Erinnerungen, entglitt ihr diese herbe Unverfrorenheit an Behauptungswillen unbewusst. Sie nannte die Namen der Jahre nicht. Aber keineswegs aus Vorsicht. Alle Dinge, die mit Zahlen zu tun hatten, mit Ausnahme einer einzigen, waren in ihrem Gemüt natürlicherweise vage. Sie sprach aus einer dichten, typischen Welt zäher Erinnerungen heraus. Mit nie wechselnder Genugtuung beschrieb Mrs. Crump zunächst das Haus ihrer Ahnen mütterlicherseits, den Bronsons aus Frankfort, Kentucky. Sie gehörten, gemäß ihrer Worte, zu den besten Menschen der Stadt. 'Es gab die Bronsons, die Howards und die Jacksons', pflegte sie zu sagen. Es gab da ein großes, geräumiges, altmodisches Südstaatenhaus, mit riesigen Vorräten an Süßkartoffeln und Äpfeln. Es gab da eine Wiese mit Schafen. Die Großeltern waren schemenhaft. Irgendwo in dem Bild tauchte ein Major Guineau auf und verschwand wieder, ein Südstaatler der malerischen Vergangenheit: lange graue Locken unter einem Biberfellhut, ein altmodischer weißer Stock, eine Seidenweste. In Bezug auf wirtschaftliche Fragen war Mrs. Crump ebenfalls vage. Ihr Großvater besaß ein Geschäft, das irgendetwas mit 'den Schleusen', zu tun hatte, mit 'den Dämmen'. Boote auf dem Ohio River wurden erwähnt, sogar auf dem Mississippi. Konkrete Fakten nahmen mit dem Eingeständnis des Niedergangs ihrer Familie in der Generation ihrer Mutter ab. Es gab kein Geld mehr nach dem 'Kriege'. Sie sagte 'Kriege', mit einstudierter Ungeziertheit. Die Jungs der Bronsons konnten nicht zur Universität gehen. Joshua Bronson ging nach Chicago und wurde Schildermaler und Tapezierer ..."

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