Hochtor und Glocknerroute: Ein hochalpines Passheiligtum und 2000 Jahre Kulturtransfer zwischen Mittelmeer und Mitteleuropa

 
9783900305680: Hochtor und Glocknerroute: Ein hochalpines Passheiligtum und 2000 Jahre Kulturtransfer zwischen Mittelmeer und Mitteleuropa

Der Autor veröffentlicht das von ihm 1992 entdeckte Passheiligtum auf dem Hochtor, das mit einer Meereshöhe von 2590 Metern eines der höchst gelegenen heidnischen Heiligtümer der Antike war. Er schätzt, dass dort weit über einhunderttausend Opfergaben nieder gelegt wurden als Dank für eine geglückte Überschreitung des Alpenhauptkammes. Mit einer Unterbrechung in der Völkerwanderungszeit hat sich dieser Brauch bis in das 17. Jh. gehalten. Erst mit der Entdeckung des Heiligtums wurde erkannt, dass bereits seit prähistorischer Zeit eine Route über das Hochtor führte, die auf kürzestem Weg die Ostalpen überquerte. Auf ihr wurde ein intensiver Handel abgewickelt, der den kulturellen Austausch förderte. Harl gab ihr den Namen "Glocknerroute". Heute folgt ihr die berühmte Großglockner-Hochalpenstraße. Über das Passheiligtum fällt neues Licht auf die wirtschaftliche Bedeutung der Bodenschätze. So brachte Rom während der Gracchenkrise die ostalpinen Goldgruben unter seine Kontrolle (129 v. Chr.), was zum wichtigsten Wendepunkt in der antiken Geschichte des Ostalpenraums wurde. Auch die rätselhafte Stadt Noreia, sein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, nimmt durch die Entdeckung der Glocknerroute klarere Formen an. Obwohl Noreia um 150 v. Chr. von Polybios, dem großen griechischen Historiker besucht und beschrieben wurde, lässt es sich bis heute nicht lokalisieren. Mit einem Vergleich des Passheiligtums auf dem Hochtor und jenem auf dem Großen St. Bernhard(2469 m) macht Harl die aufwendige Infrastruktur sichtbar, die für die Überwindung der Alpenbarriere nötig war: Erst der Besitz der Alpenpässe erlaubte es den Römern, sich nördlich der Alpen auf Dauer festzusetzen. Nach dem Ende der Römischen Reiches überquerten ab karolingischer Zeit jüdische Fernhändler als erste die Ostalpen auf der Glocknerroute.

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