Nach dem bewaffneten Kampf: Ehemalige Mitglieder der RAF und Bewegung 2. Juni sprechen mit Psychotherapeuten über ihre Vergangenheit. Mit einem Vorwort von David Becker

9783898065887: Nach dem bewaffneten Kampf: Ehemalige Mitglieder der RAF und Bewegung 2. Juni sprechen mit Psychotherapeuten über ihre Vergangenheit. Mit einem Vorwort von David Becker
Críticas:

(...) ein Buch, in dem die Teilnehmer dieser Wochenenden die sieben Jahre in Erinnerungstexten reflektieren, ein Buch, das einen beim Lesen überrascht, ja überrumpelt. Keine Pamphlete. Keine Rechthaberei. Kein soziomarxistisches Sperrholzdeutsch, kein Aufrechnen. Nie hat man den Eindruck, diese Resümees seien als apologetisch auftrumpfende Texte geschrieben, eher klingen sie wie dunkle Echos der sieben Jahre Arbeit im Bergwerk Erinnerung. (Süddeutsche)

Nach dem Schweigen Aktivisten des »Heißen Herbstes« schaffen eine Diskussionsgrundlage Dreißig Jahre st der Heiße Herbst nun her. Das Buch »Nach dem bewaffneten Kampf« dokumentiert nun den ersten Versuch einer internen Aufarbeitung. Es geht um sehr persönliche Auseinandersetzungen zwischen ehemaligen Mitgliedern der RAF, Bewegung 2. Juni und deren Unterstützern, um ihre Lebensgeschichten, um psychische Befindlichkeiten von Ex-Häftlingen, aber auch um politische Geschehen und Diskussionen in der Bundesrepublik. Konstituiert hat sich die Gruppe eher zufällig. Angezogen von einem Seminar über Traumatisierungen von gefolterten Häftlingen traf der Personenkreis wieder aufeinander. Sie gewannen Psychoanalytiker und Psychotherapeuten dafür, sich mit ihnen an mehreren Wochenenden im Jahr zutreffen, um über sich, ihre Beziehungen untereinander, ihre Haftbedingungen, ihr Verhältnis zur Gesellschaft und über ihre Politik zu sprechen. Nach sieben Jahre währender Gruppenarbeit äußern sich die Teilnehmer nun öffentlich zu ihren Erfahrungen. In den sehr unterschiedlichen Texten der Gruppenmitglieder wird nicht selbstmitleidig in der Vergangenheit gerührt, auch nicht pseudowissenschaftlich die RAF-Geschichte aufgearbeitet. Statt dessen ist es ein Ansatz, das eigene Schweigen und das der Gesellschaft zu durchbrechen. So hatte zum Beispiel Karl-Heinz DelIwo, der mit fünf weiteren RAF-Terroristen 1975 die deutsche Botschaft in Stockholm stürmte, in den dreißig Jahren nach der Aktion noch nicht mit den Beteiligten darüber geredet. Dabei spielte für diese, damals jungen Menschen, in dem Lebensgefühl und der Motivation, sich für den bewaffneten Kampf zu entscheiden, die unverarbeitete Nazizeit, das Ausschweigen darüber, eine große Rolle. Sie kritisierten an ihrer Elterngeneration die Abweisung von Verantwortlichkeit, Aufarbeitung und Schuld. Nachfolgenden Generationen fällt es immer schwer, eigene Positionen und Identitäten zu finden, sich von den Eltern zu distanzieren und wieder anzunähern, wenn diese schweigen und verleugnen. Daher ist eine Auseinandersetzung mit den Geschehnissen von 1977 nicht nur von Interesse für die unmittelbar Beteiligten und die Zeitzeugen, sondern genauso wichtig für die heute 20- bis 30-Jährigen, deren Eltern von dieser Zeit geprägt wurden. An mehreren Stellen im Text wird klar, wie viele Akteure aus linken politischen Zusammenhängen auch selbst beinahe beim bewaffneten Kampf gelandet wären, wie viele sich heute noch vorwerfen, sich nicht genug oder zu viel eingebracht zu haben. David Becker bemerkt in seinem Vorwort »daß es damals für viele normal war, sich auch gewaltsam zu befreien«. Karl-Heinz Dellwo bemüht sich in seinem Text um die Herstellung eines politischen Zusammenhangs, erinnert an die Intention der RAF, einen Gegenentwurf zur bürgerlichen Welt zu schaffen, für Freiheit zu kämpfen und sie miteinander umzusetzen. Gründe für das Scheitern werden in seinem und den anderen Texten deutlich. Zu allererst erschrecken die Sprachlosigkeit, aus der wohl viel resultierte, der Autoritarismus, das Mißtrauen, die repressiven Strukturen, aus denen schwer herauszufinden war. In der Vorstellung des Revolutionärs vom revolutionären Kampf war dessen Leben nicht das höchste Gut. Auch in der Haft behielt Dellwo sich die Hintertür offen, sich das Leben nehmen zu können. »Nie habe ich in dieser Zeit auch nur einmal ernsthaft daran gedacht, mich individuell zu retten.«... (Scheinschlag 3/07)

(...) Tausende von Seiten sind bereits bedruckt worden, um Analysen des Phänomens Rote Armee Fraktion zu liefern, hier findet sich die erste, in der deutsche Terroristen, Psychoanalytiker und Therapeuten gemeinsam ihre sieben Jahre währende Arbeit in einer Gruppe beschreiben. (...) (...) So bleibt dieser Bericht nicht nur aufgrund der analytischen Selbstbeschränkungen, der Anonymisierungen sowie der bewusst ausgesparten, da bis heute strafrechtlich relevanten Fakten ein embryonisches Buch, das passagenweise selbst zum Symptom dessen wird, womit es sich befasst. (...) (Der Tagesspiegel)

Reseña del editor:

Nach einem Seminar mit David Becker im Michael-Balint-Institut Hamburg, entstand 1996 eine ungewöhnliche Gruppenarbeit und soweit bekannt, die einzige ihrer Art in der BRD: Ehemalige Mitglieder der RAF, Bewegung 2. Juni und Frauen aus der Unterstützerszene trafen sich fast 7 Jahre lang für mehrere Wochenenden mit Psychoanalytikern und Psychotherapeuten, um über sich, ihre Beziehungen untereinander, ihre Haftbedingungen, ihr Verhältnis zur Gesellschaft und über ihre Politik zu sprechen. Danach setzte sich jeder für sich noch einmal in Schriftform mit dem gemeinsam Erlebten auseinander. Entstanden sind sehr persönliche, intellektuell differenzierte und politisch reflektierte, hoch spannende Beiträge, die in ihrer Gesamtheit einen guten Einblick in die Denk- und Fühlstrukturen der Einzelnen und des gemeinsamen Prozesses geben.

Mit Beiträgen von: David Becker, Angelika Holderberg, Volker Friedrich, Lothar Verstappen, Karl-Heinz Dellwo, Monika Berberich, Knut Folkerts, Ella Rollnik, Roland Mayer, Irene Rosenkötter

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1.

Holderberg, Angelika
Verlag: Gießen Psychosozial-Verl (2007)
ISBN 10: 389806588X ISBN 13: 9783898065887
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Buchbeschreibung Gießen Psychosozial-Verl, 2007. kart., 0. Orig.-Ausg., Reihe Psyche und Gesellschaft, 21 cm, 216 S., kart., Buch sehr gut erhalten, Einband leicht berieben, geringe Gebrauchsspuren RW 7 R 7 Sprache: Deutsch 0,490 gr. Artikel-Nr. 14963BB

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Holderberg, Angelika (Hrsg.):
Verlag: Gießen: Psychosozial-Verlag, (2007)
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Buchbeschreibung Gießen: Psychosozial-Verlag, 2007. 216 S., broschiert. Buchzustand: Sehr gut. Rückdecjkel mit altem Preisaufkleber, sonst gut erhalten und ohne Anmerkungen o.ä.1996, nach einem Seminar mit David Becker im Michael-Balint-Institut Hamburg, entstand eine ungewöhnliche Gruppenarbeit und soweit bekannt, die einzige ihrer Art in der BRD: Ehemalige Mitglieder der RAF, Bewegung 2. Juni und Frauen aus der Unterstützerszene trafen sich fast 7 Jahre lang für mehrere Wochenenden mit Psychoanalytikern und Psychotherapeuten, um über sich, ihre Beziehungen untereinander, ihre Haftbedingungen, ihr Verhältnis zur Gesellschaft und über ihre Politik zu sprechen. Danach setzte sich jeder für sich noch einmal in Schriftform mit dem gemeinsam Erlebten auseinander. Entstanden sind sehr persönliche, intellektuell differenzierte und politisch reflektierte, hoch spannende Beiträge, die in ihrer Gesamtheit einen guten Einblick in die Denk- und Fühlstrukturen der Einzelnen und des gemeinsamen Prozesses geben. Mit Beiträgen u.a. von Monika Berberich, Karl-Heinz Dellwo, Knut Folkerts, Roland Mayer, Ella Rollnik, Irene Rosenkötter sowie Volker Friedrich, Angelika Holderberg und Lothar Verstappen. Mit einem Vorwort von David Becker. ISBN 389806588X Wir versenden am Tag der Bestellung von Montag bis Freitag. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 550. Artikel-Nr. 1033158

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Holderberg, Angelika (Hrsg.) und Monika Berberich:
Verlag: Gießen : Psychosozial-Verl., (2007)
ISBN 10: 389806588X ISBN 13: 9783898065887
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Buchbeschreibung Gießen : Psychosozial-Verl., 2007. kart. Buchzustand: Gut. Orig.-Ausg.. 216 S. ; 21 cm Sauberes, gepflegtes Exemplar. F62 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 320. Artikel-Nr. 123526

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Holderberg, Angelika (Hg.):
Verlag: Psychosozial, Gießen (2007)
ISBN 10: 389806588X ISBN 13: 9783898065887
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Buchbeschreibung Psychosozial, Gießen, 2007. OKart., Buchzustand: sehr gut erhalten. Gießen, Psychosozial 2007, 216 S., OKart., sehr gut erhalten. Artikel-Nr. 146386AB

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