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Wie wird man fremd?: Hrsg.: Jour Fixe Initiative Berlin

 
9783897714052: Wie wird man fremd?: Hrsg.: Jour Fixe Initiative Berlin

Inhaltsangabe

Unter den Bedingungen eines hochentwickelten Kapitalismus in den Metropolen, zunehmender Zivilisationsverluste in den Peripherien und weltweiter Migrationsbewegungen zwischen Peripherien und Metropolen ist "Der Fremde" bis zum Rand gefüllt mit Inhalten und Diskursen. Der Fremde wird zur Zielscheibe rassistischer und antisemitischer Projektionen. Wie wird man fremd? ist die Frage, die die AutorInnen unter Bezugnahme auf die Kritische Theorie, die Psychoanalyse und Theorien poststrukturalistischer Provenienz zu klären versuchen.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

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Einleitungjour fixe initiative berlinWie wird man fremd?Wie wird man fremd? Es ist gar nicht so einfach, auf diese scheinbar banale Frage eine Antwort zu finden. Schaut man sich die Geschichte der 'Fremden' und damit der Fremdenbilder an, dann merkt man recht schnell, dass sich diese Bilder im Laufe der Zeit recht deutlich gewandelt haben. In der Antike, im Mittelalter und noch bis in die frühe Neuzeit hinein galt der 'Fremde' als das 'unbekannte Wesen', als derjenige, über den man nichts wusste, als dass er einen Bart trug und anders war. Dagegen sammelte sich in der neuesten Zeit ein enormes Wissen über den 'Fremden' an. Der 'Fremde' der bürgerlich-kapitalistischen Moderne wird mehr und mehr in eine rationale Ordnung eingestellt und ist bis zum Rand gefüllt mit Inhalten und Diskursen. Wie also wird man in der Moderne fremd?Seit den bürgerlichen Revolutionen ist fremd, wer nicht zu Staat und Nation gehört. Die entstehenden Nationalstaaten ziehen ihre Grenzen und bestimmen, wer dazu gehört und wer nicht. Die bisherigen persönlichen Zugehörigkeiten werden durch nationale, später durch staatsbürgerliche Zugehörigkeiten ersetzt. Unabhängig davon, ob die Nationen ihre Zugehörigkeiten nach Abstammung oder nach Geburtsort oder, wie in den meisten Fällen, in einer Mischung beider Kriterien bestimmen: Eine Grenzziehung ist obligatorisch, und der Nationalstaat ist auf die Existenz von 'Fremden' angewiesen, damit er weiß, wer die Eigenen sind. Die auf diese Weise Eingeschlossenen sind der Autorität des Nationalstaates unterworfen, profitieren aber auch bis zu einem gewissen Grad von ihm. Immerhin haben sie eine gewisse Chance, ihren Teil vom auf nationaler Basis erzeugten Wohlstand abzubekommen.Weil die Insassen des Nationalstaates von der Grenzziehung profitieren, tragen sie auch dazu bei, diese Grenzen zu errichten und dicht zu halten. Umgekehrt sind die Nationalstaaten darauf angewiesen, dass ihre Grenzen als legitim angesehen werden. 'Fremder' wird man also nicht nur durch die objektiven Zwänge nationaler Staaten und nationaler Ökonomien. Fremd wird man auch durch die Art und Weise, wie sich diese Grenzziehungen in die Individuen und ihr Bewusstsein hinein verlängern. Fremd wird man durch ideologische, psychologische und diskursive Mechanismen.Zwar gab es auch schon in früheren Zeiten Fremdenfeindlichkeit, aber ein wissenschaftlicher Rassismus, der den Menschen erklärt, warum sie anders sind als andere, ist ein Produkt der Aufklärung. Nachdem mit den althergebrachten Gesellschaftsformen auch die religiösen Gewissheiten verloren gegangen waren, mussten sich die Menschen ihrer selbst in einer neuen Umwelt auf eine neue Art versichern. Je prekärer ihre Stellung in der Welt wurde, desto fester mussten die ideologischen Sicherheitsgurte gezurrt werden. Was als fremd definiert wird, lässt Schlüsse zu über das gesellschaftlich Unbewusste, über Ängste, Abgrenzungen und Phobien. Mit Sigmund Freud lassen sich Rassismus und Antisemitismus als individuelle Regressionen und Projektionen deuten. Diese individuellen Mechanismen übersetzen sich in gesellschaftliche Diskurse und Praktiken, weil sie auf einen gesellschaftlichen Zustand reagieren. Und als solche, eben als Rassismus und als Antisemitismus, bestimmen sie diesen gesellschaftlichen Zustand mit.Damit sind auch bereits die Zugänge umrissen, mit denen der Frage 'Wie wird man fremd?' nachgegangen werden kann. Die Kritische Theorie hat nach den Formen der Subjektkonstitution im Spätkapitalismus gefragt, um herauszufinden, was die Menschen zu antisemitischen und rassistischen Projektionen führt. Die Psychoanalyse hat die Mechanismen untersucht, mit denen sich die Menschen ihre Umwelt zurechtlegen. Und die Theorien poststrukturalistischer Provenienz haben zu zeigen versucht, wie sich die rassistischen Projektionen über diskursive Praktiken zu Herrschaft verfestigen. Auch in dieser Hinsicht knüpfen der vorliegende Band und die Vortragsreihe, die er dokumentiert, an die vorhergehenden Rei

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