Sachs - Unternehmer, Playboys, Millionäre: Eine Geschichte von Vätern und Söhnen - Hardcover

Rott, Wilfried

 
9783896672704: Sachs - Unternehmer, Playboys, Millionäre: Eine Geschichte von Vätern und Söhnen

Inhaltsangabe

Die in vielen Aspekten unbekannte Vergangenheit der schillernden Unternehmerfamilie Sachs war immer Teil der deutschen Geschichte: ob beim wilhelminischen Triumph des "Made in Germany", den Wirrungen und Depressionen der Weimarer Republik, den Untaten des Dritten Reichs oder dem Wirtschaftswunder der jungen Bundesrepublik. Die Zeit "Es sagt einiges über den Reiz der Sachs-Familienchronik von Wilfried Rott, wenn man am Ende feststellt, daß die Partien über Gunter Sachs noch die langweiligsten waren. ... Gründlich beobachtend, mit psychologischem Gespür und ausgewogener Urteilskraft vermag Wilfried Rott die Textur der wohl schillerndsten aller deutschen Geschichtsepochen bewegend zu evozieren. ... Das Buch führt packend vor, wie sich mit der deutschen Vergangenheit ohne dramaturgische Schwarzweißmalerei umgehen läßt. Das Ergebnis erlaubt die Ahnung, wie das zwanzigste Jahrhundert vielleicht ausgesehen hätte, wenn die deutschen Industriekapitäne nicht zu den Braunhemden übergelaufen wären. Die Traurigkeit, die Wilfried Rotts Familienepos erzeugt, ist zwangsläufig groß." Frankfurter Allgemeine Zeitung "Kann es zum Thema noch etwas Neues geben? Es gibt etwas." Der Tagesspiegel

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Wilfried Rott, geboren 1943 in Wien. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie. Promotion. Seit 1977 beim SFB Hörfunk und Fernsehen. Präsentation und Moderation diverser Sendungen (Berliner Ansichten, Berliner Salon, Alex). Seit 1990 Abteilungsleiter "Kultur Aktuell - Fernsehen". Moderator des Kulturmagazins "Ticket". Buchautor ("Ticket Berlin", "Playboy - Geschichte einer Kultfigur"). Diverse Lehrtätigkeiten (Berliner Journalistenschule, Hochschule für Musik "Hanns Eisler"). 1999 Ernennung zum Honorarprofessor. Kolumnist der "Berliner Seiten" der FAZ bis 2002. Rott lebt in Berlin.

Aus dem Klappentext

"Familiengeschichte hat Konjunktur, und davon nicht ausgenommen sind die Unternehmer, die aus verständlichen Gründen bislang eher geneigt waren, die eigene Vergangenheit vor neugierigen Blicken zu verbergen. ... Nach den Krupps und den Flicks ist nun also die Schweinfurter Industriellendynastie Sachs an der Reihe. In Wilfried Rott ... hat sie einen ebenso kundigen wie schreibgewandten Biografen gefunden. ... Rott hat viel aufschlussreiches Material zutage gefördert, und man versteht nach der Lektüre, warum die Familie Sachs kein besonderes Interesse daran haben konnten, den Autor bei seinen historischen Erkundungen zu unterstützen. ... Ein Kapitel aber verschlägt einem wirklich den Atem: Es ist der Bericht über die Verhandlungen der Spruchkammern, vor denen sich der 'Wehrwirtschaftsführer' Willy Sachs ... zu verantworten hatte. Selten ist die Farce der 'Entnazifizierung' so eindringlich geschildert worden. ... diese 'Geschichte von Vätern und Söhnen' ist lesenswert, weil sie die dunkle Seite einer familiären Tradition sichtbar macht, die immer noch gern beschwiegen oder schöngeredet wird ..."
Die Zeit

"Es sagt einiges über den Reiz der Sachs-Familienchronik von Wilfried Rott, wenn man am Ende feststellt, daß die Partien über Gunter Sachs noch die langweiligsten waren. ... Gründlich beobachtend, mit psychologischem Gespür und ausgewogener Urteilskraft vermag Wilfried Rott die Textur der wohl schillerndsten aller deutschen Geschichtsepochen bewegend zu evozieren. ... Das Buch führt packend vor, wie sich mit der deutschen Vergangenheit ohne dramaturgische Schwarzweißmalerei umgehen läßt. Das Ergebnis erlaubt die Ahnung, wie das zwanzigste Jahrhundert vielleicht ausgesehen hätte, wenn die deutschen Industriekapitäne nicht zu den Braunhemden übergelaufen wären. Die Traurigkeit, die Wilfried Rotts Familienepos erzeugt, ist zwangsläufig groß."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Kann es zum Thema noch etwas Neues geben? Es gibt etwas."
Der Tagesspiegel

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Bruder Sachs

Am 18. Juni 1911 machen sich die Brüder der Freimaurerloge "Brudertreue am Main" an die maurerische Arbeit zum Johannisfest, vollziehen die dabei fälligen Neuaufnahmen. Es sind in diesem Jahr mehr als sonst, nachdem die Loge in den zurückliegenden Jahren nicht allzu viele Neuzugänge zu verzeichnen hatte. Zu denen, die bereit sind, "sich den Gesetzen und Gebräuchen des Bundes willig zu unterziehen", gehört auch Ernst Sachs. Ein zweites Mal in seinem Leben wird er Geselle, macht sich noch einmal auf die Wanderschaft - diesmal jedoch alles in überschaubarem Rahmen. Weiter als in die "Kammer des stillen Nachdenkens", das lärmdicht und dunkel ausgeschlagene Meditationszimmer, und von dort in den Tempel führt ihn der Weg bei der Aufnahme in die Loge nicht. Nach Ablegen des Gelöbnisses mit seiner Verpflichtung zu unablässiger Vervollkommnung darf Ernst Sachs die Genugtuung empfinden, einen weiteren Schritt in die Honoratiorengesellschaft getan zu haben. Bei der "Tafelloge", dem geselligen Mahl der Logenbrüder im Anschluss an die rituelle "Arbeit" im Tempel - trockenes Gedeck 3,50 Mark - kann Ernst Sachs entspannt die neue Würde genießen.

Es gibt Hinweise, dass für Ernst Sachs seine Mitgliedschaft bei den Freimaurern über das Gesellige hinaus von Bedeutung war. Als er wenige Jahre später eine Festschrift über das von ihm erworbene Schloss Mainberg verfassen lässt, wird ihr auf ausdrücklichen Wunsch von Ernst Sachs ein Kapitel über die Geschichte der Freimaurerei eingefügt. Die Loge war ihm nicht nur ein weiterer Ausweis seines Aufstiegs in die Großbürgerlichkeit, sondern auch eine Möglichkeit, mit dem ihn allem Anschein nach belastenden Bildungsdefizit fertig zu werden. Nun gehört er einem Zirkel an, der sich der geistigen Arbeit verschrieben hat, bildungsbürgerlichen Vorträgen lauscht und diskutiert.

Was von der Schweinfurter Loge überliefert ist, lässt nicht auf intellektuelle Höhenflüge schließen. Eher deutet einiges auf etwas vereinsmeierliche Zusammenkünfte, bei denen es auch schon mal galt, das sittliche Verhalten eines Bruders zu werten, der sich als Arzt über das Diagnostische hinaus einer Patientin gewidmet hat.

Schließlich geriet die Loge während des Ersten Weltkriegs in eine Krise, weil sich niemand fand, der als Meister vom Stuhl amtieren wollte. Ernst Sachs ist nicht unter jenen, denen das Amt angetragen wird. Offensichtlich ist es bekannt, wie sehr ihn die Geschäfte fesseln. Statt Zeit hatte Ernst Sachs allerdings Geld anzubieten, und so wird er zu einem von fünf "Ehrenmeistern" der Loge, darf sich mit dem Winkelmaß im Lorbeerkranz schmücken.

Das Personaltableau der "Johannisloge Brudertreue am Main" in Schweinfurt zeigt, dass die Freimaurerei ihren Mitgliedern personelle Bekanntschaften und nützliche Beziehungen ermöglichten. Es begegnen uns Namen, die auch im Geschäftsleben von Ernst Sachs eine Rolle spielen und auch noch für Sohn Willy von Bedeutung sind, wie beispielsweise der Justizrat Ferdinand Jüllich. Er führt mancherlei Prozesse für Vater und Sohn, agiert am Ende des Zweiten Weltkriegs als Aufsichtsratsvorsitzender von Fichtel & Sachs und muss als solcher pikanterweise seinen Logenbruder Heinz Kaiser wegen dessen nationalsozialistischer Verstrickung entlassen. Auch Bernhard Georgii, der nach dem Ende des Dritten Reiches Willy Sachs bei der Entnazifizierung beisteht, war seit 1921 Logenbruder von Ernst Sachs.

Ernst Sachs muss, noch keine drei Monate Mitglied der Freimaurerloge, von einem der Brüder Abschied nehmen, der ihm wie kein anderer verbunden war. Karl Fichtel, der finanzielle und wirtschaftliche Begleiter, der große Ermöglicher und gewandte Verkäufer, stirbt am 8. September 1911. "Heil dem Sieger" verkündet ein Transparent über einem Auto, in dem Ernst Sachs hinter dem Steuer sitzt, umgeben von einer großen Gratulantenschar, die den Sieg eines mit Sachs-Lagern ausgestatteten Autos bei einem Autorennen im Jahr 1909 feiert. Etwas abseits, auf einem zur Szene gar nicht passenden Stuhl, sitzt Karl Fichtel, spitzbärtig, ein wenig oberstudienrätlich und sichtlich schon krank. Den großen Erfolg des von ihm gegründeten, durch seinen Einsatz überhaupt erst möglich gewordenen Unternehmens hat er noch miterleben dürfen. Jahrzehnte über seinen Tod hinaus wird sein Name Teil des Markenzeichens "Fichtel & Sachs" sein.

Die Freimaurerei bedeutete für Ernst Sachs nicht nur gesellschaftliche Anerkennung, geistige Heimat und Befriedigung seines Bildungsstrebens und dürfte ihm auch bei seinen internationalen Kontakten behilflich gewesen sein. So fest er in der süddeutschen Provinz in Herkunft, Habitus und Sprache verankert war, so drängt es ihn doch hinaus in die Welt, vor allem in die USA. 22-mal überquert er den Atlantik, um in der Neuen Welt als Verkäufer, Beobachter, aber auch Investor tätig zu sein. Er ist von der Dynamik der USA hingerissen, bewundert ihre modernen Fertigungsmethoden, die er am deutlichsten bei Henry Ford erleben kann. Den Revolutionär des Automobilbaus lernt der deutsche Fabrikant als Vertreter der eigenen Produkte kennen, die er in dem mit Samt ausgeschlagenen Musterkoffer in die USA mitgenommen hat. Dass Henry Ford wie er Mitglied der Freimaurer war, hat den Kontakt der beiden Fabrikanten gewiss erleichtert.

Ernst Sachs erlebt in den USA, wie rückständig die deutsche Autoindustrie mit ihrer betulichen Handwerkstradition im Vergleich zur amerikanischen produziert. Als Prediger des technischen Fortschritts kehrt Ernst Sachs jeweils aus dem gelobten Land der Industrialisierung zurück, ermuntert nicht nur seinen Freund Wilhelm Opel zu moderneren Produktionsweisen, sondern bestürmt die Autoindustrie überhaupt. Floriert diese, dann blüht auch Fichtel & Sachs, weil kein Fahrzeug ohne seine Kugellager auskommt. In Amerika selbst wird ein Tochterunternehmen gegründet. Ernst Sachs versteht es, gute Beziehungen zu amerikanischen Kugellagerproduzenten zu pflegen. Als die Star Ball Retainer Company ihr deutsches Zweigwerk, die "Deutsche Star-Kugelhalter GmbH 1909" von Berlin nach Schweinfurt verlegt, wird Ernst Sachs zusammen mit Karl Fichtel Gesellschafter des Unternehmens. 1925 geht das Werk vollständig in den Besitz von Ernst Sachs und der Witwe von Karl Fichtel über und bleibt bis zum Verkauf der Firma an Mannesmann im Jahr 1987 ein gemeinsames Eigentum der Erben von Fichtel und Sachs.

Ernst Sachs gründet zwar in Lancaster (Pennsylvania) eine Firma, vergisst darüber nicht den europäischen Markt. Um die Zollschranken zu umgehen, wird in Tschirnitz an der Eger ein Werk errichtet, das Torpedo-Naben, Kugellager und Stahlkugeln für den österreichisch-ungarischen Bereich produziert. In der Nähe von Sedan wird Gelände für eine Produktionsstätte in Frankreich erworben.

Der nachhaltigste Grundstückskauf erfolgt durch Ernst Sachs 1912 in einer Gegend, die für industrielle Fertigung wenig geeignet ist. In Oberbayern, nahe der österreichischen Grenze bei Kufstein, erwirbt er vom Münchner Kaufmann und Industriellen Georg Oberhummer ein rund 700 Hektar großes Anwesen, das Gut Rechenau oberhalb von Oberaudorf. Weit erstrecken sich die Wälder der romantischen Gegend, gekrönt vom Hausberg, dem Brünnstein. Ein Gutshaus, das großzügig ausgebaut wird, gehört ebenso zum Besitz wie eine Reihe von Jagdhütten, die teilweise selbst schon die Größe von Häusern haben.

Ernst Sachs wird damit zum Jagdherren eines sich weit dahinstreckenden Reviers, das die Hochgebirgsjagd auf Gämsen und Hirsche erlaubt und mit dieser Besonderheit eine große Schar von Jagdgästen herbeilockt, welche die Großzügigkeit eines freigiebigen Jagdherrn genießen. Sohn Willy Sachs wird diese Gewohnheit von seinem Vater mit schicksalhaften Konsequenzen übernehmen. Überhaupt wird die Rechenau über die Jahre immer mehr zum eigentlichen und wesentlichen Stammsitz der Familie Sachs. Die Sehnsucht des sterbenden Ernst Sachs gilt seiner Rechenau. Betty Sachs verbringt ihre letzten Lebensjahre in Oberbayern, der Sohn hält sich hier...

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Weitere beliebte Ausgaben desselben Titels

9783453640252: Sachs - Unternehmer, Playboys, Millionäre: Eine Geschichte von Vätern und Söhnen

Vorgestellte Ausgabe

ISBN 10:  345364025X ISBN 13:  9783453640252
Verlag: Heyne Verlag, 2007
Softcover