Das Methusalem-Komplott: Die Menschheit altert in unvorstellbarem Ausmaß, Wir müssen das Problem unseres eigenen Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen - Hardcover

Schirrmacher, Frank

 
9783896672254: Das Methusalem-Komplott: Die Menschheit altert in unvorstellbarem Ausmaß, Wir müssen das Problem unseres eigenen Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen

Inhaltsangabe

Niemand wird gerne alt. Jetzt altern ganze Völker in nie gekanntem Ausmaß. Das individuelle Schicksal wird zum politischen und ökonomischen Schicksal fast aller Staaten der Erde. Selbst nach vorsichtigen Schätzungen wird dieser Prozess auf unabsehbare Zeit anhalten. Für die nächsten fünfzig Jahre ist er bereits unumkehrbar. Die heute jungen Männer und Frauen, die später die vielen Alten werden, haben deshalb jetzt eine historische Chance: Sie müssen – schon aus Überlebensinstinkt – gegen die Diskriminierung des Alters vorgehen. Tun sie es nicht, werden sie in dreißig Jahren in die seelische Sklaverei gehen. Negative Altersvorstellungen, so zeigt die Forschung, führen zu selbstverschuldeter Unmündigkeit und einem Verlust an Denkfähigkeit schon im frühen Alter. Dabei hat die Forschung längst das negative Image des Alterns von Frauen und Männern korrigiert. Wir müssen, so die zentrale These dieses Buches, eine spektakuläre Kulturwende einleiten. Nicht durch ein neues Jugendbild, sondern nur durch eine militante Revolution des Bildes des eigenen Alterns gewinnt diese Gesellschaft die Chance, sich wieder zu verjüngen. Sie muss Gegenbilder schaffen: in der Kunst, im Leben, in der Wissenschaft. Die Macht, Märkte und Meinungen umzuformen, liegt bei dieser neuen Mehrheit. Dieses Buch will anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zu einem Komplott gegen den biologischen und sozialen Terror der Altersangst überreden, weil nur so die Jungen eine Chance bekommen.


Ausgezeichnet mit der Goldenen Feder 2004 des Heinrich Bauer Verlages.






Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Frank Schirrmacher, Jahrgang 1959, Studium in Heidelberg und Cambridge, Promotion. Seit 1994 war er einer der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". 2004 sagte er dem Altersrassismus den Kampf an – für sein Buch "Das Methusalem-Komplott" erhielt er u. a. den "Corine-Sachbuch-Preis" und die Auszeichnung "Journalist des Jahres 2004". Mit "Minimum" landete er 2006 erneut einen publizistischen Coup und setzte das Thema des Jahres. 2007 erhielt er als erster Journalist den "Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache" und wurde 2009 mit dem "Ludwig-Börne-Preis" ausgezeichnet. 2009 erschien bei Blessing "Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen" und 2013 "Ego. Das Spiel des Lebens". Frank Schirrmacher verstarb am 12. Juni 2014 in Frankfurt am Main.

Aus dem Klappentext

"Glaubt man den Publizisten Frank Schirrmacher (,Das Methusalem-Komplott') und Claudius Seidl (,Schöne junge Welt'), wird in Zukunft die gefühlte Zwölfjährigkeit bis ins hohe Rentenalter verlängert. Insofern sind Horden von weißbärtigen Boardern nur eine Frage der Zeit."
Welt am Sonntag

"Eine Frage von allgemeinerem Interesse ist, ob Claudius Seidls "Schöne junge Welt" gegen Frank Schirrmachers ,Methusalem-Komplott' ankommt. Auf den ersten Blick jedenfalls hat der Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ein Gegenbuch zum Bestseller seines Herausgebers geschrieben. Schirrmacher beschreibt, wie ein gewaltiger gesellschaftlicher Krisenknoten sich schürzt. Seidl erzählt von einer unblutigen Revolution der Lebensläufe, die jedem einzelnen mehr Glückschancen eröffnet. Bei genauerem Hinsehen jedoch ergänzen sich die beiden Bücher. Eine Eigenschaft der alternden Gesellschaft ist ja, daß die alten Zausel, aus denen sie sich zusammensetzt, ewig jung bleiben und auf teuren Partys lange Beine mit spitzen Pumps am unteren Ende anstarren wollen. Beide Bücher zusammen eröffnen den Blick auf die irgendwie süße und klebrige Zukunft unserer Gesellschaft als Methusalem-Komplott."
Die Welt

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Inhalt


Sie geh�ren dazu
Unsere Zukunft




Teil 1
Die Heraufkunft der alternden Gesellschaft
An- und Abfahrtzeiten der Generationen
Deutschland im Vergleich zur Welt
Der Krieg der Kulturen
Der Krieg der Generationen


Teil 2
Das Komplott
Das Ende des Jugendkults
Jugend, Sch�nheit, Fortpflanzung
Warum wir uns so sch�n, alt zu werden
Das soziale Altern
Das �konomische Altern
Die Cyber-Jugend
Die Kosten unseres Sterbens
Das geistige Altern
Die Methusalem-Generation


Teil 3
Die Mission
Hollywood in der Revolte
Kinderb�cher, Witze, Gl�ckwunschkarten
Entm�ndigung durch Sprache
Warum wir uns sogar schuldig f�hlen zu altern
Ein Kampf um den Kopf
Ratschl� des alten Herzens


Teil 4
Die neue Selbstdefinition
Nach uns
Ein paar Mitverschw�rer


Danksagung
Anmerkungen
Personenregister








Sie geh�ren dazu


Sie wissen es zwar noch nicht: aber Sie geh�ren dazu. Da Sie imstande sind, dieses Buch zu lesen, z�en Sie zu denjenigen, denen der Einberufungsbescheid sicher ist. Die gro� Mobilmachung hat begonnen. Im Krieg der Generationen sind Sie dabei. Sammeln Sie sich und seien Sie getrost: Sie geh�ren auf die Seite der Menschen, denen es in den n�sten Jahrzehnten aufgegeben ist, eine Revolution anzuzetteln.
Es klingt dramatisch, und das ist es auch. Tats�lich ist unsere Lage unhaltbar geworden. Noch befestigen wir unsere Rettungshaken am Alltag. So schlimm, sagen wir, kann es nicht sein. Der Nachrichtensprecher liest die Nachrichten und fl�chtet nicht verst�rt aus dem Studio. Die Redakteure schreiben ihre Leitartikel und Kolumnen. Die jungen Leute auf der Stra� sind zivil und umg�lich. M�tter schieben ihre Kinderwagen. Man h�rt noch keine Einschl�, die Front, sagen wir, ist noch fern.
Am Horizont der Zukunft aber baut sich eine der erbittertsten Streitm�te gegen die Alten auf, die es je gegeben hat. Sie marschiert auf uns zu, die wir heute 20, 30 oder 60 Jahre sind, denn wenn der Krieg beginnt, werden wir die �teren sein. Und die Gesellschaft, die wir geschaffen haben, nimmt dem Alternden alles: das Selbstbewusstsein, den Arbeitsplatz, die Biographie. Unsere Lebensentscheidungen basieren auf Grundrissen und Daten eines vergangenen Jahrhunderts. Gingen wir mit dem Raum so um wie mit unserer Lebenszeit, w�rden wir mit Postkutschen reisen.
Wir m�ssen jetzt handeln. Nur noch wenig Zeit trennt uns selbst von der Stigmatisierung. Bis dahin sollten wir die Vorstellungen des Alters aus der Steinzeit � wo sie jetzt sind � in die Zukunft geholt haben. Es geht um nichts weniger als eine Revolution, vergleichbar mit den gro�n Befreiungsbewegungen der Vergangenheit.
Im Augenblick sammeln wir noch kritische Masse. Wenn in f�nf bis zehn Jahren der Punkt des Umschlagens erreicht ist, wird wie mit Zauberhand eine ver�erte Gesellschaft im Gesichtskreis jedes Einzelnen erschienen sein. Wie oft berichten Menschen von der Pl�tzlichkeit, mit der das Alter sie wachr�ttelt. Ungl�ig schl� man die Augen auf, als w� man nicht seit Jahren vorgewarnt, und pl�tzlich ist man alt. So wird es unserer Gesellschaft ergehen. Die unersch�tterliche Logik der Abrei�alender sagt uns, dass die Drohung mit jedem neuen Geburtstag f�r uns alle w�st. Und doch tun wir so, als w� es nicht unsere Zeit, die gerade abl�t.
Es ist die Erfahrung, die Ihnen seit Kindesbeinen vom Stra�nverkehr gel�ig ist. Irgendwann fahren nur noch die jeweils neuesten Modelljahrg�e herum, und gerade diese Abfolge pr�riert f�r uns das Gef�hl vergehender Zeit. Der Opel Rekord von 1962, die Ente von 1968 und der VW-K�r sind wie die Ziffern auf einem Kalender. Uns geschieht das Gegenteil: Immer mehr Menschen bleiben immer l�er beieinander, und die Zeit scheint stillzustehen. Viele von uns werden gleichzeitig mit ihren Eltern, Gro�ltern und Urgro�ltern auf der Welt sein. Zum ersten Mal entsteht etwas, was in der Evolution nicht vorgesehen, ja von ihr mit allen t�dlichen Tricks verhindert werden sollte: eine nicht mehr fortpflanzungsf�ge Gruppe, die ihren biologischen Zweck l�st erf�llt hat, nicht mehr repariert wird und von der Natur auf Abruf gestellt wird, bildet die Mehrheit innerhalb einer Gesellschaft. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wird die Zahl der �teren gr��r sein als die der Kinder.
Sammeln Sie sich und seien Sie getrost, denn Sie geh�ren auf die Seite dieser �teren. Wir alle haben die gro� Aufgabe unseres Lebens noch vor uns. Wir werden vielleicht schw�er sein als jetzt, aber wir werden in der �erzahl sein.
Es geht um unsere Seelen, aber es geht nicht um Sentimentalit�n. Es geht um unser Selbstbewusstsein und unsere Sicherheit und damit um die Stabilit�der Gesellschaft, in der wir leben werden. Und es geht um Eigennutz auch im Interesse der kommenden Generationen. Die Diskriminierung des Alterns und des Alters wird weltweit zu einem �konomischen und geistigen Standortnachteil. Im Jahre 2050 werden allein in China so viele �ber 65-J�ige leben wie heute auf der ganzen Welt. Angesichts solchen Wachstums an Alter wird jene Gesellschaft am erfolgreichsten sein, deren religi�se oder kulturelle �erzeugungen das Alter sch�pferisch machen k�nnen. Wir sind, so paradox es klingen mag, als Alternde in einer alternden Gesellschaft zugleich Anf�hrer und Opfer einer neuen Globalisierungswelle. Im Kern geht es um das Bestreben jedes einzelnen Menschen auf dieser Welt, so lange leben zu k�nnen wie m�glich. Das ist das eine. Das andere aber ist das wachsende Bed�rfnis der Welt, den Menschen genau dieses Bestreben auf mehr oder minder deutliche Weise auszureden. In manchen L�ern dieser Erde nimmt man den �teren Haus, Hof und Nahrung; in anderen Gesellschaften, zu denen wir geh�ren, beraubt man sie des Selbstbewusstseins und der Lust am Leben.
Auch mit der Umw�ung all unserer Erfahrungen, Werte, Erkenntnisse ist es nicht getan. Was wir f�r richtig und gut halten, was wir Erfahrung nennen, was uns gro�und stark gemacht hat � all das zerreiben die Walzen des Alterungsprozesses. Er ist der r�cksichtslose Gleichmacher. Denn was z�en vergangene Erfolge, Sch�nheit, Lebenserfahrung und selbst Reichtum im Zeichen des Alters? Wie die Hobbits im Auenland leben wir ahnungslos dahin, bei Spiegeleiern, Pfeifentabak und all dem, was zur W�e des Lebens geh�rt. Aber am Horizont zeigt sich schon die neue Macht, die unser Leben und unsere Lebensform f�r immer ruinieren will.
Nehmen Sie es ernst: Es geht um die H�te Ihres gelebten Daseins, um eine Lebensspanne, die mindestens so lange dauert wie Geburt, Kindheit, Jugend und Ausbildung. Vergessen Sie all die Fehlalarme der letzten Jahrzehnte. �Anders als etwa bei der Klimakatastrophe, kann es keinen Zweifel geben, wann und wo das globale Altern beginnt�, schreibt der ehemalige amerikanische Wirtschaftsminister Peter G. Peterson, und die Bev�lkerungsforscher geben ihm Recht. Unser Altern wird nicht gem�tlich sein. Es wird keine Ohrensessel, Kaminfeuer und Vorratskammern geben. Wir k�nnen nicht zu Hause bleiben. Wir m�ssen losziehen, solange wir noch stark und selbstbewusst sind. Selten hat eine Gesellschaft so klar sagen k�nnen wie die unsere: Wir m�ssen in den n�sten 30 Jahren ganz neu lernen zu altern, oder jeder Einzelne der Gesellschaft wird finanziell, sozial und seelisch gestraft. Es geht um die Befreiung jenes unterdr�ckten und ungl�cklichen Wesens, das wir verdr�en und das heute noch nicht existiert. Es geht um unser k�nftiges Selbst.






Unsere Zukunft


Kein Mensch wird gerne alt. Diese pers�nliche Empfindung wird in den n�sten f�nf Jahrzehnten auf nie gekannte Weise zu einer �ffentlichen, die individuelle Verwundung durch das Altern wird zu einer Massenerscheinung...

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