Bildlichkeit und Bildorte von Liturgie: Schauplätze in Spätantike, Byzanz und Mittelalter (German Edition)

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9783895002571: Bildlichkeit und Bildorte von Liturgie: Schauplätze in Spätantike, Byzanz und Mittelalter (German Edition)

Liturgien fuhren Himmel und Erde zusammen. Sie sind umfassende Kommunikationsgeschehen, die sich auf vielfaltige Weise der Bilder bedienen. Diese sind in der Bildhaftigkeit des zeichenhaften Handelns wie auch in der konkreten Bildlichkeit der Schauplatze und Ausstattungen gegenwartig. Die Spatantike bildet den Ausgangspunkt fur die in diesem Band versammelten Aufsatze, da dort die gemeinsamen Wurzeln kaiserlicher wie kirchlicher Liturgien anzutreffen sind, die vielfaltig als Stations- und Festliturgien ins Mittelalter wirken. Seit den Anfangen Konstantinopels waren es die bewegten Bilder kaiserlicher Prozessionen, die das sakrale Fundament des byzantinischen Staatswesens sichtbar machten. Der spatantike Herrscher reiste nicht mehr mit seinen Truppen, sondern residierte dauerhaft im Palatium. Die kaiserliche Reichsliturgie wandelte sich in eine Stadtliturgie, das Staatsvolk in das privilegierte Stadtvolk Konstantinopels. In Beobachtungen zur Topographie Konstantinopels und in der Auswertung von Gesandtschaftsberichten bestimmt Albrecht Berger (Berlin) Schauplatze und Erscheinungsbild dieser Kaiserprozessionen naher. Dass diese Kaiserliturgien zugleich ein Kommunikationsrahmen sind, in dem sich Veranderungen in der Interaktion zwischen Volk und Kaiser abzeichnen, arbeitet Steffen Diefenbach (Munster) heraus. Kaiserliche Liturgien wirken in den kirchlichen Raum hinein und verandern das Gedachtnismahl zu einem prunkvollen Ritus in monumentalen Kirchenraumen. Einwirkungen der Reliquienverehrung fuhren zur Parzellisierung des liturgischen Raumes durch Krypten und Kapellen. Franz Alto Bauer (Rom) analysiert ihre Funktion und Wirkung im fruhmittelalterlichen Rom. Zwischen Liturgie und Bildausstattung stellen sich Wechselwirkungen ein, die das Entstehen neuer, kommentierender Bilder hervorrufen konnen. Am Beispiel liturgischer Bilderrollen Suditaliens untersucht Nino Zchomelidse (Tubingen/ Rom) die Bildfassungen und Konnotationen, die Ritus und Heilsereignis verknupfen. Am Beispiel byzantinischer Kirchenausstattungen erortert Michael Altripp (Greifswald) die Ubereinstimmungen und Divergenzen von Raumprogramm und Ritus. Dabei beobachtet er, dass die Bilder starker ideell als wortlich mit der forcierten Metaphorik der liturgischen Formulare und Liturgiekommentare korrespondieren. Liturgien sprechen als ganzheitliches Erleben alle Sinne an. Wie mittelalterliche Bildwerke vom Kirchenraum als Schau- und Erlebnisraum Gebrauch machen, stellt Johannes Tripps (Heidelberg) vor Augen. In einer Spurenlese an unterschiedlichen Bildorten rekonstruiert er technische Vorkehrungen, die eine Bespielbarkeit der Gewolbe und ihrer "Himmelslocher" fur Auffahrten von Christus- und Marienfiguren erlaubten oder die Fassaden unter dem Schall von Engelsstimmen zu einem sinnfalligen Erleben der Himmelsstadt machten. Im Skulpturenschmuck hochgotischer Chore versammeln sich die musizierenden Engelscharen um den Altar. Bjorn R. Tammen (Koln) nutzt die Baldachinfiguren an den Pfeilern des Kolner Domchores zu einem musikhistorischen Diskurs uber den Psalm 150 und differenzierte Konzepte der steinernen Engelmusik. Nicht zuletzt an seinem Beitrag wird offensichtlich, wie notwendig der Dialog zu Kunst und Liturgie interdisziplinar gefuhrt werden muss.

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Review:

Review - German "Die Beitrage sind uberwiegend flussig geschrieben und gut zu lesen. Sie geben Einblick in ausgewahlte Einzelaspekte des umfangreichen Fragenkomplexes nach den Wechselwirkungen von kirchlichen und kaiserlichen Zeremonien mit den Bauwerken, Kunstwerken bzw. urbanen Strukturen, die deren ausserlichen Rahmen abgeben. Der Titel des Bandes lasst nicht das weite Spektrum der verhandelten Themen erahnen, denn die erwahnten Bilder sind ja nur Teil dieses komplexen ausseren Rahmens. Daneben ist die grundsatzlich aufgeworfene Fragestellung, was denn die "Bildlichkeit einer Liturgie" ausmache, an den Rand gedrangt. Es steht zu vermuten, dass damit deren "Anschaulichkeit" gemeint ist, da sie vielerlei Sinne ansprechen kann. Vergleichbar und auf Wechselwirkung mit bestimmten Bildthemen oder -inhalten bedacht ware jedoch weniger die Anschaulichkeit, als vielmehr der jeweilige "Symbolgehalt" der liturgischen Elemente naher zu klaren - und dafur werden in dem Band vielerlei Beispiele untersucht."In: Zeitschrift fur Antikes Christentum. 8 (2005). S. 390-393.-----------------------------------"D

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