Appetit-Lexikon - Hardcover

 
9783889220905: Appetit-Lexikon

Inhaltsangabe


Neue Küche anno 1894
Das Appetit-Lexikon führt uns in eine kulinarische Welt, in der weder Schaumschläger noch Kreativköche das Sagen hatten. Verglichen mit dem heute üblichen kulinarischen Geplapper wirken die lustvoll und äußerst bestimmt geschriebenen Kapitel im Appetit-Lexikon wie kulinarische Miniaturen von bleibendem Wert. Mitunter sind es auch ebenso fakten- wie pointenreiche Ausflüge in eine Welt differenziertester Genüsse (vgl. nur Stichworte wie Feldhuhn, Pflaume, Tischkarte - und über eintausend weitere!). Manche Kapitel (z.B. Rauke) erinnern an den Wandel von Geschmacksbildern oder an mittlerweile längst verblassten Aversionen, die in der Zeit vor Tiramisu und Ruccola noch lebendig waren. Mancher Gedanke sogenannter Gastronomiepäpste, der heute mit wichtiger Pose verkündet wird, erweist sich nach Lektüre des Appetit-Lexikons als halbgare Variation; wenn nicht als billige Kopie.
"Die Herren Brillat-Savarin, von Vaerst und Rumohr in allen Ehren. Aber dass ihre Werke in den Bücherregalen ambitionierter Gastrokritiker überdauert haben, das Appetit Lexikon von Robert Habs und Leopold Rosner aber hundert Jahre nach seinem Erscheinen wieder neu entdeckt werden muss, das ist schlichtweg ungerecht. Denn es enthält ungemein präzise, kompromierte Warenkunden, die da, wo die Zeit sie überholt hat, immer noch ein lebendiges Bild von den kulinarischen Vorlieben jener Epoche bringen. Lesen Sie nur, was die beiden zum Thema Eis-Essen schreiben. Sie werden sofort hingehen und sich ein Eis bestellen, sogar im tiefsten Winter." (essen & trinken)Die Autoren Robert Habs und Leopold Rosner waren mit der gastrosophischen Diskussion der Zeit vertraut. Habs übersetzte z.B. die 'Physiologie des Geschmacks' und besorgte eine Überarbeitung von Rumohrs 'Geist der Kochkunst'."Hirsch, der Stolz der Wälder, bildet auch eine Zierde der Herrentafel, aber doch nur wegen des Vorzugs, der ihm als wahrem Edelwild in waidmännischem Sinne von Gott und Rechts wegen gebührt. Er ist der Rinderbraten des Reichen - ein weiterer Verdienst kann ihm der Gastronom trotz Winkell, Tschudi, Brehm und Wiel niemals zugestehen, denn das Wildbret des jagdbaren Hirsches ist hart, grob und trocken, kurzum mittelmäßig und außer der Feistzeit (August) überhaupt nicht oder kaum genießbar. Alles in allem darf man also einem Nichtjäger niemals zumuten, dass er sich an der Tafel für den Hirsch begeistere, denn ein so wahrhaft fürstliches Vergnügen der Birsiggang auf den gekrönten Recken gewährt, eine so geringe Gaumenweide bietet das erlegte Tier."

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