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Der Missionar: Dtsch. v. Britta Dutke. (Ariadne Krimi) - Softcover

McAllester, Melanie

 
9783886198672: Der Missionar: Dtsch. v. Britta Dutke. (Ariadne Krimi)

Inhaltsangabe

Ein spannungsgeladenes Team
Hätte es schlimmer kommen können? Für die Fahndung nach einem Serientäter wird eine Spezialeinheit bunt zusammengewürfelt: die übereifrige Streifenpolizistin Ashley Johnson, die unnahbare lesbische Mordkommissarin Elisabeth Mendoza und der homophobe Ermittler Steve Carson. Klar, dass diese Konstellation einem Minenfeld gleicht. Das sonderbare Team kämpft mit allen Mitteln. Anfangs noch gegeneinander...

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Melanie McAllester lebt und arbeitet in San Francisco. Von Beruf Polizistin, ist sie spezialisiert auf Verhandlungen mit Geiselnehmern sowie Krisenintervention. Ihre Insiderinnen-Kenntnis der Polizeiarbeit ist in Der Missionar genauso spürbar wie ihr Anliegen, das grausame Thema intelligent und souverän zu bearbeiten und die Spannung stetig zu steigern, ohne dafür drastische Gewaltszenen zu brauchen. Eine Fortsetzung ist geplant.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Ashleys freudige Erregung hielt an, während sie sich umzog- Straßenkleidung statt Uniform - und rüber zum Krankenhaus fuhr. Das musste eine echte Premiere sein! Eine Streifenpolizistin, seit weniger als zwei Jahren dabei, und wurde mit einer Serienverbrechen-Ermittlung betraut. Ashley war es schnurz, ob es daran lag, dass sie eine Lesbe war, was sie für den unausgesprochenen Grund ihrer Ernennung hielt. Es war die Chance ihres Lebens! Jetzt konnte sie sich wirklich bewähren, konnte sich einen Namen machen. Teufel auch, wenn sie diese Vergewaltigungen aufklärte, wurde sie womöglich langfristig als Ermittlerin eingeteilt, vielleicht war sogar eine Beförderung drin.
In ihre Tagträume von kommenden Großtaten versunken kam Ashley in die Notaufnahme marschiert, wo das Opfer wartete. Ein Pfleger schickte sie zu Raum A. Und in einer einzigen Sekunde verwandelte die Realität Ashleys Phantasien in einen Alptraum. Sie wollte auf dem Absatz kehrtmachen und wegrennen. Sie hatte sich geirrt, sie war nicht bereit. Nicht für das hier. Diese Frau war geschlagen. Ashley hatte schon schlimm zusammengeschlagene Leute zu sehen bekommen, aber dies war anders. Die Augen der Frau waren leblos, wie in Trance, leer. Als sie Ashley im Türrahmen erspähte, wurde ihr Ausdruck verbissen erwartungsvoll angesichts der großen Ermittlerin, die da hereingeschneit kam, als könnte sie etwas ausrichten.
Die ganze Bedeutung von Ashleys Aufgabe brach über sie herein und legte sich auf ihre breiten Schultern. Unter dem Gewicht fiel sie fast in sich zusammen. Bis jetzt waren ihre Pflichten immer wie ein aufregendes Spiel für sie gewesen. Löse in Rekordgeschwindigkeit das Puzzle, einen Tatort abzustecken. Sichere ihn, bis die Ermittler eintreffen. Schnapp dir den Übeltäter, wenn er noch in der Nähe ist. Lass dich nie persönlich in irgendwas reinziehen. Denk nicht weiter über die Menschen nach, in deren Krise du da herumstapfst. Keine Zeit, über Sinnfragen zu grübeln.
Diesmal war Ashley nicht bloß fürs Abstecken verantwortlich. Sie sollte diejenige sein, die kam, genau hinsah und die Teile zusammensetzte, so gut es ihr möglich war. Und jetzt wusste Ashley nicht recht weiter. Durch ihren Kopf wirbelten alle möglichen Gedanken- und Gefühlsfetzen. Sie leckte sich die trockenen Lippen, machte den Mund auf und schluckte den Kloß runter, der sich in ihrer Kehle verbarrikadiert hatte. Heiße Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie wünschte, sie könnte mit Doug zusammen sein und Einbrecher verhaften.

* * *

Ashleys Unbehagen über die unvermeidliche Auseinandersetzung mit Steve Carson nahm den ganzen Vormittag über zu, während sie die Formalien erledigte, die ihre Überstellung vom Streifendienst zum Ermittlungsdezernat erforderte. Sie wusste, was für ein Arschloch er sein konnte, auch wenn etliche Leute ihn sehr schätzten, darunter auch ihr Partner Doug. Steve, so hieß es, sei ein fairer und aufmerksamer Cop. Hilfsbereit zu Verbrechensopfern und zu seinen Kollegen. Allerdings auch streng dogmatisch in Bezug auf seine Grundsätze von Richtig und Falsch. Offenbar war Homosexualität für ihn etwas grundsätzlich Falsches, und diese Haltung schlug sich in seiner Arbeit nieder. Trotzdem war Doug anscheinend überzeugt, dass Steve seine Vorurteile schon noch überwinden würde, weil ihm gute Polizeiarbeit wichtiger war als seine Borniertheit. Das erleichterte Ashley kein bisschen.
Wenn sie jedoch an das Opfer dachte, scherte es Ashley einen Dreck, was Steve dachte oder fand. Sie würde diesen Täter fassen, mit oder ohne Hilfe. Ashley würde nicht zulassen, dass eines Mannes moralische Vorbehalte oder Eiertänzeleien die Jagd nach jenem anderen Mann behinderte, der unschuldigen Frauen mit Gewalt seine kranken Ideen aufzwang. Kampfesmutig betrat sie Steves Büro.
"Hallo, ich bin -"
Steve schoss von seinem Stuhl hoch. "Ich weiß, wer Sie sind, und ich weiß, warum Sie hier sind. Es stinkt mir, aber das scheint keine Rolle zu spielen. Ich meine, dass Sie unqualifiziert sind, aber das scheint ebenfalls keine Rolle zu spielen. Kommen Sie mir bloß nicht in die Quere. Kümmern Sie sich um Ihre feinen Freundinnen, und das war's."
Verflucht! Als wäre sie wieder eine blutige Anfängerin im Trainingskurs. Ehe sie sich fassen konnte, war Steve aus dem Büro gestürmt.
Heute war Freitag, aber Ashley war nicht danach, sich ins Wochenende zu verabschieden, nicht nach diesem Zusammenstoß mit ihrem neuen Partner. Sie nahm sich die Akten der bisherigen Überfälle vor. Sie würde sicherstellen, dass sie jedes Detail auswendig kannte. Vielleicht würde sich dieser Kerl aus dem Norden, Detective Mendoza, als umgänglicher erweisen, obwohl sie das bezweifelte.
Sie seufzte in sich hinein. "Willkommen bei den Ermittlern." (McAllester, Melanie: Der Missionar, 2002)

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