Ende der Hypnose: Vom Netz und zum Buch - Softcover

Reuß, Roland

 
9783866001411: Ende der Hypnose: Vom Netz und zum Buch

Inhaltsangabe

Dreißig Jahre nach dem Vordringen digitaler Technik ins Wohnzimmer leiden wir immer noch unter der kollektiven Hypnose, die Marshall McLuhan als erste Konsequenz der Heraufkunft eines neuen Mediums diagnostiziert hat. Wer sich ihr zu entwinden versucht und Kritik am fallout der Digitalisierung übt, wird schnell als konservativ denunziert – obwohl allein Kritik so etwas leisten könnte wie eine Überschreitung des Rahmens, der von den zunehmend monopolistischer agierenden Großkonzernen wie Google, Apple, Microsoft et al. vorgegeben wird. Deren Interessen spiegeln sich im manipulierten Bewußtsein einer zutiefst verunsicherten Öffentlichkeit, die sich mehr oder weniger bereitwillig über das Medium ausbeuten läßt. Das Einverständnis mit der immer mehr alle Kreativität erstickenden Entwicklung wird als ›alternativlos‹ verstanden.

Die Analysen von 'Ende der Hypnose' wenden sich gegen die weitverbreitete Komplizenschaft mit den technokratischen Grundzügen des Zeitalters. Sie versuchen, einen nach vorne gewandten Begriff von Kritik zu gewinnen, der die Gegenwart an ihren eigenen Ansprüchen auf Freiheit, individuelle Entfaltung und Authentizität mißt.

Dem Buch als materiellem, dreidimensionalem Objekt kommt dabei eine ausgezeichnete Bedeutung zu: als Aufmerksamkeit sammelnder Ort der Reflexion, als zentrale auratische Gegenmacht gegenüber den konformistischen, zerstreuenden und entindividualisierenden digitalen Techniken.

Die in 'Ende der Hypnose' vorgetragene Kritik erstreckt sich auf Phänomene wie die freiwillige Unterwerfung unter die allgegenwärtigen Imperative der Werbung; die Selbstvermarktung; den Verlust sprachlicher Sensibilität; den vorauseilenden Gehorsam von Universitätslehrern gegenüber den Diktaten einer kommerzorientierten Auftragsforschung; das unreflektierte Hinnehmen einer auf alles aufgepfropften Betriebswirtschaftslehre, die Begriffe wie 'Geschäftsmodell' oder 'Content-Industrie' als Münzen in Umlauf gebracht hat, mit denen nun jedermann meint zahlen zu müssen. Und sie läßt die aktuelle Urheberrechtsdebatte als Symptom einer Krise verstehen: In einer Epoche, deren hervorstechendes Merkmal die Geistlosigkeit ist, wird produktive Subjektivität in die Defensive gedrängt. Für jede Art von Fortschritt bleibt diese Subjektivität gleichwohl unabdingbar.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Roland Reuß, Jahrgang 1958, Studium in Heidelberg. Dissertation mit einer Arbeit zu Hölderlin: '…/ Die eigene Rede des andern.' Hölderlins Andenken und Mnemosyne (erschienen bei Stroemfeld/Roter Stern 1990). Herausgeber der editionswissenschaftlichen Zeitschrift Text.Kritische Beiträge (Stroemfeld/Roter Stern 1995ff.)

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ISBN 10:  3835337165 ISBN 13:  9783835337169
Verlag: Wallstein Verlag, 2020
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