Die Liebesbeziehung des Literaturwissenschaftlers und Essayisten Rüdiger Görner zu England begann vor knapp 45 Jahren: Als der 24-jährige Student »am späten Vormittag des 26. September 1981 in meinem mausgrauen Gefährt von der Autofähre in Dover rollte, die Kreidefelsen weiter vor mir, die langwierige Passkontrolle hinter mir und den grauen Himmel über mir, empfand ich den sofortigen Spurwechsel auf die linke Fahrseite als durchaus angenehm. Gleiches galt für den Kreisverkehr, der hierzulande weitaus ausgeprägter war, als damals auf dem europäischen Festland.«Jetzt, Jahrzehnte später, nach seiner Emeritierung als Professor für Neuere Deutsche Literatur, übersiedelte Görner wieder in eine rheinische Kleinstadt. Der Blick zurück ist keiner im Zorn, aber das Befremden über die durch den Brexit in Gang gesetzte Selbstbeschädigung des einstigen Empires tauchte die Liebe in herbstliche Melancholie: »Mit einem Mal hängt wie eine breite graue Fahne ein Regenschauer über der Szene, jedoch schon bald durchbrochen von tagesspäten Sonnenstrahlen. Es ist, als wollten sich doch zum Abschied nicht nur die Anker, sondern auch so manche Schatten lichten, die mir oft genug Gewichte waren, belastend wie bereichernd, jetzt Partikel für künftige Erinnerungen und Träume …« England, oh England versammelt acht Essays und ein längeres Gespräch, das Klaus Radke (WDR) mit Görner führte: Der Bogen reicht von London als Fluchtort, das »zu einem Zentrum der ›Bodenlosen‹ geworden« war, über die unvermeidliche, aber umso gebotenere Beschäftigung mit dem Brexit, der »unerhörte Folgen zeitigte und weil er, ganz persönlich gesprochen, in mir etwas in Gang setzte, das ich nie für möglich gehalten hatte: die Distanzierung von einem seit Schulzeiten gepflegten Ideal«, bis zu den Rückblicken eines Heimgekehrten, der – die Beziehung zwischen England und Deutschland reflektierend – persönliche Nähe und wissenschaftliche Ferne in erhellenden Essays zur Deckung bringt.
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Rüdiger Görner, geboren 1957 in Rottweil, war bis zu seiner Emeritierung 2023 Professor für Neuere Deutsche und vergleichende Literatur an der Queen Mary University of London. Gründer des Ingeborg Bachmann Centre for Austrian Literature und Gründungsdirektor des Centre for Anglo-German Cultural Relations. Träger des Deutschen Sprachpreises, des Reimar Lüst-Preises der Alexander von Humboldt-Stiftung und des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie jüngst des Friedrich Gundolf Preises der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
›Seltsam‹ ist das Wort, das sich mir in letzter Zeit immer wieder aufdrängt, seitdem beschlossene Sache ist, unsere Zelte in Britannien abzubrechen. Seltsam, wie man plötzlich spürt, was man so alles schätzen gelernt hat, hier, die alles in allem noch freundlichen Umgangsformen, der Anblick der weiß gekleideten Cricket-Spieler auf grünem Rasen, die örtlichen Pubs (die in deutschen Landen kurioserweise nur als ›Irish Pub‹ in Erscheinung treten), die Gelassenheit der Mitmenschen, wenn etwas schiefgeht. Seltsam, goldener gab sich der englische Herbst nie als in diesen Wochen des Abschiednehmens, hier zwischen Richmond und Kingston upon Thames, wo Turner malte (übrigens auch Kokoschka, wenn auch nur ein paar Wochen lang), Virginia und Leonard Woolf ihren Kleinverlag für größte Literatur betrieben. Seltsam, man fühlt sich an manchen Tagen doch wieder hin und her geworfen; heiß und kalt wird einem, wenn man den einmal gefassten Beschluss des Abschieds dann doch wieder überdenkt. Was wagt man da eigentlich, wenn man das alles zurücklässt und Fortsetzung des Erarbeiteten mit Neubeginn noch unbestimmter Art anderswo fusionieren lässt – und das in nicht mehr ganz jungfräulichem Alter. In Rede steht der Abschied von einem Ideal namens England, kam ich doch als Student Ende September 1981 hierher als ein Wahlanglophiler, von den Ufern des Neckars an die Gestade der Themse, das Vorbild der englischen Demokratie seit Schwarzwälder Schulzeiten im Sinn, Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouvertüre im Gehör und die noch kaum erfassten Gedichte von John Keats im Gepäck …
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Taschenbuch. Zustand: Neu. Neuware -DieLiebesbeziehungdes Literaturwissenschaftlers und Essayisten Rüdiger Görner zu England begann vor knapp 45 Jahren: Als der 24-jährige Student »am späten Vormittag des 26. September 1981 in meinem mausgrauen Gefährt von der Autofähre in Dover rollte, die Kreidefelsen weiter vor mir, die langwierige Passkontrolle hinter mir und den grauen Himmel über mir, empfand ich den sofortigen Spurwechsel auf die linke Fahrseite als durchaus angenehm. Gleiches galt für den Kreisverkehr, der hierzulande weitaus ausgeprägter war, als damals auf dem europäischen Festland.«Jetzt, Jahrzehnte später, nach seiner Emeritierung als Professor für Neuere Deutsche Literatur, übersiedelte Görner wieder in eine rheinische Kleinstadt. Der Blick zurück ist keiner im Zorn, aber das Befremden über die durch den Brexit in Gang gesetzte Selbstbeschädigung des einstigen Empires tauchte die Liebe in herbstliche Melancholie: »Mit einem Mal hängt wie eine breite graue Fahne ein Regenschauer über der Szene, jedoch schon bald durchbrochen von tagesspäten Sonnenstrahlen. Es ist, als wollten sich doch zum Abschied nicht nur die Anker, sondern auch so manche Schatten lichten, die mir oft genug Gewichte waren, belastend wie bereichernd, jetzt Partikel für künftige Erinnerungen und Träume .«England, oh Englandversammelt acht Essays und ein längeres Gespräch, das Klaus Radke (WDR) mit Görner führte: Der Bogen reicht von London als Fluchtort, das »zu einem Zentrum der >BodenlosenSonderzahl Verlagsges., Große Neugasse 35/15, 1040 Wien 128 pp. Deutsch. Artikel-Nr. 9783854497042
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Taschenbuch. Zustand: Neu. Neuware - Die Liebesbeziehung des Literaturwissenschaftlers und Essayisten Rüdiger Görner zu England begann vor knapp 45 Jahren: Als der 24-jährige Student »am späten Vormittag des 26. September 1981 in meinem mausgrauen Gefährt von der Autofähre in Dover rollte, die Kreidefelsen weiter vor mir, die langwierige Passkontrolle hinter mir und den grauen Himmel über mir, empfand ich den sofortigen Spurwechsel auf die linke Fahrseite als durchaus angenehm. Gleiches galt für den Kreisverkehr, der hierzulande weitaus ausgeprägter war, als damals auf dem europäischen Festland.«Jetzt, Jahrzehnte später, nach seiner Emeritierung als Professor für Neuere Deutsche Literatur, übersiedelte Görner wieder in eine rheinische Kleinstadt. Der Blick zurück ist keiner im Zorn, aber das Befremden über die durch den Brexit in Gang gesetzte Selbstbeschädigung des einstigen Empires tauchte die Liebe in herbstliche Melancholie: »Mit einem Mal hängt wie eine breite graue Fahne ein Regenschauer über der Szene, jedoch schon bald durchbrochen von tagesspäten Sonnenstrahlen. Es ist, als wollten sich doch zum Abschied nicht nur die Anker, sondern auch so manche Schatten lichten, die mir oft genug Gewichte waren, belastend wie bereichernd, jetzt Partikel für künftige Erinnerungen und Träume .« England, oh England versammelt acht Essays und ein längeres Gespräch, das Klaus Radke (WDR) mit Görner führte: Der Bogen reicht von London als Fluchtort, das »zu einem Zentrum der 'Bodenlosen' geworden« war, über die unvermeidliche, aber umso gebotenere Beschäftigung mit dem Brexit, der »unerhörte Folgen zeitigte und weil er, ganz persönlich gesprochen, in mir etwas in Gang setzte, das ich nie für möglich gehalten hatte: die Distanzierung von einem seit Schulzeiten gepflegten Ideal«, bis zu den Rückblicken eines Heimgekehrten, der - die Beziehung zwischen England und Deutschland reflektierend - persönliche Nähe und wissenschaftliche Ferne in erhellenden Essays zur Deckung bringt. Artikel-Nr. 9783854497042
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Taschenbuch. Zustand: Neu. England, oh England | Hoffnungsleidvolles über ein verlorenes Ideal. Essays | Rüdiger Görner | Taschenbuch | Deutsch | 2026 | Sonderzahl Verlagsges. | EAN 9783854497042 | Verantwortliche Person für die EU: Sonderzahl Verlag, Große Neugasse 35/15, 1040 WIEN, ÖSTERREICH, verlag[at]sonderzahl[dot]at | Anbieter: preigu. Artikel-Nr. 134880359
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