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Liebes Zucker: Jutta Liebes Fall - Softcover

Rissmann, Peter

 
9783837009699: Liebes Zucker: Jutta Liebes Fall

Inhaltsangabe

Die Liebe ist Opfer und Täter zugleich. Was auch sonst? Darüber hinaus trägt sie den Vornamen Jutta und leitet die Ermittlungen gegen das "Rhinozeros". Die Spurensuche lockt den Leser durch einen Parcour merkwürdiger Situationen und skurriler Figuren. Manchmal schlüpft der Traum überraschend in die Rolle der Realität. Willem, der wie Jutta eine Leiche im Keller hat, stolpert über die Liebe. In der ersten Liebesnacht liegt plötzlich eine Messer zwischen ihnen: Die Tatwaffe des "Rhinozeros". Gemeinsam versuchen sie, den Fall zu lösen. Eine Spur führt ins Bordell. Dabei geht es nicht nur um das 'älteste Gewerbe der Welt'.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Peter Rissmann hat schon vor seinem Studium Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften veröffentlicht. An der Hochschule der Künste Berlin wurde er zum Schauspieler ausgebildet. Theaterengagements führten ihn nach Heidelberg, Stuttgart und Berlin. "Aufgewachsen in Aachen in der Enge der späten Fünfziger, hungrig geblieben im Herzen trotz der Kuchenschlachten bei Familienfeiern die Sechziger hindurch. Die Selbstentdeckung gesucht zwischen Trümmergrundstücken, die mir Urwald waren, dem Hochaltar, an dem ich als Ministrant kindlich Weihe atmete, dem rheinischen Karneval, an dem einmal im Jahr plötzlich in der ganzen Stadt urwädlerisches Geschrei ertönte und biedere Familienväter vor Tanzmarienmädchen sich zum Affen machten, wegen einem Kuss oder je Alkohol je mehr."

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Auszug aus dem 1.Kapitel des Krimis LIEBES ZUCKER von Peter Rissmann:
... Willem schlug das Mobiltelefon gegen seinen Schenkel. Er wollte Tanjas Worte rausklopfen wie Tabakreste aus einer Pfeife. Gut, er würde ihr einen Spruch zwischen die Augen setzen und gleich zur Sache kommen. -
Willem war nicht alleine. Wer genau hinzuschauen vermochte, nahm hinter der letzten Laterne, da wo die Felder begannen, zwei glänzende Schuhspitzen wahr, die unter dem Nebel hervorlugten wie unter einem weißen Vorhang. -
Willem fröstelte. Die Laterne entließ ihn aus ihrer Obhut. Er lief zurück in die Stadt. Das Zwielicht in den Anschnitten der Lichtkegel mied er. Gut so. Jemand nahm ihn aufs Korn. -
Eine Gestalt mit spitzen Schuhen huschte Willem hinterher. Ihr Schatten lag wie ein schwarzer Schal auf Willems Spur.
In Tanjas Wohnung schrillte die Klingel. Eher, als sie erwartet hatte. Eher, als Willem ihre Häuserzeile hätte erreichen können, in deren Nacken das Mondlicht lag, kalt und feucht. -

Mrocinski lachte. Polternd, als träte jemand Wackersteine einen Hang hinunter. Er schlug irgendwem gönnerhaft auf die Schulter. Hinter ihm quollen Obal und Zwar ins Büro. Sie warfen sich Flüche zu wie Ping-pong-Bälle. Das taten sie täglich und täglich öfter, und wo man den einen sah, brauchte man den anderen nicht lange zu suchen. Es fluchte den ganzen Tag durch die Korridore des Kommissariats. Nur die Lautstärke variierte. Je nachdem, ob Obal und Zwar gemeinsam eine Tür aufrissen, in ihrem Verschlag hockten, oder sich die fauligen Bälle vor dem Getränkeautomaten zuwarfen. Mochten die Bälle selber auch vor sich hin stinken, die Flugbahnen, die sie zurücklegten, waren voller Spannkraft: Obal und Zwar betrieben das Fluchen wie andere Squash oder Tennis. -
Wenn sie überhaupt jemandem glichen, dann Dideldum und Dideldei aus Alice hinter den Spiegeln. Dum und Dei standen in ihrem Fall für Weiß und Schwarz. Dick waren sie beide. Obal kam ursprünglich aus dem Sudan, und Zwar aus Wanne-Eickel. -
Mrocinski hielt die programmatische Rede des Tages:
"In jedem Rhinozeros schlummert ein süßes kleines Miezekätzchen und das will gestreichelt werden. Aber das ist nicht unser Job. Das überlassen wir den anderen, den Müttern, Geliebten, schwulen Freunden, Schwestern ...."
Mäppel lachte und hobelte mit dem Ellenbogen über die Schreibtischkante.
".... Schwestern.", wiederholte Mrocinski entschieden. "Und genau die müssen wir finden, wenn wir unser Rhinozeros fangen wollen. Die werden ihr Rhinozeros verraten, weil es für sie keins ist. Sie sind duselig vor Gefühlen, und diese Duselei machen wir uns zunutze. Finden wir die, bei denen unser Rhinozeros ein Miezekätzchen ist. Judasse alle miteinander, die ihn verraten, ihre werdet sehen. Und deshalb nennen wir unsere Operation ...."
"Judas."
"Quatsch, Mäppel! ... - Miezekätzchen, Operation Miezekätzchen!" -
Murmeln. Kicherte da nicht jemand? Im Normalfall ein riskantes Unternehmen, aber Mrocinski war jetzt angesichts seines Selbstgenusses nur bedingt gefährlich.
"Klemmen sie sich dahinter, Jutta!". Er lachte jovial und sein Bauchfell rollte dabei fast bis vor ihre Füße.
Juttas Nackenhaare sträubten sich, sie schnappte sich die Unterlagen und floh aus seinem Büro. -

Die Lederhandschuhe stecken im Hosensack, pressen sich dicht gegen ihren warmen Schenkel. Das geronnene Blut ist längst getrocknet. Selbstverständlich trägt sie eine andere Jeans als gestern. Das unvermeidliche Fluchen von Obal und Zwar dringt in ihr Ohr. Im Flüsterton diesmal, als hätten sie etwas vor ihr zu verbergen. -

Jutta schiebt den Ordner auf's Dach des Kaffeeautomaten.
Jutta Liebe, 36 Jahre, 162, dunkelblond.
Der Becher eiert aus der Röhre, setzt zur Landung an. Noch bevor er endgültig zur Ruhe kommt, quillt trübe Flüssigkeit aus der Düse. -

(Dass ihr schwindlig wird, dass sie sich auf den Boden setzt, dass sie den Rücken gegen den Automaten lehnt und tief und ruhig zu atmen versucht. Dass sie mit der rechten Hand über ihrem Kopf nach dem Becher tastet, dass sie ihn zu sich herunterholt, beide Hände daran wärmt und den starken Kaffee schluckweise in sich hineinschlürft. Dass die Hitze erst das Pflaster löst und dann scharf in die Schnittwunde beißt. Dass sie die verletzte Hand in den Schoß legt wie einen Fremdkörper, gierig trinkt, in immer größeren Schlucken den Becher leert. Dass sich ihr Gaumen kräuselt, weil der Kaffee so stark geröstet ist, - das alles weiß Willem nicht. Geht's ihn was an? Warten wir's ab.) ...

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