Ein Haus bauen: Besuche auf fünf Kontinenten (Die Andere Bibliothek)

Brunold, Georg

 
9783821845708: Ein Haus bauen: Besuche auf fünf Kontinenten (Die Andere Bibliothek)

Inhaltsangabe

Von der Kunst, Länder und Menschen zu denken Der Reportage in deutscher Sprache geht es nicht gut. Georg Brunold ist einer der wenigen, die dagegen aktiv etwas tun. In den vergangenen zehn Jahren war er auf allen Kontinenten unterwegs: im Fernen Osten wie im Vorderen Asien, in Amerika, in Arabien und immer wieder in Afrika, aber auch in Kalabrien, in der Moldau und im Emmental, auf Neuseeland und in der Karibik. In zwei Dutzend Meisterstücken zeigt er, was mit diesem Genre möglich ist. Bei seinen Besuchen in aller Welt erliegt Brunold nicht der Versuchung, Identitäten auf bündige Formeln zu bringen, sondern er schärft den Sinn für die Gemeinsamkeit aller Erdbewohner: dass nämlich keiner recht weiß, wer er ist. Denn bemühen sie sich nicht alle unentwegt darum, ihre Lage zu verbessern und dadurch selber andere zu werden? So bauen wir alle an unserer kleinen und großen Welt, mit- und gegeneinander, um uns darin einzunisten, oft um den Preis, andere daraus zu vertreiben. Mit Brunolds Reportagen erfährt man weit mehr als nur Fakten über das Leben, in Brunolds Reportagen ist man vor Ort und denkt vor Ort: am Grab im Reisfeld bei Vietnams Ahnen, mit Eva unter dem haitianischen Apfelbaum oder auch mit Philip Roth in seinem Kinderzimmer an der Summit Avenue 81, Vorstadt Weequahic, Newark.

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Vorwort: Identitätsfieber
Ein Grundmotiv verbindet die fünfundzwanzig sonst so unterschiedlichen
Geschichten in diesem Buch. Die Welt der Gegenwart ist von einer pandemischen
Obsession befallen, die man Identitätsfieber nennen könnte. Kollektiven setzt
sie noch wüster zu als Individuen. Außer in lebensgefährlicher Überhitzung einer
befallenen Gemeinschaft manifestiert sich die Infektion in Anfällen hysterischer
Konvulsionen. Wie steht es um Herkunft, Heimat oder - ja, eben: um die Identität
des Erregers ? Seit dem Zerfall der beiden Blöcke zu Beginn der neunziger Jahre
finden wir uns alle als Angehörige von Völkerschaften wieder, die wie zuvor
schon in (mehr oder weniger souveränen) Nationalstaaten leben. Unüberhörbar
können manche Zeitgenossen davon nicht genug bekommen. Sollten wir nicht hoffen
dürfen, daß damit wenigstens unsere staatsbürgerlichen Identitäten ausreich

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