Die Gelben Eroberer. Perry Rhodan 58. (Perry Rhodan Silberband, Band 58) - Hardcover

Buch 58 von 176: Perry Rhodan-Silberband
 
9783811820784: Die Gelben Eroberer. Perry Rhodan 58. (Perry Rhodan Silberband, Band 58)

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Die Feuer, die die ganze Nacht über gelodert hatten, waren niedergebrannt. Der
Geruch nach Rauch hing in der Luft, und die Immunen, die zum Rettungskomitee
gehörten, bewegten sich wie gespenstische Gestalten durch den sich nur zögernd
auflösenden Nebel. Das Klirren aufeinanderprallender Metallteile wurde hörbar,
Losungsworte wurden gerufen, Schuhe knirschten im Ufersand. Das stetige Plätschern der Wellen begleitete diese Geräusche.
Pontonac versuchte, den Nebel mit seinen Blicken zu durchdringen. Er stand am
Ufer, unmittelbar in der Nähe des Schnellboots, und wartete, daß die Vorbereitungen für den geplanten Einsatz abgeschlossen wurden.
Es war kalt an diesem Morgen, aber daran schien niemand zu denken. Die Immunen,
die zum Rettungskomitee gehörten, konzentrierten sich wie immer auf ihre Aufgabe.

Oberst Edmond Pontonac hatte das Rettungskomitee vor vier Monaten gegründet, nachdem er mit einer zusammengefügten Schiffskarawane das Solsystem erreicht hatte. Niemand hatte Pontonac bei seinen Aktionen unterstützt; der Oberst befürchtete sogar, daß man eine Verhandlung gegen ihn anberaumen würde, wenn er sich später einmal stellen sollte. Allerdings hatte Pontonac das Gefühl, daß
Galbraith Deighton und Roi Danton genau wußten, welche Ziele das Rettungskomitee hatte, denn bisher waren von Imperium?Alpha aus keine Schritte gegen Pontonacs
Gruppe unternommen worden.
Vielleicht hofften Deighton und Danton, daß Pontonac das erreichte, was ihnen verboten war: die Macht des Homo superior auf der Erde zu brechen.
Doch Pontonac wußte, daß er dies nicht so schnell erreichen konnte. Er griff mit seinem Rettungskomitee überall dort ein, wo der Homo superior die eigenen
Vorstellungen bis zur letzten Konsequenz zu verwirklichen versuchte. Das
Rettungskomitee hatte bisher siebzehn Industrieanlagen und Energiestationen vor der völligen Demontage bewahrt. Bei diesen Aktionen war es zu unerfreulichen
Zwischenfällen gekommen. Es hatte insgesamt drei Tote und über ein Dutzend
Verletzte gegeben. Pontonac gab sich keinen Illusionen hin. Er wußte, daß Perry
Rhodan ihn früher oder später zur Rechenschaft ziehen würde.
Pontonac war auf dieses Zusammentreffen vorbereitet. Im Gegensatz zu Rhodan war er nicht der Meinung, daß sie den Homo superior gewähren lassen sollten. Der
Homo superior war ein Gegner des Menschen aus welchen Motiven heraus er auch handelte.
Pontonac wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als jemand über den Landungssteg des Schnellbootes kam.
Eine Gestalt schälte sich aus dem Nebel. Es war der untersetzte Sogmonth, seit
vier Wochen Mitglied des Rettungskomitees, ein verschlossener Mann, der nie lachte. Pontonac hatte ihn zu seinem Stellvertreter gemacht, denn Sogmonth war früher Major der Solaren Abwehr gewesen. Inzwischen hatte Pontonac diesen
Entschluß bereut, denn Sogmonth kannte nur ein Ziel: den Homo superior zu vernichten. Obwohl er nie darüber sprach, mußte Sogmonth etwas Schreckliches erlebt haben. Etwas, worin der Homo superior verwickelt war.
Sogmonth kam direkt auf Pontonac zu. Er hatte offenbar einen besonderen
Orientierungssinn, daß er so leicht durch den dichten Nebel sein Ziel fand.
Eine Welle von Haß und Verbitterung schlug Pontonac entgegen, der in diesem
Augenblick wünschte, keinen Para?Wachinstinkt zu besitzen.
»Ich bin der letzte«, sagte Sogmonth in seiner knappen Art. »Das Boot kann versiegelt werden.«
Pontonac blickte den anderen an. Dann zog er sein Vielzweckgerät heraus und schaltete den Schutzschirm um das Boot ein. Die Bucht, die sie sich ausgesucht hatten, lag versteckt, aber es war nicht auszuschließen, daß sich eine Gruppe von Plünderern hierher verirren würde.
Sogmonth war schon davongeeilt, sein ewig ruheloser Geist duldete offenbar nicht, daß er sich längere Zeit an einem Platz aufhielt. Wahrscheinlich war er zu den Robotern unterwegs, die er betreuen mußte.
Pontonac machte sich Vorwürfe, daß er Sogmonth mit dieser Aufgabe betreut hatte, und war entschlossen, das früher oder später rückgängig zu machen. Er witterte
Unheil.
»Alles bereit!« klang eine Stimme durch den Nebel.
Pontonac schloß unwillkürlich die Augen. Vor jedem Einsatz war er nervös. Er sehnte sich nach ihrem Hauptstützpunkt im Indischen Ozean zurück.
Neben ihm knirschte der Sand. Alpher Creek stand neben ihm. Der kleine, stets verbindlich wirkende Arzt machte sich an seinem Kombinationsgürtel zu schaffen.
»Wie heißt die Stadt, Sir?« fragte er.
»Ersparen Sie sich das Sir!«« empfahl ihm Pontonac unwirsch. »Die Stadt heißt
Gerona.«
»Fünfzig Meilen?«
»Fünfzig Meilen« bestätigte Pontonac. »Unseren Informationen nach haben einige
Mitglieder des Homo superior in den Randgebieten der Stadt damit begonnen,
Kartoffeln anbauen zu lassen. Alle Industrieanlagen der Stadt wurden demontiert.
Die Menschen, deren sich der Homo superior bedient, werden angeblich wie Sklaven gehalten.«
Creek seufzte. »Haben Sie inzwischen Verbindung zu Imperium?Alpha aufgenommen?«

»Nein«, sagte Pontonac zögernd. »Ich sehe keinen Sinn darin. Danton und Deighton würden uns sofort zurückpfeifen, auch wenn sie uns gefühlsmäßig vielleicht recht geben.«
»Ich glaube nicht, daß wir auf die Dauer eine Chance haben«, meinte der
Mediziner. »Wir sind zuwenig Immune. Der Homo superior braucht uns nur zu ignorieren.«
Auch darüber hatte Pontonac schon nachgedacht. Bisher waren sie kaum auf
Widerstand gestoßen. Bei Angriffen des Rettungskomitees zog sich der Homo
superior fast immer zurück.
So waren alle Angriffe mehr oder weniger Vorstöße ins Leere gewesen, die lediglich dazu gedient hatten, Übergriffe des Homo superior auf wichtige
Industrieanlagen zu verhindern.
In letzter Zeit waren Pontonacs Leute auch dazu übergegangen, Verbindungen zwischen dem Homo superior und verdummten Menschengruppen zu zerschlagen, denn es war offensichtlich, daß die sogenannten Neuen Menschen ihre verdummten
Artgenossen für verschiedene Zwecke auszunutzen versuchten.
Unbestritten versuchte der Homo superior, Ruhe und Ordnung auf der Erde herzustellen.
Doch um welchen Preis!
Millionen von Menschen waren zum Tode verurteilt, wenn der Homo superior seine
Pläne durchsetzen konnte. Die Milliarden von Menschen, die auf der Erde lebten, konnten sich nicht allein von Ackerbau und Viehzucht ernähren. Das waren
Wunschvorstellungen des Homo superior.
Pontonac riß sich gewaltsam von diesen Gedanken los.
»Wir werden versuchen, in Gerona ein Hauptquartier für Süd? und Mitteleuropa zu
errichten«, erklärte er. »Von diesem Stützpunkt aus werden wir dann operieren.«
Alpher Creek, der genau wußte, wie wohl Pontonac sich im alten Flottenstützpunkt im Indischen Ozean fühlte, schaute seinen Gesprächspartner skeptisch an.
»Wie lange?«
Pontonac hob die Schultern. »Was weiß ich! Bis die Verhältnisse in Europa geregelt sind.«
Für Creek war das eine vage Aussage.
»Wenn wir erst in die großen Städte kommen, werden wir feststellen, daß noch
viel zu tun ist«, prophezeite er. »Mehr, als das Komitee überhaupt übernehmen kann. Wir hätten es nicht nur mit dem Homo superior, sondern mit umherstreifenden Banden, kriminellen Einzelgängern und hungernden Verdummten zu tun. Das ist ein bißchen viel für einhundertfünfzig Immune.«
»Uns interessiert nur der Homo superior!« rief Sogmonth, der lautlos herangekommen war.
Creek zuckte zusammen. »Wir müssen das Problem als Komplex ansehen.
»Nein!« Sogmonth stand breitbeinig da. Irgendwie erinnerte er Creek an eine
Maschine, die jeden Augenblick losrollen und alles niederwalzen würde. »Das Ziel des Komitees ist die Unschädlichmachung dieser Phantasten.«
»Das ist Ihre Interpretation!« mischte Pontonac sich ein. »Ich habe es anders formuliert: Wir wollen die zunehmende Einflußnahme des Homo superior eindämmen.«
Sogmonth knirschte hörbar mit den Zähnen. »Und wo ist da der Unterschied?« Er stampfte durch den Sand...

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