2001 412 S. gebundene Ausgabe Rastatt : Pabel-Moewig Verlag KG,
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Die Zeitpolizisten mit ihren lebenden Raumschiffen wollen die Terraner für ein vermeintliches Zeitverbrechen bestrafen. Mit seinem Flaggschiff CREST IV wird Perry Rhodan in die Galaxis M 87 verschlagen und erfährt dort die Ursprungsgeschichte der Haluter. In den Magellanschen Wolken machen die Terraner die Auftraggeber der Zeitpolizei unschädlich.
Um den Raumhafen von Terrania verlief ein Kreisring von Gleiterpisten.
Er mündete an der Nordostgrenze in drei verschiedenen Bahnen.
Die westliche war der Administrations Way, der mittlere die Beteigeuze Road, die östliche schwang sich in einer gewaltigen Kurve herum und tangierte den Kreis der eigentlichen City. Sie hieß Fomalhaût Freeway. Wenn man die Beteigeuze Road entlangfuhr - oder die Röhrenbahn nahm, die fast genau darunter verlief -, dann gelangte man zu einem riesigen kreisrunden Platz, von dem aus in genau nördlicher Richtung eine Doppelfahrbahn abzweigte. Sie mündete in den Kreis, der die Ecken eines Vierecks schnitt. Auf diesem ebenfalls riesigen Platz standen sämtliche Bauten der Administration.
Der Regierungspalast, die Solar Hall und eine Menge von Nebengebäuden, Archiven, Verwaltungseinrichtungen und Personalräumen.
Und dort, im letzten Stockwerk, einem Penthouse aus Glaswänden mit schweren Vorhängen, einem riesigen Raum, hielt sich Perry Rhodan auf. Einige Tage auf Terra, in Terrania City, hatten die harten Linien aus seinem Gesicht verschwinden lassen. Rhodan war wieder mitten in seinem Element, und er wußte, daß seine Kraft mit jeder Stunde wuchs, die er hier verbrachte.
Er saß, in einen eleganten, fast streng wirkenden Anzug gekleidet, in einem der schweren Sessel. Um ihn herum waren die Spitzen des Imperiums versammelt, soweit die Männer in der City waren.
Allan D. Mercant blieb sitzen, blickte von der messerscharfen Bügelfalte der Hose auf und sagte kurz: »Es ist uns gelungen, in der kurzen Zeit seit der Rückkehr Perry Rhodans das durch die Aktivitäten der Zweitkonditionierten hervorgerufene Chaos innerhalb des Solaren Imperiums fast völlig zu beseitigen.
Es war, wie wir alle wissen, eine harte Zeit, in der wir nicht gerade rücksichtsvoll handeln konnten. Diese Zeit scheint im Moment vorbei zu sein.«
Er nickte; ein unscheinbarer Mann, klein und mit einem unauffälligen Gesicht - wenn man ihn nicht zu genau anblickte. Je länger man Mercant kannte, desto mehr wußte man, daß der Chef der Solaren Abwehr wirklich seinen Beruf ausfüllte. Sein Beruf allerdings beinhaltete das Schicksal von mehr als tausend Planeten und deren Bewohnern. Und dennoch schien es immer so zu sein, daß es nichts gab, das Mercant nicht wußte.
»Wir alle hoffen«, sagte Rhodan und lächelte offen, »daß diese Zeit der Unsicherheit vorbei ist. Und wir alle freuen uns darüber.
Aber das eigentliche Problem ist dadurch nicht gelöst.«
Reginald Bull, der Staatsmarschall, seufzte und kratzte sich ausdauernd
über dem Ohr.
»Wir haben in M 87 Dinge erfahren, die uns neu waren. Es geht darum, diese Dinge auszuwerten. Nur dann, wenn sämtliche Daten in Bezug zueinander gebracht worden sind, können wir sehen, was uns erwartet. Daß wir allerdings einige Schwierigkeiten ahnen, steht auf einem anderen Blatt.«
Jeder wußte, worauf Rhodan hinauswollte.
Zentraler Punkt seiner Überlegungen waren die Haluter. Sie waren eindeutig die Nachkommen der sogenannten Bestien, mit denen sich Rhodan herumgeschlagen hatte. Hier bot sich eine ins Auge fallende Parallele zu den Zweitkonditionierten an.
»Wir sind also daran gegangen, festzustellen, warum die Haluter . . .«
Rhodan drehte seinen Kopf und lächelte der Reihe nach die vier schwarzen, regungslosen Kolosse an, die hinter den Sesseln standen, in der Administration hatte man keine geeigneten Sitzgelegenheiten gefunden, und eine Spezialherstellung hätte zu lange gedauert.
» . . . warum die Haluter, von denen wir wissen, daß sie vor rund fünfzigtausend Jahren terranischer Rechnung noch extrem kriegerisch waren, scheinbar übergangslos friedfertig, milde und zahm wurden.«
»Nicht nur das!«
Die Stimme Icho Tolots, die aus einem klaffenden Rachen mit zwei Reihen von Zähnen kam, schien die Glaswände des Dachgeschosses sprengen zu wollen. Seine Augen leuchteten in tiefem Rot.
»Sondern auch, warum wir uns nach der Vernichtung des lemurischen Sternenreiches zurückgezogen haben, friedfertig wurden und uns auf einen unbekannten Planeten zurückzogen und nur dann, wenn wir eine Drangwäsche nötig hatten, in einzelnen
Einsätzen sichtbar wurden. Das Rätsel ist für uns Haluter ebenso groß wie für unsere terranischen Freunde.«
»Wie weit sind wir, Allan?« fragte Rhodan kurz.
Mercant drehte seinen Kopf um wenige Millimeter, aber seine schnellen Augen blickten auf einen Visiphonschirm, der links neben seinem Sessel auf einem modernen Sockel stand.
»NATHAN rechnet«, sagte er kurz. »Ich sehe, daß er ungefähr noch zehn Minuten benötigen wird, um eine brauchbare Prognose abzugeben.«
Das hyperinpotronische Rechenzentrum, das in den Kavernen des irdischen Mondes ununterbrochen lief und arbeitete, rechnete die Daten durch. Diese »Daten«, wie sie fast abschätzig genannt wurden, waren eine überwältigende Menge von Fotos, Filmen, Kommentaren, mitgeschnittenen Unterhaltungen, Eintragungen in die Logbücher, Zeugenaussagen, Sternkarten, Entfernungen, gewaltigen Massen von Berechnungen fast sämtlicher bekannten wissenschaftlichen Disziplinen und von Einzelpersonen. Seit Tagen war ein gewaltiger Mitarbeiterstab damit beschäftigt, jedes einzelne Bit einzugeben.
NATHAN »las«, seine Perzeptoren tasteten Filme und Bilder ganzer Speicherkristalle ab, zerlegten die Bildeindrücke in Zehntausende von Einzelinformationen und brachten diese wahrhaft umwerfende Menge von Informationen in Bezug zueinander. Nur die fast lichtschnelle Arbeitsweise dieses Superhirns war in der Lage, die Arbeit in einem Zeitraum durchzuführen, der die Wartenden nicht um Jahre altern ließ.
Und noch immer waren die Ergebnisse nicht restlos fertig es würde noch Tage dauern.
»Sir?« fragte Julian Tifflor.
»Ja?«
»Ständig laufen Meldungen ein. Alle diese Meldungen besagen nur eines: Immer wieder erscheinen Dolans in unserem Einflußbereich.
Sie tauchen nur vereinzelt auf, aber sie richten ungeheuren Schaden an. Es sollte etwas unternommen werden. Mehr, als wir bisher unternahmen - etwas, das den Kern der Auseinandersetzung trifft.«
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