Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs. - Softcover

Corbin, Alain

 
9783803135179: Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs.

Inhaltsangabe

Aus d. Franz. von Grete Osterwald. 9.-12. Tsd. 1984 374 S. Originalbroschur. Berlin: Wagenbach,

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Über die Autorin bzw. den Autor

Alain Corbin, geb. 1936, ist Professor für Geschichte an der Universität Paris I (Sorbonne). Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, vorwiegend zu geschichtlichen Themen des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf deutsch sind von ihm unter anderem Meereslust (1994), Pesthauch und Blütenduft (1994. 2. Aufl.) und Die Sprache der Glocken (1995) erschienen

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Die Luft und die faulige Gefahr Eine beängstigende Brühe

Um 1750, bevor die sogenannte pneumatische Chemie zu ihren entscheidenden Erkenntnissen gelangt, hält man die Luft noch für ein elementares Fluidum und nicht für ein Gemisch oder das Resultat einer chemischen Verbindung. Seit der Veröffentlichung der Arbeiten von Hales sind die Gelehrten jedoch überzeugt, daß die Luft unmittelbar in die Textur der lebenden Organismen eindringt. Sämtliche flüssigen und festen Gemenge, aus denen der Körper besteht, lassen bei ihrer Zerlegung Luft entweichen - eine Entdeckung, die das vermutete Aktionsfeld dieser elementaren Substanz erheblich erweitert. Von nun an glaubt man, daß die Luft in vielfältiger Weise auf den lebenden Körper einwirkt: durch einfachen Kontakt mit der Haut oder der Lungenmembran, durch den Austausch der Poren, durch direkte oder indirekte Einführung, da auch die Nahrungsmittel einen Anteil Luft enthalten, der in den Speisesaft und dann ins Blut gelangen kann.

Dank ihrer physikalischen Eigenschaften, die je nach Region und Jahreszeit variieren, reguliert die Luft die Ausdehnung der Flüssigkeiten und die Spannung der Fasern. Seit ihre Schwere als wissenschaftliche Wahrheit gilt, wird allgemein anerkannt, daß sie einen Druck auf die Organismen ausübt. Dieser Druck würde das Leben unmöglich machen, gäbe es nicht ein Gleichgewicht zwischen der von außen kommenden und der im Körper enthaltenen Luft; ein heikles Gleichgewicht, das durch Rülpsen, Blähungen sowie die Mechanismen der Nahrungsaufnahme und des Einatmens laufend korrigiert und wiederhergestellt werden muß 2.

Die leicht zusammenpreßbare Luft zeigt ein deutliches Expansionsbestreben, eine Elastizität, deren Kraft der Schwerkraft entspricht. Die kleinste Luftblase gleicht die Masse der Atmosphäre aus. Diese Kraft erlaubt das Atmen, sie sorgt für dauernde Bewegung in den Gedärmen, sie gewährleistet eine Ausdehnung, wo das Gewicht des Fluidums zusammendrückt. Von selbst kann die Luft ihre Elastizität nicht verlieren; wird sie ihrer jedoch beraubt, ist sie nicht in der Lage, sich in den alten Zustand...

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