Verwandte Artikel zu Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes...

Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten (Sonderreihe) - Hardcover

Torberg, Friedrich

 
9783784415598: Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten (Sonderreihe)

Inhaltsangabe

Auflage: Neuaufl. 1996 336 Seiten hardcover Langen-Müller,

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Torberg, Friedrich (eigtl. F. Kantor-Berg) österreich. Schriftsteller, Essayist und Kritiker *16.9.1908 Wien, †10.11.1979 ebd. Der Schüler Gerber hat absolviert, Roman 1930 Die Tante Jolesch, 1975 Als Romancier, Essayist und Journalist hat Friedrich Torberg in seinem Werk die vergangene Welt des habsburgischen Kulturkreises, seines jüdischen Bürgertums und seiner Bohème auf originelle Weise gezeichnet und überliefert. In Wien geboren, verbrachte Torberg Schul- und Studienzeit größtenteils in Prag. Dort führte Max Brod (1884-1968) ihn in den "Prager Dichterkreis" ein und vermittelte sein Erstlingswerk Der Schüler Gerber hat absolviert an den österreichischen Verleger Paul Zsolnay (1895-1961). 1928-38 war Torberg vor allem als Journalist für das Prager Tagblatt tätig, ehe er über die Schweiz, Frankreich und Portugal in die USA emigrierte. In Hollywood und New York verfasste er Drehbücher und Übersetzungen und fand Kontakt zu einer Reihe prominenter Emigranten. 1951 kehrte Torberg nach Wien zurück, wo er bis zu seinem Tod eine zentrale Persönlichkeit der österreichischen Kulturszene war. Er schrieb für mehrere große Tageszeitungen, widmete sich besonders der Theaterkritik und gab 1954-65 die kulturpolitische Zeitschrift Forum heraus. Neben der Arbeit an eigenen, zum Teil lange liegen gebliebenen literarischen Projekten gab er auch das Werk von Fritz von R Herzmanovsky-Orlando heraus und trug durch seine kongenialen Übersetzungen zum großen Erfolg von Ephraim R Kishon im deutschsprachigen Raum bei. Biografie: F. Tichy, Friedrich Torberg: ein Leben in Widersprüchen, 1995

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

DIE TANTE JOLESCH PERSÖNLICH

Was nun die Tante Jolesch selbst betrifft, so verdanke ich die Kenntnis ihrer Existenz - und vieler der von ihr überlieferten Aussprüche - meiner Freundschaft mit ihrem Neffen Franz, dem lieben, allseits verhätschelten Sprößling einer ursprünglich aus Ungarn stammenden Industriellenfamilie, die seit langem in einer der deutschen Sprachinseln Mährens ansässig und zu beträchtlichem Wohlstand gelangt war. Franz, bildhübsch und mit einer starken Begabung zum Nichtstun ausgestattet (das er nur dem Bridgespiel und der Jagd zuliebe aufgab), muß um mindestens zwölf Jahre älter gewesen sein als ich, denn er hatte bereits am Ersten Weltkrieg teilgenommen und wurde von seinen gleichaltrigen Freunden auch späterhin noch scherzhaft als »Seiner Majestät schönster Leutnant« bezeichnet. Ich war wiederholt auf dem mährischen Besitz seiner Familie zu Gast - »Ein Narr, wer kein Gut in Mähren hat«, hieß es damals in einem zynisch-selbstironischen Diktum jener Kreise - und blieb ihm bis zu seinem arg verfrühten Tod herzlich verbunden. Die einrückenden Deutschen hatten ihn 1939 als Juden eingesperrt, die befreiten Tschechen hatten ihn 1945 als Deutschen ausgewiesen. Man könnte sagen, daß sich auf seinem Rücken die übergangslose Umwandlung des Davidsterns in ein Hakenkreuz vollzog. Er verbrachte dann noch einige Zeit in Wien und übersiedelte schließlich nach Chile, wo er bald darauf an den Folgen seiner KZ-Haft gestorben ist. Die Tante Jolesch hat das alles nicht mehr erlebt.

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.