"Schuldig des Ehebruchs - Tod durch Steinigung", so lautete der Urteilsspruch der Scharia, des islamischen Gerichts, im Prozess gegen Safiya Hussaini. Dieses Urteil löste wegen seiner archaischen Grausamkeit weltweit eine beispiellose Protestaktion aus, die Safiyas Leben rettete. "Entscheidend ist in diesem Buchprojekt nicht die sensationelle Dramatik der Opferrolle, sondern die Perspektive des erfolgreichen Widerstands." Tagesspiegel "Safiyas erschütternder Bericht erzählt ein unvorstellbares Frauenschicksal. Für den europäischen Leser erscheint es bisweilen, als sei es eine Geschichte aus längst vergangener Zeit. Und doch beschreibt es in beklemmender Deutlichkeit nichts anderes als eine Rechtspraxis der Gegenwart." Güstrow Express "Safiyas Geschichte ist exemplarisch für die Rolle der islamischen Frau in Afrika - zwischen Tradition und Moderne -, die fest zu ihrer Heimat und ihrem Glauben steht. Safiya schafft Verständigung, weil sie beschreibt, aber nicht verurteilt. Ihre Haltung ruft Bewunderung hervor."
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Safiya Hussaini, Mutter von sieben Kindern, von denen zwei verstarben und drei bei ihren Vätern blieben, lebt in Tungar Tudu im Bundesstaat Sokoto in Nigeria. Bei ihr leben ihre Töchter Adama und Aisha und ihr neuer Ehemann, der bei ihrem Vater um ihre Hand anhielt, nachdem er die Presseberichte über ihr bewegendes Schicksal gelesen hatte. Im Jahre 2002 erhielt sie die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rom. Raffaele Masto ist Journalist und arbeitet seit 1989 für Radio Popolare. Seine Reportagen aus Afrika erschienen in bekannten europäischen Tageszeitungen wie "Corriere della Sera", "Guardian", "Bild" und "El Mundo". Für das Fernsehen drehte er mehrere Dokumentarfilme. Safiya Hussaini begegnete er bei seiner Berichterstattung über den Prozess.
"Entscheidend ist in diesem Buchprojekt nicht die sensationelle Dramatik der Opferrolle, sondern die Perspektive des erfolgreichen Widerstands."
Tagesspiegel
"Safiyas erschütternder Bericht erzählt ein unvorstellbares Frauenschicksal. Für den europäischen Leser erscheint es bisweilen, als sei es eine Geschichte aus längst vergangener Zeit. Und doch beschreibt es in beklemmender Deutlichkeit nichts anderes als eine Rechtspraxis der Gegenwart."
Güstrow Express
"Safiyas Geschichte ist exemplarisch für die Rolle der islamischen Frau in Afrika - zwischen Tradition und Moderne -, die fest zu ihrer Heimat und ihrem Glauben steht. Safiya schafft Verständigung, weil sie beschreibt, aber nicht verurteilt. Ihre Haltung ruft Bewunderung hervor."
Obermain-Tagblatt
INHALT
Prolog: Auf der Flucht
1 Hausa-Kindheit
2 Schule!
3 Ich will nicht verheiratet werden!
4 Meine neue Familie
5 Frau und Mutter
6 Nimm stattdessen mich, Allah!
7 Verstoßen
8 Eine katastrophale Begegnung
9 Angeklagt
10 Der Prozess
11 Imam
12 Omen
13 Die Welt muss es erfahren
14 In Sicherheit
15 Rom und die Welt
16 Wieder glücklich und Pläne für die Zukunft
Der Fall Safiyas aus der Sicht ihres Anwalts
Nachwort von Raffaele Masto
COOPIS Mission in Nigeria
Tatmotiv Ehre
Danksagung
PROLOG
Auf der Flucht
Der Busch. Und die flirrende Hitze so weit das Auge reicht. Der rötliche Ockerton des Gestrüpps, der Akazien und Affenbrotbäume am Horizont. Hier bin ich geboren. Unzählige Male bin ich barfuß hier umhergestreift, aber an jenem Morgen kannte ich mich kaum aus. Ich hatte das Gefühl, die Umgebung sei fremd, feindselig wie alles, das mir einmal vertraut gewesen war. Die Welt, in der ich mich sicher gefühlt hatte, die Menschen, die ich als meine Freunde angesehen hatte. Jene Welt und jene Menschen hatten für mich das schlimmste Schicksal vorgesehen. Ein schreckliches Ende. Und in den letzten beiden Tagen hatte ich versucht, ihm zu entkommen.
Mein Schicksal Ich musste unablässig daran denken. Wie ein böser Schatten belauerte es mich, setzte sich in meinen Gedanken fest, bereit hervorzuspringen und mich zu erschrecken, wenn mein Blick auf einen Stein fiel, einen der zahlreichen Steine auf dem staubigen Boden. Sie wollten mich mit Steinen töten. Mein Schicksal war es, zu Tode gesteinigt zu werden. Ich sah mich schon bis zu den Schultern eingegraben, den Kopf mit Sackleinen bedeckt, und dann spürte ich, wie die Steine auf meinen Kopf niederprasselten, mich trafen, bis ich den letzten Atemzug tat. Ich spürte den Schmerz, spürte, wie mir das Blut übers Gesicht rann, und fragte mich, wie lange die Qual wohl dauern würde, bis der Tod mich erlöste.
In gewissem Sinn bin ich bereits tot, dachte ich bei mir, während ich mich durch die schwüle Hitze vorwärts kämpfte. Ich hatte durch meine Flucht nicht nur mein Dorf, Tungar Tudu, hinter mir gelassen, sondern auch meine Wurzeln. Alles lag hinter mir, und vor mir waren nur Dunkelheit, Angst und Tod. Und meine einzige Gewissheit, das Einzige, was mich am Leben hielt, war Adama, mein Kind. Sie war bei mir, ich spürte ihren warmen, weichen Körper auf meinem Rücken. Adama, die, ohne es zu wissen, die Ursache meiner Tragödie war.
Ich hatte Angst noch nie in meinem ganzen Leben hatte ich solche Angst gehabt. Ich hatte Angst wie ein Tier, das in der Falle sitzt, solche Angst, dass ich ziellos durch den Busch irrte. Meine Beine trugen mich kaum noch. Wie lange würde ich noch durchhalten? Und wie lange würde Adama es überleben, sie war noch so zerbrechlich und klein. Die wenigen Nahrungsmittel, die ich eilig zusammengerafft hatte, als ich geflohen war, waren längst verbraucht. Ich hatte weder Dörrfleisch noch Mehl oder Milch. Das bisschen Wasser, was noch übrig war, wollte ich aufheben, falls Adama aufwachte.
Jetzt stand die Sonne hoch am Himmel. Mein Kind und ich, wir würden sterben, wenn ich weiterginge. Ich musste einen Unterschlupf finden und warten, bis die Sonne unterging. Nicht weit von mir entfernt stand ein Baum. Ich wankte darauf zu, aber gerade als ich meine Matte darunter ausbreiten wollte, sah ich in der Ferne einen Hirten mit seiner Kamelherde Wenn ich zu ihm gelangen könnte, könnte ich ihn um Essen und Wasser bitten! Ich nahm all meine Kraft zusammen, um zu rufen und seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, aber etwas hielt mich zurück. Nein! Ruf ihn nicht! Versteck dich! Alle im Dorf wissen doch mittlerweile von deiner Strafe, und wer dich sieht, muss dich bei der Polizei anzeigen.
Verzweifelt lehnte ich mich an den Baumstamm. Mit meinen Blicken verfolgte ich den Hirten und seine Herde, bis sie im gelblichen Dunst verschwunden waren. Und dann brach ich, zum ersten Mal, seit ich mein Dorf verlassen hatte, in Tränen aus, weil mir mit einem Schlag bewusst geworden war, wie unendlich einsam ich war. Kein Mensch konnte mir helfen. Was würde aus meinem Kind und mir werden? Ich blickte auf Adama, die schlafend neben mir auf der Matte lag. Ich jedoch blieb wach und wartete darauf, dass die Sonne unterging. Diese Tageszeit hatte ich immer besonders geliebt. Sonst unterbrach ich dann immer meine Arbeit und ließ meinen Träumen und meiner Fantasie freien Lauf, während ich beobachtete, wie sich die Farben veränderten und die Schatten seltsame Figuren auf den Boden warfen.
Aber als an jenem Tag die Sonne endlich hinter dem Horizont verschwand, freute ich mich überhaupt nicht darüber. Es war mir egal, dass die Luft kühler wurde; und als ich mir Adama erneut auf die Schultern hievte, war ich völlig erschöpft. Der Hirte war bestimmt mit seinen Kamelen auf dem Weg zu einem Brunnen, und ich würde die gleiche Richtung einschlagen. Wenn ich überleben wollte, war Wasser wichtiger als Essen.
Ich ging los. Meine Kehle war ausgedörrt, mein Mund trocken. Um mich herum lag alles im Dunst, aber ich wusste nicht genau, ob wegen der Hitze oder meiner Schwäche. Ich schleppte mich vorwärts, und jeder Schritt fiel mir unsäglich schwer.
Adama begann zu wimmern. Sie hatte vor zwei Tagen das letzte Mal feste Nahrung bekommen, das arme Kind. Ihr ging es bestimmt noch viel schlechter als mir. Ich blieb stehen, um ihr die letzten Tropfen Wasser zu geben. Durstig trank sie, und ich fragte mich voller Angst, was wohl geschehen würde, wenn ich nicht bald den Brunnen fände. Mittlerweile sah ich alles nur noch verschwommen; ich schwankte und stolperte über meine eigenen Füße. Ich lief und lief, aber schließlich wurde es finster, und ich musste einsehen, dass es keinen Sinn hatte, in der Dunkelheit weiterzugehen. Den Brunnen hatte ich noch nicht gefunden, vielleicht war ich ja in die falsche Richtung gegangen. Vielleicht wollte Gott, dass ich gesteinigt wurde, weil ich ein ernstes Unrecht begangen hatte, das ich in meiner Verwirrung nur nicht verstehen konnte.
Verzweifelt breitete ich meine Matte unter einen Baum aus. Ich legte Adama darauf und ließ mich dann neben sie sinken, den Rücken an den Stamm gelehnt. Das Kind wachte auf, genau wie ich es befürchtet hatte. Mir tat das Herz weh bei ihrem verzweifelten Schreien. Es war schrecklich, sie so hungrig und durstig zu sehen und ihr nichts außer meiner Liebe geben zu können. Ich nahm sie in die Arme, streichelte sie und flüsterte ihr beruhigende Worte zu, und innerhalb weniger Minuten war sie wieder eingeschlafen.
Dort, unter dem Baum in der Dunkelheit überfiel mich wieder der Gedanke an mein Schicksal. Die Steine, die Schmerzen, das Blut. Mein Blut Tod Langsam glitt ich in den Schlaf hinüber, der von Albträumen gequält wurde.
Als ich erwachte, ging bereits die Sonne auf. Der dritte Sonnenaufgang, seit ich geflohen war. Adama schlief noch, aber sie konnte jeden Moment wach werden. Und dann würde sie wieder vor Hunger und Durst anfangen zu schreien, und ich konnte ihr nicht helfen. Wach nicht auf, mein Kind, schlaf weiter, dachte ich. Es ist besser so, dann fühlst du weder Hunger noch Durst oder Schmerzen
Als ich sie in diesem traurigen Moment betrachtete, wurde mir klar, dass nichts auf der ganzen Welt wichtiger war als Adama, noch nicht einmal mein eigenes Überleben. Ich hätte mein Leben gegeben, um sie zu retten. Wenn es mir gelänge, in ein Dorf zu kommen, dann würde ich mich der Polizei stellen, und Adama wäre in Sicherheit. Hier im Busch würden wir beide sterben, und selbst der Gedanke, zu Tode gesteinigt zu werden, erschien mir verlockender als im Busch zu bleiben. Besser, unter Menschen zu sterben, von Menschen getötet zu werden, als wie verwundete Tiere zu verenden.
Wie zur Bestätigung blickte ich mich noch einmal um und da sah ich den Brunnen. Er war nur wenige Meter entfernt. In der Nacht zuvor war ich so erschöpft gewesen, dass ich ihn in...
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3. Auflage, Blanvalet, München, 2005. 206 S. mit einigen Abb., Ln.U.----mit Raffaele Masto / Deutsch von Theda Krohm-Linke / neuwertig / ungelesen- 750 Gramm. Artikel-Nr. 2L244
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