Schon bevor sich Theorien, Stile und Technologien entwickelten, gab es den einfachen Akt des Bauens. Der renommierte französische Architekt Jean Pistre widmet sich dieser grundlegenden menschlichen Tätigkeit und verfolgt ihre Spuren durch verschiedene Kulturen, Klimazonen und Jahrhunderte.
Eine prägende Erfahrung in den Wäldern Südmexikos inspirierte Pistre dazu, die traditionelle Baukunst verschiedener Regionen der Welt zu erkunden. In diesem Band stellt er 76 charakteristische Häuser vor, die er auf seiner Reise entdeckt hat, und analysiert ihren Aufbau: von Iglus in Grönland und Lehmhütten in Kamerun über die traditionellen Holzchalets der Alpen bis hin zu Baumhäusern in Papua und Bambushäusern von Fischern auf Sulawesi. Jede dieser Studien wird mit klaren, einheitlich gestalteten Zeichnungen veranschaulicht.
Pistre präsentiert diese Gebäude nicht als Relikte, sondern als voll funktionsfähige Bauwerke, die durch praktisches Wissen, Umweltbedingungen, konkrete Bedürfnisse und über Generationen gewonnene Erfahrung geprägt wurden. Dabei zeigt sich ein bemerkenswertes Muster: nicht in der äußeren Form, sondern in den zugrunde liegenden Ideen. Weit entfernt von jeder Vorstellung des „Primitiven“ zeugen diese Bauten von einem ausgeprägten Verständnis für Klima, Materialien und menschliches Verhalten sowie von einem erfinderischen, über Generationen verfeinerten Umgang mit den verfügbaren Mitteln.
Anschauliche Fotografien und pointierte Kommentare des Autors vermitteln, wie eng Menschen und ihre Lebensräume miteinander verbunden sind. Besonders eindrucksvoll sind die überraschenden Parallelen, die sich trotz aller kulturellen und geografischen Unterschiede in den Bauweisen zeigen.
Dieses Buch ist weder ein bloßer Katalog überlieferter Bautechniken noch eine nostalgische Rückschau. Es ist eine Einladung – geleitet von Pistre’s geschultem Blick und mehr als 900 Zeichnungen –, die Welt mit anderen Augen zu sehen, in den unterschiedlichsten Wohnstätten eine gemeinsame menschliche Erfindungsgabe zu erkennen und die zeitgenössische Architektur von ihren tiefsten Wurzeln her neu zu denken.
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Jean Pistre gründete im Jahr 1980 gemeinsam mit Denis Valode das Architekturbüro Valode & Pistre. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Paris, Moskau und Peking und plant Projekte unterschiedlichster Größenordnungen weltweit, vom Städte- bis zum Möbelbau.
Philip Jodidio studierte Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Harvard und war über zwei Jahrzehnte lang Chefredakteur der französischen Kunstzeitschrift Connaissance des Arts. Zu seinen Veröffentlichungen bei TASCHEN gehören die Reihe Homes for Our Time sowie Monografien über zahlreiche bedeutende Architekten, darunter Norman Foster, Tadao Ando, Renzo Piano, Jean Nouvel und Zaha Hadid.
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