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In Tönen leben: Eine weibliche Kulturgeschichte des Komponierens von Marit Rullmann und Werner Schlegel - Hardcover

Rullmann, Marit; Schlegel, Werner

 
9783737412810: In Tönen leben: Eine weibliche Kulturgeschichte des Komponierens von Marit Rullmann und Werner Schlegel

Inhaltsangabe

Bis heute sind Werke von Frauen im klassischen Kanon und in den Konzertprogrammen unterrepräsentiert. Viele Komponistinnen waren zu Lebzeiten jedoch sehr berühmt: Die Autoren präsentieren erstmals mehr als 40 Biografien, erläutern darin die Schwierigkeiten, anerkannt zu werden und wie die Werke in die Öffentlichkeit gelangten. Damit entsteht eine weiblich geprägte Musik- und Kulturgeschichte, von der »Erfindung« der Oper in Florenz bis hin zu den vokal- und kammermusikalischen Werken von Louise Farrenc und Lili Boulanger - und den großen Sinfonien von Amy Beach, Florence Price und Emilie Meyer und anderen mehr. In den Porträts wird die Bedeutung dieser Komponistinnen für die Salonkultur ebenso aufgezeigt wie auch für die Entwicklung der Klaviermusik und -pädagogik. Maßgeblich für die Entwicklungen sind auch die Musikerinnenfamilien Viardot-Garcia, Boulanger u.a., ebenso wird der besondere Rang der Salons für die Entstehung neuer Musik hervorgehoben. Beide Autoren beschreiben das musikalische Umfeld und die besonderen Umstände, warum so viele Frauen trotz der vielen Hindernisse komponieren konnten.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Marit Rullmann ist Buchhändlerin, Autorin und Dozentin im Ruhrgebiet, nach Veröffentlichung erster Bücher über Philosophinnen folgten zahlreiche Vorträge und Lesungen. Sie führte 1989 mit einer Kollegin die »Philosophische Cafés« ein, die bis heute stattfinden. Konzipierte 2000 die europaweit erste mehrjährige Wanderausstellung »Philosophinnen - Liebhaberin der Weisheit«. Werner Schlegel ist freier Autor, Journalist, Dozent und Herausgeber, schrieb für zahlreiche Leitmedien in Print und Funk. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, eigene Lyrik- und Prosabände sowie Audioaufzeichnungen. Zusammen mit Marit Rullmann wurde das Veranstaltungsformat des »Dachstubensalons« entwickelt und zuletzt erschien »Denken, um zu leben« im S.Marix Verlag.

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(Einleitung) Beim Neujahrskonzert 2025 gab es eine Premiere. Zum ersten Mal in der langen Geschichte der Wiener Philharmoniker spielte das weltberühmte Orchester ein Stück einer Komponistin: Passend zum beginnenden Straußjahr erklang der »Ferdinanduswalzer« von Constanze Geiger von Ruttenstein (1835–1890), der von Johann Strauß Vater in Wien bei der Uraufführung dirigiert worden war. Zeitgleich erschien eine Biografie über Geiger von Raimund Lissy, einem Mitglied der Wiener Philharmoniker. Komponistinnen sind derzeit auch öffentlich »in«: Nach den Philosophinnen (vgl. Rullmann, Marit & Schlegel, Werner, Wiesbaden 2018) und den Malerinnen werden endlich auch sie öffentlich und in der Musikwissenschaft wiederentdeckt. Daran hat die feministische Wissenschaft nicht nur an den Universitäten lange gearbeitet. Der Beginn der abendländischen Musikgeschichte ähnelt frappierend dem Anfang der Philosophiegeschichte: Beide beginnen im antiken Griechenland mit der griechischen Ethikerin und Lyrikerin Sappho und in Deutschland im Mittelalter mit der Visionärin, Theologin und Philosophin Hildegard von Bingen. Zwei Denkerinnen, die auch komponierten. Sappho, die 10. Muse Platons, sieht man abgebildet auf Vasen mit einem Barbiton, einem siebensaitigen Instrument. Ihr typisches vierzeiliges Versmaß wurde als Monodie berühmt – dem singend vorgetragenen Gedicht. Hildegard von Bingen schuf mit ihrem »Ordo virtutum« das erste überlieferte Singspiel der Musikgeschichte. Ein Platz in derselben haben beide bis heute nicht. Die längst überfällige durchschlagende öffentliche Aufmerksamkeit begann in Deutschland am 31. Mai 2018 im Berliner Babylon-Kino, mit der Premiere des 90-minütigen Dokumentarfilms »Komponistinnen« von Kyra Steckeweh und Tim van Beveren. Letzterer begleitet darin die Pianistin Steckeweh mit der Kamera auf deren Spurensuche zu Leben und Werk der Komponistinnen Mel Bonis, Lili Boulanger, Fanny Hensel-Mendelssohn und Emilie Mayer. Zwei Jahre später gestaltete das Dritte Hörfunkprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR 3) eine ganze Reihe über Komponistinnen – und auch der Klassiksender des Bayerischen Rundfunks (BR) erinnerte 2023 wiederholt an Todes- oder Geburtstage musikschöpferischerFrauen. In Tübingen fand im gleichen Jahr ein 10-tägiges Komponistinnen-Festival statt, wiederum WDR 3 widmeteihnen am 8. März 2024, dem internationalen Frauentag, gar sein halbes Programm – und langsam, aber sicher sind ihre Werke auch in den deutschen Konzertsälen angelangt. So zuletzt in der Philharmonie Essen, die erstmalig unter dem Motto »HER: VOICE« im Mai 2024 ein dreitägiges Symposium mit Vorträgen über und Konzerten von Komponistinnen durchführte. Intendantin Dr. Merle Fahrholz wird dieses Festival fortan jährlich veranstalten.

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