Wird eine Geschichte in der ersten Person Singular erzählt, werden ferner Dinge erwähnt, die dem Autor selbst tatsächlich zugestoßen sind, dann mag es verführerisch sein, den Autor gleichzusetzen mit dem Ich-Erzähler. Das geschah Javier Marías mit einem Roman. Er erhielt Anrufe von Freunden und völlig Fremden, die sich in gewissen Figuren wiedererkannt hatten; und er hörte von anderen, die sichtlich verschnupft waren, weil sie nicht vorkamen. Die Wahrheit war: alle Romanfiguren waren erfunden, die einzig nicht-erfundene Figur war ein wenig bekannter Schriftsteller, der lange tot war. Ein Beweis für die Macht der Fiktion, Wirklichkeit zu schaffen ohne ein reales Vorbild; und Vergessenem durch Erzählen Dauer zu verleihen.
Um diese Gedanken kreist dieser neue Roman von Javier Marías. Plaudernd, ironisch, klug, immer unterhaltsam verfolgt Marías wie ein Detektiv die abenteuerlichen Lebensläufe des Dichters Gawsworth, dessen Mentors Wilfried Ewart oder des Abenteurers Hugh Oloff de Wet, deren Wege sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder gekreuzt haben. Lücken in ihren Biographien füllt er gekonnt mit Erfundenem. Die Übergänge zwischen der Rekonstruk-tion eines Ereignisses und der erzählerischen Imagination sind fließend und legen nahe, daß es sich bei "Schwarzer Rücken der Zeit" selbst möglicherweise um eine subtile Fälschung handeln könnte.
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Javier Marias, 1951 in Madrid geboren, ist einer der bedeutentsten und der am meisten übersetzte Gegenwartsautor Spaniens. Seit seinem Welterfolg "Mein Herz so weiß" ist er mit zahlreichen international wichtigen Preisen ausgezeichnet worden.
... Vielleicht bewegt sich auf der Kehrseite der Zeit auch das nicht gelebte, verstümmelte Leben meines so kleinen großen Bruders Julianín und das Ich, das ich gewesen oder ohne meine Geburt nicht gewesen wäre. Und was, wenn ich nicht geboren wäre.
Nicht geboren wurde zum Beispiel ein Erstgeborener meiner Familie, auf dem ein Fluch lag und den man daher erwartete, um ihn ganz in Erfüllung gehen zu sehen. Und obwohl ich diese Geschichte schon zweimal erzählt habe - einmal als Fiktion in einer Erzählung mit falschen Namen, Isaac s Reise der Titel, das andere Mal als wirkliches Geschehen in einem Artikel mit den wahren Namen, er hieß schlicht Ein Fluch -, werden sich nicht viele an sie erinnern oder sie gelesen haben, weshalb sie hier am richtigen Ort ist oder so glaube ich, als wäre ich ein einziges Mal und ohne es 1978 oder 1995 zu ahnen, dem Gebot der hervorragenden Erzählerin Isak Dinesen gefolgt, die ich in meiner Zeit in Oxford übersetzte: ?Nur wer imstande ist, sich vorzustellen, was geschehen ist, es in der Vorstellung zu wiederholen, wird die Geschichten sehen, und nur wer die Geduld hat, sie lange Zeit mit sich herumzutragen und sie sich wieder und wieder zu erzählen, wird imstande sein, sie gut zu erzählen.?
Eine meiner Großmütter stammte aus derselben Karibik, in deren Meer Redonda liegt, wenn es auf den Landkarten erscheint oder fotografiert wird. Sie war eine in Havanna geborene Kubanerin, hieß Lola Manera und war die Mutter meiner Mutter Lolita. In Wirklichkeit waren sowohl sie als auch ihr Vater, mein Urgroßvater, noch immer eher Spanier in Kuba, um es verständlich und neutral auszudrücken. Mein Urgroßvater hieß Enrique Manera, und ich glaube, daß sein zweiter Familienname Cao war (?von dem Indianer Cao, dem Stellvertreter Moctezumas?, pflegte mit erhobenem Zeigefinger die jüngere Schwester meiner Großmutter zu verkünden, Tantchen María mit ihren folies de grandeur); er war Militär und besaß Land in Havanna.
In jungen Jahren und noch Junggeselle kehrte er eines Morgens zu Pferd nach Hause zurück, als ein bettelnder Mulatte ihm in den Weg trat und um ein Almosen bat. Er verweigerte es ihm, setzte seinen Weg fort und gab dem Pferd die Sporen, aber der Bettler konnte ihm noch in die Zügel fassen und es anhalten und verkündete dem Reiter seinen Fluch, der ziemlich barock war und von mehr als bemerkenswerter Genauigkeit: ?Du und dein ältester Sohn und der älteste Sohn deines ältesten Sohns, ihr werdet alle drei auf einer Reise fern der Heimat sterben, und ihr werdet keine fünfzig Jahre alt und nie ein Grab haben.? Mein Urgroßvater beachtete ihn nicht und stieß den Bettler mit der Hand weg, er erzählte die Anekdote zu Hause beim Mittagessen, und dann vergaß er sie (aber jemand erinnerte sich daran, und deshalb ist die Geschichte zu mir gelangt: vielleicht eine schwarze Kinderfrau oder eine ängstliche Mutter, immer sind es die nicht mehr jungen Frauen, die sie verwahren, wie sie es auch sind, die sie weitergeben). Dies geschah im Jahr 1873, und Enrique Manera war vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahre alt, jedenfalls zwei Jahre jünger als zu dem Zeitpunkt, da er in Sevilla einen kleinen Roman veröffentlichte, den ich unlängst fand - die Bücher reisen immer zu mir oder ersparen mir die Kenntnis nicht -, Der Kürassier von Froeswiller, mit dem Untertitel Erinnerungen aus dem Französisch-Deutschen Krieg, gedruckt in der Calle del Rosario 4 in der Kunstdruckerei Ariza y Ruiz, wie dem Vortitel zu entnehmen ist. Sein Anfang ist ausgesprochen altmodisch: ?Es war der 15. Juli 1870, und sämtliche Uhren der Kirchen von Paris hatten gerade elf geschlagen. Die Hauptstadt des französischen Imperiums bot in dem Augenblick, da unsere Erzählung beginnt, einen höchst seltsamen und ungewöhnlichen Anblick.? Anscheinend war es nicht der einzige Roman, der in Druck ging, ein literarischer Präzedenzfall in meiner Familie, ein antillanischer Präzedenzfall.
Sehr viel später, 1898,
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Zustand: Muy bueno. : En 'Schwarzer Rücken der Zeit', Javier Marías explora la difusa línea entre la realidad y la ficción. A través de la historia de un autor confrontado con las interpretaciones erróneas de sus personajes, Marías teje una reflexión sobre la creación literaria y la perdurabilidad de lo narrado. Con su estilo característico, el autor construye una obra que desafía al lector a cuestionar la naturaleza de la verdad y la memoria en la literatura. EAN: 9783608935080 Tipo: Libros Categoría: Literatura y Ficción Título: Schwarzer Rücken der Zeit Autor: Javier Marías Editorial: Stuttgart : Klett-Cotta, Idioma: de Páginas: 375 Formato: tapa dura. Artikel-Nr. Happ-2024-10-08-7223db25
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Zustand: Sehr gut. 375 Seiten, Sehr guter Zustand - geringfügige Gebrauchsspuren. Aus dem Spanischen ("Negra espalda del piento", 1998 ) übertragen von Elke Wehr. Autorenporträt: Javier Marías Franco (geboren am 20. September 1951 in Madrid; gestorben am 11. September 2022 ebenda) war ein spanischer Schriftsteller, Kolumnist und Übersetzer. Zu seinen Werken gehören die Romane "El hombre sentimental" (1982, deutsch: Der Gefühlsmensch), "Todas las almas" (1986, deutsch: Alle Seelen) und "Corazón tan blanco" (1992, deutsch: Mein Herz so weiß), der ein internationaler Erfolg wurde. Javier Marías Franco wurde 1951 als viertes von fünf Kindern in Madrid geboren. Seine Mutter war die Lehrerin Dolores Franco Manera, sein Vater der Philosoph Julián Marías Aguilera. Der Vater bekannte sich zur Spanischen Republik und wurde deshalb vom Franco-Regime verfolgt, zeitweilig inhaftiert und mit einem Berufsverbot belegt. Javier Marías wuchs zeitweise in den USA auf. Sein Vater lehrte an verschiedenen Universitäten, darunter in Yale und am Wellesley College. Die Familie lebte dort zeitweilig im Haus des spanischen Schriftstellers Jorge Guillén, wo sie auch Bekanntschaft mit dem Schriftsteller und Schmetterlingsforscher Vladimir Nabokov machte, der ebenfalls dort zu Gast war. 1959 kehrten die Eltern nach Madrid zurück. Javier Marías besuchte in der Folgezeit die liberale Schule Colegio Estudio. Von 1968 bis 1973 studierte Marías Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Complutense Madrid. Während seines Studiums war er zeitweise Mitglied einer linksradikalen Gruppierung, die sich Comités de Acción Revolucionaria (Komitee der Revolutionären Aktion) nannte und dem Partido Comunista Internacional angehörte. In den letzten Jahrzehnten engagierte er sich im Parlamento Internacional de Escritores für in Not geratene Intellektuelle und Schriftstellerkollegen, beispielsweise während der Balkankriege und des Tschetschenienkriegs. Sein erstes Geld verdiente er mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen seines Onkels, des Regisseurs Jesús Franco. Ab 1974 lebte er in Barcelona und arbeitete für das Verlagshaus Alfaguara. 1978 zog er wieder nach Madrid. Er schrieb an eigenen Romanen und Erzählungen, übersetzte Literatur, vor allem aus dem Englischen, und veröffentlichte Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Für Marías war Shakespeare lebenslang ein Vorbild, und in sieben seiner insgesamt vierzehn Romane finden sich Zitate aus Shakespeare im Titel. Für die Übersetzung des Tristram Shandy von Laurence Sterne erhielt er 1979 den Preis Premio Nacional de Traducción. 1983 ging Marías nach Oxford, wo er Spanische Literatur und Übersetzung unterrichtete. Im Jahr darauf lehrte er, wie bereits sein Vater, am Wellesley College in Boston. 1986 lebte und arbeitete er in Venedig. 1987 zog er zurück nach Madrid und unterrichtete an der Universität Complutense Madrid. Marías war Anhänger des Fußballvereins Real Madrid und König der unbewohnten Karibikinsel Redonda. Er starb im September 2022 neun Tage vor Vollendung seines 71. Lebensjahres an einer durch eine SARS-CoV-2-Infektion verursachten Lungenentzündung. Werke: Mit elf Jahren begann Marías Geschichten zu schreiben. Im Alter von 15 Jahren stellte er seinen ersten Roman "La víspera" fertig, der nie veröffentlicht wurde. 1968 druckte die Zeitung El Noticiero Universal seine erste Kurzgeschichte "La vida y la muerte de Marcelino Iturriago". Im Sommer 1969 schrieb er in Paris seinen zweiten Roman "Los dominios del lobo", der 1971 veröffentlicht wurde. Im nächsten Jahr lernte er den Schriftsteller Juan Benet kennen und schloss sich dessen Autorenkreis an. Mit dem Roman "El hombre sentimental" (1986 Der Gefühlsmensch) gewann er im Erscheinungsjahr des Werks den Preis Premio Herralde de Novela. Der 1992 erschienene Roman "Corazón tan blanco" (Mein Herz so weiß) wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt (deutsch 1996) und zu einem Welterfolg. In Deutschland erfuhr der Roman die Anerkennung von Marcel Reich-Ranicki in dessen F. Artikel-Nr. 31788
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Hardcover. Zustand: Gut. Zustand des Schutzumschlags: Schutzumschlag: Gut. ISBN 3608935088 - Hardcover Ausgabe guter Zustand - Schutzumschlag guter Zustand - Erscheinungsjahr: 1998 - Buch mit 375 Seiten. - Index: 500. Artikel-Nr. 251152
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