Eine Invasion von Frauen (Collection S. Fischer)

Samson, Carmen Von

 
9783596223992: Eine Invasion von Frauen (Collection S. Fischer)

Inhaltsangabe

Eine Tochter auf der Suche nach den Frauen ihres Vaters. Nach Liebe, Sex und der richtigen Vergangenheit. Eine Familiengeschichte aus dem Adel. Eine Beziehungsgeschichte von heute. In 276 Shortcuts.

1. Eine junge Frau erzählt. Von ihren adeligen Eltern, deren Ehe am Ende ist. Von ihrem Vater, seinen Frauen.
2. Die Ich-Erzählerin findet: Es ist auch ihre Geschichte. Die Frauen ihres Vaters besuchen sie nachts in ihren Träumen. Erst eine, dann viele. Sie wollen nicht mehr gehen.
3. Die Erzählerin begibt sich in die Erinnerung, um aufzuräumen. Aber den Erinnerungen ist nicht zu trauen. Also erfindet sie sich eine neue Vergangenheit: ein Musterkoffer an Lebensentwürfen. Für sich. Für den Vater.
4. Die Ich-Erzählerin will wenigstens in der Gegenwart festen Boden unter den Füßen haben. Es treten auf: Der One-Night-Stand, der Standardmann, der Nicht-Geliebte. Geheimnisse, Liebe, Essen, Sex.
5. Die größte Angst der Mutter war, dass die Tochter einmal ein Buch über die Familie schreiben könnte. Familiengeheimnisse verraten. Gesellschaftlichen Selbstmord begehen.
6. Nur eine Möglichkeit: Das Gespräch mit dem Vater, auf das sie seit 35 Jahren wartet. Mit dem Vater reden, ihn zur Rede stellen, "einfach mehr wissen und weniger ahnen müssen".
7. Showdown? Happy End? Happy Showdown?

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Über die Autorin bzw. den Autor

Geboren am 25. August 1963 in Limburg an der Lahn. Frühe Auslandserfahrungen in Indien (Himalaya) und den USA, wo sie deutsche Schulen besuchte. Abitur und High School Diploma in Washington, D.C. Studium der Germanistik und Geschichte in Bonn. Ab 1985 Studium in Berlin mit Schwerpunkt Deutsche Sprache, Literatur und Geschichte des Mittelalters. 1991 Magisterexamen. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin, Schwerpunkt u.a. deutsche Predigt im Mittelalter. Organisierte 1997 das Symposion Garlieb Merkels publizistische Aktivitäten in Deutschland und im Baltikum um 1800: Literaturkritik, politische Publizistik, Informationspolitik. Juli 1999 Abschluß ihrer Dissertation über Pilger im Mittelalter. Arbeitet als selbständige Übersetzerin und Dolmetscherin für Englisch. Prüferin am Staatlichen Prüfungsamt für Übersetzer in Berlin. Aktiv im Vorstand des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). War Städtesprecherin der BücherFrauen Berlin. Schreibt mit beim Internet-Literaturprojekt »Pool.«

Interview mit Carmen v. Samson

Wenn Sie den Inhalt Ihres Buches "Eine Invasion von Frauen" in einem Satz zusammenfassen sollten, was würden Sie schreiben? Eine Frau erfährt ein Familiengeheimnis, wird von Erinnerungen überschwemmt und versucht im Lichte dieser Erkenntnis, ihre Gegenwart zu ordnen und zu verstehen. Um Himmels Willen. Das klingt ja gräßlich! In Ihrem Buch geht es um eine adelige Familie. Um Ihre eigene Familie? Wie autobiographisch ist das Buch? Vorab: Ich bin mir nicht sicher, ob nicht in jedem Text, den man schreibt, nicht ein großes Stück von einem selbst steckt. Selbstverständlich spiegelt also auch dieser Roman sehr viel von mir, von meinem eigenen Leben wider. Wie sehr, habe ich entdeckt, als ich einem geliebten Menschen Passagen daraus vorlas und in Tränen ausbrach. Dabei ist es aber nicht so, daß man das Buch als eine Eins-zu-eins-Schilderung meiner eigenen Kindheit oder jüngsten Vergangenheit lesen sollte. Den Erinnerungen aus meinem eigenen Leben gab ich im Interesse der Erzählrichtung einen bestimmten Ton. Das ist wie ein Vergrößerungsglas, unter dem etwas deutlich hervortritt, das ansonsten gar nicht so klar wäre. Wie hat Ihre Umgebung auf Ihr Schreiben reagiert, vor allem als klar wurde, daß sich diese Umgebung vielleicht darin wiederfinden würde? Vielleicht wird sich der eine oder die andere wiedererkennen. Ich bin meinen Eltern und Geschwistern sehr dankbar, die mit mir das Risiko eingehen, daß dieses Buch als komplett autobiographisch aufgefaßt wird. Aber es geht hier ja nicht um eine Dokumentation, um ein »So und nicht anders war es«. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die in eine bestimmte Richtung geht. Wie die Menschen um mich herum darauf reagieren - bislang eigentlich wohlwollend. Vermutlich werden noch viele Reaktionen kommen. Ich bin gespannt. Eine Invasion von Frauen ist auch ein Buch über Liebe. Über nicht zugelassene, verspätete, unmögliche, auch über maßlose Liebe. Ist es nur noch auf diese Weise möglich, über Liebe zu schreiben? Hoffentlich nicht! Aber das ist auch ein methodisches Problem. Die Schilderung einer glücklichen Liebe ist ungleich schwieriger; man segelt da hart am Wind des Kitsches. Ob wir allerdings in einer Gesellschaft leben, in der Beziehungen mit einem einzigen Menschen noch ein Leben lang möglich sind - das ist eine Frage, die ich mir schon stelle. Vielleicht wird das auch einmal in einer neuen Geschichte Form gewinnen. Ein zentrales Motiv in Ihrem Buch ist die Erinnerung. Ist Erinnerung für Sie etwas Befreiendes oder eher Quälendes? Können Sie in Erinnerungen schwelgen? Schwelgen - das ist sehr selten. Obwohl es Erinnerungen gibt, die man gerne immer wieder aufpoliert, zum Beispiel am Anfang einer Liebesbeziehung. Da werden die einzelnen Stationen der Annäherung noch einmal benannt: »Und dann hast du endlich angerufen« oder »Warte mal, wann kam eigentlich der nächste Besuch nach dem Sofastündchen damals?« Und so weiter. Das ist etwas sehr Schönes, da kann ich schon schwelgen. Aber diese unfreiwillige Erinnerung, wenn man sich plötzlich in alten, neurotischen Strukturen wiederfindet, die man sich auch noch selbst hergestellt hat - die hat mich jahrelang gequält. Sie haben an sehr verschiedenen Orten auf der Welt gelebt und wohnen heute in Berlin, einer Stadt, aus der viele neue und junge Autorinnen und Autoren kommen. Hat das Leben in dieser Stadt etwas mit Ihrem Schreiben zu tun? Möglicherweise. Ich kenne keine lebendigere Stadt und möchte eigentlich nirgendwo anders leben. Allein schon die unglaubliche Freiheit hier, sich in verschiedene Richtungen zu entwerfen, ist ein großer Reiz. Mir bietet Berlin die richtige Mischung aus Anonymität und Vertrautheit. Außerdem schaue ich gerne auf alltägliche kleine Begebenheiten, und die gibt es hier zuhauf zu entdecken. Sie schreiben auch im Internet, beim Literatur-Projekt »pool.« Das Schreiben am »pool«, mit seinen verschobenen Realitäten, mit dem direkten Kontakt zu einer sehr lebhaften, sich sehr deutlich artikulierenden Lesergruppe, mit dem Feilen am eigenen, immer sparsamer werdenden Schreiben - das alles hat mich sehr viel gelehrt. Und ich habe gleichzeitig viel Spaß dabei. Hoffentlich dauert das noch eine Weile an! Die klassische Abschlußfrage: Gibt es literarische Pläne für die Zukunft? Unbedingt. Einen Liebesroman habe ich vor einiger Zeit begonnen, in dem es etwas glücklicher zugeht. Vielleicht liegt das allerdings daran, daß er in der Vergangenheit spielt und an einem anderen Ort. Ich stehe da noch am Anfang, und der Enthusiasmus des Neulings ist ja bekanntermaßen kaum zu bremsen.

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