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Die vollkommene Freude: Roman - Softcover

Rinser, Luise

 
9783596212354: Die vollkommene Freude: Roman

Inhaltsangabe

In diesem Roman schildert Luise Rinser ein Familienbild des intellektuellen deutschen Mittelstandes. Eine junge Frau, Kind der Provence, kommt in das Haus eines unduldsamen, nervösen Dozenten, der sich nur in der Dunkelheit seines privaten Raumes geborgen fühlt. Marie-Catherine setzt ihre ganze Zartheit und Kraft ein, um das Leben dieses Mannes und seiner stolzen, von psychischer Last gedrückten Familie zu erhellen. Vergeblich, so scheint es; aber alle, die in ihren Kreis treten, wandeln sich. Sie hinterläßt ein Stück geordneter und hoffnungsvoller Welt. Ein psychologisch überzeugender Roman, eine "christliche Aussage von elementarer Wucht, wie sie im deutschen Sprachraum seit langem nicht mehr erlebt wurde" (Die Furche).

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Luise Rinser, 1911 in Pitzling in Oberbayern geboren, war eine der meistgelesenen und bedeutendsten deutschen Autorinnen nicht nur der Nachkriegszeit. Ihr erstes Buch, ›Die gläsernen Ringe‹, erschien 1941 bei S. Fischer. 1946 folgte ›Gefängnistagebuch‹, 1948 die Erzählung ›Jan Lobel aus Warschau‹. Danach die beiden Nina-Romane ›Mitte des Lebens‹ und ›Abenteuer der Tugend‹. Waches und aktives Interesse an menschlichen Schicksalen wie an politischen Ereignissen prägen vor allem ihre Tagebuchaufzeichnungen. 1981 erschien der erste Band der Autobiographie, ›Den Wolf umarmen‹. Spätere Romane: ›Der schwarze Esel‹ (1974), ›Mirjam‹ (1983), ›Silberschuld‹ (1987) und ›Abaelards Liebe‹ (1991). Der zweite Band der Autobiographie, ›Saturn auf der Sonne‹, erschien 1994. Luise Rinser erhielt zahlreiche Preise. Sie ist 2002 in München gestorben.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Der Einfall, die Geschichte, Marie-Catherines aufzuzeichnen, kam mir heute, als ich dem Abbruch unseres Hauses zusah. Wenn ich sage, es sei ein Einfall gewesen, so möchte ich damit nicht ausdrucken, daß ich nie vorher daran gedacht hatte; aber ich wagte nie, den Entschluß zu fassen, und ich weiß, warum: ich hatte Angst davor, mich, mit Marie-Catherine beschäftigt, unabweisbar auch mit all jenen Fragen beschäftigen zu müssen, denen ich gerne aus dem Wege ging. Wenn ich also diesem Einfall nachgebe, so geschieht es weder freiwillig noch mutig, noch aber auch gezwungenermaßen; ich lasse mich vielmehr furchtsam in ein Abenteuer fallen, das ich nicht auszufragen wage.

Als ich gestern einige Stunden mit bitterer Genugtuung dem Abbruch unseres alten Hauses zugesehen hatte, ließ ich mich von Simone zum Friedhof fahren, nicht zum Waldfriedhof, wo mein Bruder Clemens, meine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und fast alle übrigen Angehörigen dieser weitverzweigten Familie begraben sind, sondern zu dem kleinen Friedhof, auf dem Marie-Catherine liegt, weitab und allein, als hätte sie nie zu unserer Familie gehört. Ich war nicht das erstemal dort, aber zum ersten Male mit Simone. Sonst hatte ich mich mit einem Taxi hinfahren lassen, insgeheim, wenn Simone in der Schule, später dann an der Universität war. Selbst seitdem sie mich zum Kaufe eines Autos gedrängt hat, in das man mich samt meinem Rollstuhl schieben kann, bat ich sie nie darum, mich dorthin zu fahren. Gesten tat ich es. Sie wollte nicht.

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