Die islamistischen Terroristen wollen nicht bloß Menschen töten, sondern unseren Wohlstand zerstören. Im Namen Allahs führt al-Kaida einen Wirtschaftskrieg und zielt damit ins Herz unserer Gesellschaft. Doch auch zehn Jahre nach den monströsen Attacken des 11. September 2001 ignorieren Politiker und Geheimdienste diese Gefahr.
Ulrich Schäfer enthüllt, welchen teuflischen Plan die islamistischen Terroristen tatsächlich verfolgen. Er zeigt, wo wir ansetzen müssen, um den Angriff auf unseren Wohlstand abzuwehren. Denn eines ist sicher: Auch nach dem Tod von Osama bin Laden geht der Terror weiter!
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Ulrich Schäfer, Jahrgang 1967, ist einer der renommiertesten deutschen Wirtschaftsjournalisten. Er absolvierte nach dem Studium der Volkswirtschaft in Münster und Washington, D.C., eine Ausbildung an der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er als Wirtschaftsjournalist beim Spiegel und bei der Süddeutschen Zeitung. Dort ist er heute Ressortleiter. 2008 erschien sein Bestseller »Der Crash des Kapitalismus« bei Campus.
Vorwort
Der Terror geht weiter
"Obwohl bin Laden tot ist - al-Kaida ist es nicht." Leon Panetta, Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA, 2. Mai 2011
Wir neigen dazu, die Welt schöner zu reden, als sie ist. Wir lieben es, Gefahren zu verdrängen und Risiken zu übersehen. Deshalb gerieten wir in die schlimmste Wirtschaftskrise seit acht Jahrzehnten. Denn wir wollten die Warnzeichen, die es gab, nicht sehen. Wir lebten in dem Glauben, unser Wohlstand, der hervorgebracht wird durch die globale, vernetzte Wirtschaft, sei unantastbar.
So wie wir die Signale missachtet haben, die Jahre vorher auf den Wahnsinn an den Finanzmärkten hingewiesen haben, so verdrängen wir auch, wie sehr unser Wohlstand durch den islamistischen Terror bedroht ist. Zehn Jahre nach dem 11. September 2001, nach Hunderten von erfolgreichen und versuchten Anschlägen in Europa, Amerika, Asien, Afrika und der arabischen Welt, tun wir immer noch so, als seien die islamistischen Terroristen vernachlässigbare Feinde: weit weg, ein wenig irre, aber nicht sonderlich bedrohlich. Und der Tod von Osama bin Laden vermittelt uns nun sogar das Gefühl, als sei die Gefahr praktisch gebannt, als sei dieser Feind mehr oder weniger besiegt. Ohne ihren Gründer, so glauben viele, ist al-Kaida nur noch eine Bande von orientierungslosen Hitzköpfen, von irrlichternden Islamisten.
Doch wir unterliegen dabei einem gefährlichen Irrglauben, wir geben uns einem trügerischen Gefühl der Sicherheit hin. Richtig ist: Bin Laden wurde getötet - aber der islamistische Terror geht weiter! Denn die Terroristen von al-Kaida verfolgen einen teuflischen, langfristigen Plan - einen Plan, den bin Laden einst mit erdacht hat, der aber nicht von ihm abhängig ist. Im Namen Allahs wollen sie unseren Wohlstand sprengen - und den Westen dadurch in die Knie zwingen. Ihr Angriff zielt auf das Herz unserer Gesellschaft, die Basis unseres Lebens. Und sie haben sich dafür viel Zeit genommen: nicht bloß Jahre, sondern Jahrzehnte.
Ersonnen haben diesen Plan die Strategen und Theoretiker von al-Kaida, die führenden Köpfe des Terrornetzwerks. Geprägt wurde er vor allem vom neuen Chef von al-Kaida, dem Ägypter Aiman al-Zawahiri, der schon in den letzten Jahren, als bin Laden sich in sein Versteck in Pakistan verkrochen hatte, der operative Führer des Terrornetzwerks war, der Stratege, der Planer. Und geprägt wurde er von Saif al-Adel, der unter bin Laden die Nummer drei von al-Kaida war und nach dessen Tod für einige Wochen als Interimschef des Terrornetzwerks fungierte, ehe dann al-Zawahiri berufen wurde. Er hat vor einigen Jahren "al-Kaidas Strategie bis zum Jahr 2020" öffentlich gemacht, die im Westen fast keinerlei Beachtung gefunden hat, aber klar und deutlich zeigt: Die islamistischen Terroristen führen zuvorderst keinen Glaubenskrieg, sondern einen Wirtschaftskrieg.
Den Angriff auf unseren Wohlstand treibt eine zweite, eine dritte Generation von skrupellosen Terroristen voran, die in den letzten Jahren herangewachsen ist. Und egal, wen die Amerikaner noch ausschalten: Sie werden ihren Krieg gegen den Westen weiter verfolgen, ihren perfiden Plan, der nicht in das Bild passt, das von ihnen immer wieder gezeichnet wird - das Bild von den irrationalen Glaubenskriegern, die ohne Sinn und Verstand vorgehen. Denn tatsächlich folgt al-Kaida einer durchdachten Strategie: Die islamistischen Terroristen jagen Gebäude und Flugzeuge in die Luft, um den Westen in den Bankrott zu treiben. Ihre Ziele sind - anders als bei den Terroristen des 20. Jahrhunderts, bei RAF, Roten Brigaden, ETA oder IRA - nicht die Repräsentanten des Staates, die Menschen mit Macht. Sondern sie attackieren im Namen Allahs die Basis unseres Reichtums, jenes fein gewobene, weltumspannende Netz der Wirtschaft, das uns seit Jahrzehnten immer mehr Wohlstand gebracht hat: die Globalisierung. Wenn man die Spur des Terrors verfolgt, wenn man die religiöse Rhetorik beiseiteschiebt und hinter der Fassade des Fanatismus nach der eigentlichen Strategie von al-Kaida sucht, erkennt man ein klares Prinzip: Die islamistischen Attentäter wollen die Lebensadern unserer Industriegesellschaft treffen, die Handelswege und Börsen, die Unternehmen und Anleger, die Symbole der westlichen Wirtschaft, die Filialen westlicher Banken und Hotelketten, die Versorgungswege für Öl und Gas - und damit uns alle. Sie wollen, dass unsere Jobs in Gefahr geraten; dass wir aus Furcht unser Geld beisammenhalten und weniger für Waren aus aller Welt ausgeben; dass die Anleger nervös werden und sich von den Finanzmärkten zurückziehen; dass Unternehmen nicht mehr investieren.
Nicht jeder Anschlag gelingt, nicht jeder Plan geht auf, und manches, was al-Kaida verbreitet, ist auch schlichte Propaganda. Und doch sind die islamistischen Terroristen weit erfolgreicher, als wir dies wahrhaben wollen. Sie verändern unser Handeln und Denken, unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft: Mit ihren steten Attacken haben sie Millionen von Jobs zerstört und Billionenvermögen vernichtet, sie haben mit ihren Bomben die Börsen erzittern und Aktienkurse abstürzen lassen, sie haben die Wirtschaft gelähmt und ihr zusätzliche Kosten auferlegt - nicht bloß Sicherheitskosten. Öl und Rohstoffe wurden teurer, der weltweite Handel unsicherer, das Fliegen riskanter, der Urlaub gefährlicher, die Börsen labiler, weil die Unsicherheit in der Wirtschaft durch den Terror gewachsen ist.
Wir leben in einer Ära der Unsicherheit und Bedrohung - und die Folgen spüren wir alle! Die islamistischen Attentäter haben entscheidend zur größten Wirtschaftskrise seit acht Jahrzehnten beigetragen. Sie haben den Westen gezwungen, sich nach dem 11. September mit billigem Geld der Notenbanken, mit gewaltigen Steuersenkungen und Konjunkturprogrammen gegen einen Abschwung zu stemmen, den es ohne die Anschläge in der Schärfe nicht gegeben hätte. Sie haben den Westen in einen Krieg gedrängt, der zermürbend und teuer ist. Sie haben ihn in eine Politik der Schulden getrieben, die sich nun rächt.
Und die Terroristen bomben weiter: Europa und Deutschland rücken dabei immer mehr in ihren Fokus. In London und Madrid gingen bereits vor einigen Jahren Sprengsätze in Nahverkehrszügen hoch; die Kofferbomber von Köln versuchten einen ähnlichen Anschlag in Deutschland. Später enttarnten deutsche Fahnder die Sauerland-Gruppe, eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad-Union. Und vom Herbst des Jahres 2010 an folgte dann Terroralarm auf Terroralarm: Anfang Oktober warnten Geheimdienste, dass islamistische Terroristen symbolträchtige Ziele in Berlin ins Visier genommen hätten. Wenig später landete ein Frachtflieger mit einem Bombenpaket, das aus dem Jemen stammte, in Köln/Bonn zwischen. Ein paar Tage später, im November 2010, sprach der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière die schärfste Terrorwarnung in der bundesdeutschen Geschichte aus. Zuvor hatten zwei deutsche Terrorverdächtige, die auf dem Rückweg aus einem pakistanischen Ausbildungslager verhaftet wurden, geplaudert. Sie berichteten den Ermittlern, dass al-Kaida einen gewaltigen Anschlag in Europa plane, eine Attacke auf Finanz- und Wirtschaftszentren.
Nur drei Wochen später fassten britische Antiterrorfahnder in Cardiff, Stoke-on-Trent und London zwölf junge Männer aus Somalia und Bangladesch, die Bomben getestet und mögliche Terrorziele ausgekundschaftet hatten, darunter die Londoner Börse. Im März 2011 war dann zu lesen, al-Kaida plane einen großen Anschlag in Amerika. Die Vorbereitungen seien weit fortgeschritten, amerikanische Sicherheitsexperten sprächen von einer "aktuellen und bedeutenden Bedrohung". Im April 2011 verhafteten deutsche Ermittler in Düsseldorf drei Marokkaner, die im Auftrag von al-Kaida einen Anschlag in Deutschland vorbereitet hatten: In einer Menschenmenge, möglicherweise an einem Flughafen oder Bahnhof, wollten sie eine Splitterbombe mit kleinen Metallteilen zünden. Und im Mai 2011 wird publik, dass al-Kaida zum...
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