Verwandte Artikel zu Die Beamtenrepublik

Die Beamtenrepublik - Hardcover

Beucker, Pascal; Überall, Frank

 
9783593373355: Die Beamtenrepublik

Inhaltsangabe

Beamte haben es gut in Deutschland. Sie werden nicht fürs Arbeiten bezahlt, sondern fürs Herumsitzen alimentiert. Und wenn sie tätig werden, streichen sie absurde Zulagen ein: Der verbeamtete Fernmeldetechniker kassiert, wenn er auf eine Antenne klettert, der Sinfoniker, wenn er ins Horn stößt, der Forstbeamte, wenn die Schnaken fliegen. Sie kosten den Staat Abermillionen, aber wenn angesichts der Haushaltslöcher Opfer verlangt werden, steuern sie kaum einen Cent bei. Warum auch? Ihre Lobby ist doch stark genug!
Die Autoren belegen, welche Risiken Beamte für Deutschland darstellen. Sie zeigen, wo Beamte arbeiten, wem sie nutzen und was sie kosten. Und sie fragen, ob wir uns diesen Luxus noch leisten können. Sie haben mit Politikern aller Fraktionen gesprochen und zeigen, warum die Parteien trotz populistischer Ankündigungen vor den Beamten kuschen. Eine polemische und fundierte Abrechnung.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Pascal Beucker wurde 1966 in Düsseldorf geboren. Er studierte Politikwissenschaften an der Universität-Gesamthochschule Duisburg, lebt in Köln und arbeitet als nordrhein-westfälischer Korrespondent für die Berliner tageszeitung (taz).
http://www.beucker.de

Frank Überall wurde 1971 in Leverkusen geboren. Er studierte Politologie an der Universität Köln, lebt in Köln und arbeitet als freier Journalist unter anderem für WDR, ARD, dpa und taz.
http://www.ueberall.tv

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Der diskussionswürdige Beamte

Das Bild von Kaiser Wilhelm II. hängt längst nicht mehr an der Wand. Auch ansonsten hat sich in den deutschen Amtsstuben vieles gegenüber der Zeit verändert, als der Schuster Wilhelm Voigt versuchte, an einen Pass zu gelangen. So hätte er heutzutage auch als "Hauptmann von Köpenick" keine Chance, an das begehrte Dokument zu kommen. Möglicherweise wäre er schon an dem Schilderwirrwarr gescheitert, das ihm in der Regel in den Rathäusern und Behörden der Republik begegnet … Geblieben von der "guten, alten Zeit" ist nur eins: der deutsche Beamte. Und der ist immer noch ein "Staatsdiener" und versteht sich immer noch zu selten
als Dienstleister für den Bürger. Er stempelt Anträge ab, verteilt Anwohnerparkausweise und stellt wie zu Voigts Zeiten Pässe aus. Wer seinen Personalausweis nicht rechtzeitig verlängert, muss nicht nur für jeden Monat ohne gültige Papiere einen Strafe zahlen. Er bekommt auch ein von einem Beamten unterzeichnetes Schreiben. "Ich hoffe, dass das nicht noch einmal vorkommt", steht dort. Ja, der deutsche Beamte führt sich immer noch gerne auf, als wäre er Vater Staat persönlich.
Hat der Bürokrat ein bisschen Macht, will er auch, dass sein Gegenüber sie spürt. Besonders hart trifft es jene, die einen Antrag stellen wollen oder eine Genehmigung brauchen. Selten muss der Bürger nur einem Beamten sein Anliegen vortragen. Hat der Bürger endlich den Zuständigen gefunden, hört der Bürokrat ihm mit verschränkten Armen zurückgelehnt zu und gibt ihm am Ende des Gesprächs Formulare. Die füllt er nicht etwa gemeinsam mit dem Bürger aus, für so etwas hat der Beamte weder Zeit noch Geduld. Seine Aufgabe ist schließlich das Verwalten, nicht das Helfen. Wehe, der Bürger hat einen Antrag falsch ausgefüllt! Dann geht gar nichts mehr. Der Beamte benimmt sich, als hätte der Bürger ihn persönlich beleidigt. Der Bürger nimmt so etwas verblüfft und verärgert zur Kenntnis.
Der öffentliche Dienst und seine Beamten haben keinen guten Ruf. Und mit jedem kafkaesken Besuch auf einer deutschen Amtsstube wächst der Unmut. Das Selbstbild der Beamten als Garanten der Ordnung und der Widerwille der Bürger gegen die Bürokraten stehen in einem krassen Widerspruch zueinander. Viele Beamte scheinen mit ihrem Habitus und ihrem Selbstverständnis im vergangenen Jahrhundert stehen geblieben zu sein. Mit modernden Computern und High-Tech-Telefonanlagen haben die Vorboten der Dienstleistungsgesellschaft die Amtsstuben erreicht, aber in den Köpfen vieler Bürokraten hat sich die Idee der Kundenorientierung noch nicht festgesetzt. Entsprechend gerne schimpfen die Bürger auf "die Beamten", obwohl sie kaum unterscheiden können, ob das Gegenüber in der Meldehalle oder der Behörde wirklich ein Beamter ist oder "nur" ein Angestellter.
Oder es wird über sie gelacht: Witze über Beamte sind Legion. Keine gesellschaftliche Gruppe sieht sich einem derart ausdauernden Spott gegenüber wie Beamte. Bücher sind schon darüber verfasst worden. Im Internet finden sich ganze Seiten, die aus nichts anderem als Despektierlichkeiten bestehen. Da kann man Bonmots finden wie: Die Beamten sind die Träger des Staates - träger geht's nicht! Oder erfahren, warum Beamten jeden Morgen einen Magenbitter trinken - damit wenigstens der Magen arbeitet. Und warum Beamte grundsätzlich nur dreilagiges Klopapier benutzen - weil sie ja von jedem Scheiß zwei Durchschläge brauchen. Ja, wer lacht nicht gerne über Beamte - wenn er nicht gerade einen aufsuchen muss: auf dem Arbeitsamt, dem Sozialamt, dem Einwohnermeldeamt. Oder wenn er in eine Polizeikontrolle gerät.
Der überbordende Spott über Beamte entspricht den Ohnmachtsgefühlen, die viele Menschen verspüren, wenn sie einem Beamten gegenübertreten müssen. In den Amtsstuben lässt sich immer noch erfahren, was der Begriff des "Staatsdieners" bis heute enthält: das Hoheitliche aus der Zeit des Alten Fritz, der seine Bediensteten auf Befehl und Gehorsam trimmte.
Gerade deshalb ist der Diskurs über das treue, teure Berufsbeamtentum und seine Privilegien ein so emotionales Thema. Diskutiert wird darüber, seit die Bundesrepublik existiert. Schon in den 1950er Jahren gab es fundamentale Kritik an dem Statusdenken, mit dem Beamte faktisch außer- und oberhalb der Gesellschaft gestellt wurden. Immer wieder waren einflussreiche Kräfte dazu in der Lage, jeglichen Angriff auf die Vorrechte dieses staatlich garantierten Berufsstandes zu geißeln und in ein lähmendes "Weiter so" einzustimmen. Immer mehr Entscheidungsträgern wird inzwischen aber bewusst, dass sich dieses brennende Thema nicht mehr von der Tagesordnung verdrängen lässt. Zu erdrückend sind die finanziellen Lasten, die der öffentliche Dienst im Allgemeinen und das Berufsbeamtentum im Besonderen dem Staatssäckel aufbürden. Wir wollen Licht ins Dunkel bringen und mit der einen oder anderen These provozieren.
Eine fundierte Analyse muss und wird bei der Frage ansetzen, warum und wo es überhaupt Beamte gibt. Wie ist das Berufs

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.