Peter Eigen, Jg. 1938, war jahrzehntelang in Südamerika und Afrika als Direktor der Weltbank tätig. Zum Kampf gegen weltweite Korruption gründete er vor zehn Jahren Transparency International, die mittlerweile eine der erfolgreichsten Nichtregierungsorganisationen mit Niederlassungen in 100 Ländern ist. Transparency International erhielt 2002 den Carl-Bertelsmann-Preis.
Deutschland - ein Land der Saubermänner? Ein Land, in dem die Korruption keine Chance hat? Von wegen. Nicht erst die jüngsten Skandale vom Münchner "Küchenkartell" über den Kölner "Müllklüngel" bis hin zur Affäre Kohl zeigen, dass es auch hierzulande Korruption in einer Häufung gibt, die bis vor kurzem die Wenigsten in einer der größten Industrienationen der Erde und in einer gefestigten Demokratie erwartet hätten. Wir von TI sind weniger überrascht, da wir seit Jahren vor dem Bumerang-Effekt warnen. D.h. vor der Illusion, dass Firmen, die Korruption im Ausland ganz regulär praktizieren, zu Hause nach einer ganz anderen Moral wirtschaften. Immun gegen das Übel Korruption ist wohl kaum ein Bereich der Wirtschaft oder eine Partei. Der Schaden ist immens, da nicht nur Schmiergelder, sondern auch schlechte Leistungen zu Buche schlagen, manchmal sogar ganz unnötige Investitionen. Obwohl es sehr schwierig ist, den Schaden zu beziffern, ist es bei der Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen versucht worden; schließlich ist die Bauindustrie nach einer Umfrage von TI weltweit Marktführer in Korruption. Hier wird allein für Deutschland ein jährlicher Schaden von fünf Milliarden Euro geschätzt.
Wie schlecht es um die Bundesrepublik bestellt ist, zeigt unser Korruptionswahrnehmungsindex (CPI). In den letzten Jahren ist Deutschland kontinuierlich abgesunken. Belegte Deutschland 1999 noch den 14. von 99 Plätzen, fiel es im Jahr 2000 auf den 17. von 90 und im Jahr 2001 gar auf Rang 20 von 91. 2002 belegte es zwar Platz 18, doch der Punktwert sank.
Eine Umfrage des Forsa-Instituts unter Managern von kleineren und mittelständischen Unternehmen, die das Wirtschaftsmagazin Impulse 2002 in Auftrag gegeben hat, kam zu einem erschreckenden Ergebnis. 14 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal bestochen zu haben, um ein Geschäft abzuschließen. 54 Prozent sagten, sie hätten schon einmal einen Auftrag verloren, weil sie sich weigerten, Schmiergeld zu zahlen. Positiv dagegen: 55 Prozent waren dafür, korrumpierende Unternehmen für eine gewisse Zeit von öffentlichen Aufträgen auszuschließen. 84 Prozent befürworteten eine Verschärfung der bestehenden Antikorruptionsgesetze.
Michael Wiehen, bis Ende 2002 Vorsitzender von Transparency Deutschland, sieht es so: "Die Korruptionsbereitschaft ist in Deutschland vor allem auf mittelständischer und kommunaler Ebene immer noch sehr groß. Ohne Geschenke läuft gar nichts. Das ist in vielen Kommunen durchaus üblich. Das sieht man dort gar nicht als Korruption an, weil es eben immer schon so war. Der Bürgermeister gibt den wichtigen Auftrag an seinen Schwager und der baut ihm mal eben schnell eine Garage. Solche Dinge passieren wahrscheinlich in jeder Kommune in Deutschland. Da fehlt das Unrechtsbewusstsein."
Als das Meinungsforschungsinstitut Forsa speziell die Unternehmen befragte, die schon einmal Bestechungsgelder gezahlt hatten, gaben 29 Prozent an, öffentliche Auftraggeber geschmiert zu haben. 59 Prozent sagten, sie hätten an private Auftraggeber zahlen müssen und 12 Prozent hatten schon sowohl an die öffentliche Hand als auch an die Privatwirtschaft gezahlt.
Und das tun sie glücklicherweise immer häufiger. Weil Korruption in Deutschland immer mehr zum Thema wird, wurden in den 90er Jahren vor allem in den großen Ballungszentren so genannte Schwerpunktstaatsanwaltschaften gegründet, wie beispielsweise die von Wolfgang Schaupensteiner in Frankfurt. In der Mainmetropole blühte die Korruption über Jahrzehnte hinweg, etwa beim Straßenbauamt. Hier bekamen oft nur solche Firmen die lukrativen städtischen Aufträge, die sich auch erkenntlich zeigten. Und es gab allerlei Gelegenheiten, zu denen sich die Unternehmen spendabel zeigen durften. Sie leisteten "Sonderzahlungen" an die Mitarbeiter des Amtes, etwa wenn einer Geburtstag hatte oder ein Urlaub anstand - aber natürlich auch zu Festtagen wie Weihnachten und Ostern. Außerdem errichteten die Bauunternehmen Häuser für die entscheidungsbefugten Beamten, lieferten dann das Heizöl, ließen den Garten pflegen und richteten die Betriebsausflüge des Amtes aus. Ähnlich ging es im Bereich der Kommunikationstechnik am Frankfurter Flughafen zu. Hier hatten mehr als 30 Unternehmen Vereinbarungen mit den Flughafenangestellten getroffen, die sicherstellten, dass diese Unternehmen bei der Auftragsvergabe bevorzugt behandelt wurden. Um die Zahlungen in Millionenhöhe zu verschleiern, gründeten die Angestellten eigene Firmen, die dann Rechnungen über völlig fiktive Leistungen an die korrumpierenden Unternehmen stellten. Als das Kartell aufflog, zeigte sich das ganze Ausmaß der Korruption: Insgesamt ermittelte die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen 170 Beschuldigte.
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Pp. Zustand: Sehr gut. 300 S. ; 22 cm Multinationale Konzerne betrachten öffentliche Haushalte gern als Selbstbedienungsläden. Mit großen Bestechungssummen erkaufen sie die politische Zustimmung zu Projekten, die keiner braucht und keiner bezahlen kann. Ein Problem der Entwicklungsländer? Keineswegs. Auch in Deutschland gibt es keine einzige bestechungsfreie Kommune. Aus seiner Erfahrung als Weltbankdirektor weiß Peter Eigen, wie Bestechung funktioniert und wie man sie unterbinden kann. Sein Buch zeigt, wer dahinter steckt und wie sich Tausende von Menschen organisiert haben, um gegen die Gier von Konzernen und Diktatoren zu kämpfen. 9783593371887 Wir verkaufen nur, was wir auch selbst lesen würden. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 497. Artikel-Nr. 73913
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Hardcover. Zustand: gut. Auflage: 1 (August 2003). Weltbank Wirtschaftskriminalität Korruption Gesellschaft Gesellschaftskritik Bestechung Wirtschaft Bananenrepubliken machen immer mehr Schule. Diese Einschätzung vermittelt Peter Eigen Jahre nachdem er unter dem Eindruck des kenianischen Sumpfes seinen hoch dotierten Job im Direktorium der Weltbank an den Nagel hängte, um der weltweiten Korruption den Kampf anzusagen. Transparency International (TI) nannte er die Organisation, die er mit wenigen Mitstreitern zu diesem Zweck aus der Taufe hob. Anfangs noch als Haufen naiver Weltverbesserer belächelt, dann zunehmend misstrauisch beäugt und schließlich mit offener Feindseligkeit, aber auch viel Solidarität bedacht, hat sich diese NGO, deren Geschichte und Engagement dieses Buch erzählt, zu einer moralischen Instanz höchster Güte gemausert -- mit viel Prominenz und Sektionen in rund 100 Staaten der Erde. "Korruption bringt weltweit Tod und Verderben", warnt Eigen vor einer Verharmlosung als Kavaliersdelikt. "Sie vernichtet immense volkswirtschaftliche Werte und hindert die Staaten der Dritten Welt in ihrer Entwicklung. Korruption zerstört ehrliche Unternehmen und verzerrt den Wettbewerb, sie beeinflusst die Politik führender Staaten, unterhöhlt die Demokratie und wird von der organisierten Kriminalität und dem Terrorismus benutzt." Westliche Arroganz gegenüber der Bakschisch-Mentalität anderer Kulturkreise hält er für scheinheilig. Darin offenbarten sich auch die Auswüchse des multinationalen Geschäftsgebarens. Nicht einmal 20 unter den Top-1.000-Weltunternehmen leisteten sich ansatzweise Anti-Korruptionskonventionen. Warum auch, wenn wie in Deutschland Schmiergeldzahlungen steuerabzugsfähig sind oder ein Wirtschaftsminister wie Günter Rexrodt das Anliegen von TI aus Sorge um Wettbewerbsnachteile boykottierte -- vom Vorbild der affärengeschüttelten Politik ganz zu schweigen. Doch selbst eine härtere Gangart scheint keine Erfolgsgarantie. So rangieren etwa US-Unternehmen trotz Strafandrohung durch den "Foreign Corrupt Practices Act" von 1977 noch immer mit Abstand auf dem Spitzenplatz des "Corruption Perceptions Index". Dass es solche Erhebungen heute überhaupt gibt, ist eines der großen Verdienste von TI. Der Organisation geht es nämlich weniger darum, Skandale anzuprangern, sondern um die Entwicklung geeigneter Instrumente, mit denen dem System zu Leibe gerückt werden kann. Sie alle werden in diesem lehrreichen Buch vorgestellt, das zugleich eine brauchbare Einführung in die Problematik liefert. FAZ, 25. August 2003 "Eigen argumentiert moralisch konsequent und praxisnah." Weltbank Wirtschaft Wirtschaftskriminalität Korruption Gesellschaft Gesellschaftskritik Bestechung Das Netz der Korruption. Wie eine weltweite Bewegung gegen Bestechung kämpft (Gebundene Ausgabe) von Peter Eigen Vorwort: Richard von Weizsäcker In deutscher Sprache. 240 pages. 21,6 x 14,4 x 2,8 cm. Artikel-Nr. BN0893
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300 S., 22 x 15 cm, Pappband mit geprägtem Rückentitel Transparency International ; Geschichte, Wirtschaft, Politik. Gebrauchtexemplar. Bibl.-Exemplar mit Rückenschild und Stempeln. Recht guter Zustand Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 950. Artikel-Nr. 23903
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