Wirtschaft - Das sollte man wissen - Hardcover

Heilbroner, Robert; Thurow, Lester

 
9783593370651: Wirtschaft - Das sollte man wissen

Inhaltsangabe

In ihrem Buch Wirtschaft - Das sollte man wissen vermitteln die renommierten Autoren ein umfassendes Verständnis, mit dessen Hilfe man die Welt der Wirtschaft durchschauen kann. Sie geben einen Überblick zu allen Themen rund um unsere Volkswirtschaft. So befassen sie sich mit folgenden Fragen:
- Wie entstehen Angebot und Nachfrage?
- Auf welchen Fundamenten fußt die Marktwirtschaft westlicher Prägung?
- Was ist eigentlich Geld?
Jetzt endlich liegt dieser Klassiker in deutscher Sprache vor. Für den deutschsprachigen Buchmarkt wurde das Werk vollständig aktualisiert und an die europäische Situation angepasst.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Robert Heilbroner ist Professor für Wirtschaft an der New School of Social Research in New York. Der renommierte Wirtschaftshistoriker veröffentlichte mehr als 20 Bücher.

Lester Thurow ist Professor für Wirtschaft und Management an der Sloan School of Management in Cambridge, Massachusetts. Er gilt als wichtigster Experte und Vordenker in Wirtschaftsfragen weltweit.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Einleitung

Beunruhigende Dinge geschehen derzeit in den Volkswirtschaften Westeuropas und Nordamerikas. Mit dieser Feststellung wollen wir nicht etwa andeuten, der Kapitalismus westlicher Prägung sei gerade dabei, seinen Geist aufzugeben. Vielmehr möchten wir unsere Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass die Welt sich derzeit verändert und mit großer Sicherheit weiter verändern wird - nicht immer zu unserem Wohlgefallen.

Mit diesen Veränderungen meinen wir zum einen das Wachstum jener "Welt", die unseren Alltag unmittelbar berührt - die gestiegene Anzahl an Ländern also, deren wirtschaftliche Aktivitäten mit den unsrigen eng verwoben sind. Denken Sie beispielsweise an den Computerladen von nebenan: Noch vor wenigen Jahren bezog er sein Inventar nahezu vollständig aus den USA. Heutzutage können die gleichen Waren ebenso aus Korea, Taiwan, Singapur oder einer Reihe anderer Staaten stammen. Dieser Umstand ist ein Teil dessen, was wir als "Globalisierung" bezeichnen. Wenn dieser Prozess sich in der gleichen Geschwindigkeit wie im vergangenen Jahrzehnt fortsetzen sollte, könnte er die Entwicklung der westlichen Volkswirtschaften tiefgreifend beeinflussen, teils zu ihrem Vorteil - koreanische PC-Monitore sind preisgünstiger als amerikanische -, teils zu ihrem Nachteil: In Seattle gehen Arbeitsplätze verloren, während in Seoul neue Jobs entstehen.

Eine weitere Veränderung betrifft die Einkommensverteilung. Um es einmal ganz unverblümt zu sagen: Der Einkommensstrom an die reichsten Familien ist in den Vereinigten Staaten und einigen anderen westlichen Ländern deutlich angeschwollen, während der Strom, der den weniger Wohlhabenden zugute kommt, zunehmend langsamer fließt. Unser langjähriger Wohlstand beruht aber zu einem nicht geringen Teil auf einer Verteilungsstruktur, die die Kaufkraft der Arbeitnehmerhaushalte und der bürgerlichen Mittelschicht stärkt. Die Aussicht auf stetig steigenden Wohlstand für die Reichen und einen sinkenden Lebensstandard für alle anderen fördert nicht unbedingt das Vertrauen in die Zukunft. Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen? Und was lässt sich dagegen unternehmen?

Eine dritte beunruhigende Tendenz zeigt sich an dem veränderten Charakter der Technologien, die wir einsetzen. Damit meinen wir nicht nur jenen "störenden" Prozess des Erfindens und Modernisierens, der dazu führt, dass alte Produkte auf neue Weise hergestellt werden oder durch veränderte Abläufe ganz neue Produkte entstehen. Dieser Prozess ist für das Funktionieren des Kapitalismus sogar unerlässlich. Das besondere Merkmal der neuen Technologien scheint uns aber darin zu bestehen, dass sie bestimmte, bisweilen auch qualifizierte Arbeitsprozesse vernichten, ohne gleichzeitig eine neue industrielle Basis zu schaffen. Sie unterscheiden sich damit ihrem Wesen nach von den großen technologischen Innovationen der Vergangenheit. Wenn Sie das nächste Mal am Geldautomaten stehen, dann schauen Sie doch einmal, ob Sie irgendwo den Geist des Bankkassierers entdecken können, dessen Dienste nun überflüssig geworden sind. Und wenn Sie bei einer der immer selteneren Gelegenheiten eine Bank betreten, dann überlegen Sie, wie es wohl kommt, dass so viel weniger Angestellte als früher den Raum bevölkern: Könnten die Computer, die auf jedem Tisch stehen, etwas damit zu tun haben? Wenn schließlich das "Fräulein vom Amt" Ihnen sagt: "Drücken Sie bitte jetzt die Taste eins", dann ahnen Sie bereits, wer dieses "Fräulein" wohl ist.

Es sind diese beunruhigenden Trends, mit denen wir uns auf den folgenden Seiten ausführlich beschäftigen wollen. Natürlich werden wir versuchen, die Begriffe und Konzepte, die Sie auf Ihrer Reise durch die Welt der Wirtschaft benötigen und ohne deren Kenntnis man über wirtschaftliche Sachverhalte kaum urteilen kann, möglichst verständlich zu erläutern. Aber dennoch möchten wir auf die hier aufgezeigten Fragestellungen ein besonderes Augenmerklegen - nicht nur, weil diese Probleme in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben, sondern auch, weil wir glauben, dass sie unsere Leser am meisten interessieren.

Dies führt uns abschließend zu zwei weiteren Punkten: Zum einen soll das vorliegende Buch den Leser keineswegs entmutigen, obwohl wir uns darin ausführlich mit neuen und zum Teil noch nicht vollständig analysierten Problemen befassen. Vielmehr glauben wir, dass die vor uns liegenden Jahre sich trotz erhöhter Risiken als eine sehr fruchtbare Zeit erweisen könnten; eine Zeit, die sowohl Erfolge mit sich bringen wird, als auch von Rückschlägen begleitet sein könnte. Wir möchten, dass unsere Leserinnen und Leser vorgewarnt und somit gewappnet sind.

Der zweite Punkt betrifft die Wertvorstellungen, die den Darstellungen und Analysen dieses Buches zugrunde liegen. Natürlich enthalten unsere Ausführungen kontroverse Standpunkte. Sie sind aber stets als solche gekennzeichnet und werden niemals als Wahrheit verkauft. Unser Ziel ist es zu lehren, nicht zu predigen.[...]

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Verlag: Campus Verlag, 2004
Hardcover