Verwandte Artikel zu 99 philosophische Rätsel

99 philosophische Rätsel - Softcover

Cohen, Martin

 
9783593366531: 99 philosophische Rätsel

Inhaltsangabe

Philosophen lieben Rätsel. Schon bei den alten Griechen war es eine Art Sport, verblüffend einfache Fragen zu stellen, um sich dann wochenlang die Köpfe heiß zu reden. Mit 99 erstaunlichen Rätseln und Paradoxa entführt Sie Martin Cohen in die Welt der Philosophie. Und am Ende des Buches verrät er, wie frühere Philosophen die Rätsel gelöst haben- und sich immer wieder die Zähne ausbissen.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Martin Cohen ist Herausgeber der Zeitschrift The Philosopher. Er unterrichtet Philosophie am College of St. Mark and St. John der Universität Plymouth.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Das Problem des Protagoras

Euathlos wurde von Protagoras zum Anwalt ausgebildet. Man traf eine großzügige Vereinbarung, nach der Euathlos nicht für sein Studium bezahlen muss, bis und sofern er seinen ersten Fall gewinnt.

Zum Ärger von Protagoras, der viel Zeit für die Ausbildung seines Schülers aufgewendet hatte, entscheidet dieser sich jedoch, Musiker zu werden und die Robe an den Nagel zu hängen. Protagoras verlangt daraufhin, dass Euathlos ihn für seine Ausbildung bezahlt. Euathlos aber weigert sich, und so geht Protagoras vor Gericht.

So wie Protagoras die Dinge sieht, muss Euathlos, wenn er den Prozess verliert, seine Schulden an ihn zurückzahlen. Aber auch wenn Euathlos gewinnt, muss er bezahlen, da er ja dann seinen ersten Prozess gewonnen hat.

Euathlos sieht die Sache etwas anders. Wenn ich verliere, so denkt er, habe ich meinen ersten Prozess verloren und muss, wie der Vertrag es vorsieht, keinen Pfennig bezahlen. Wenn ich jedoch gewinne, darf Protagoras nicht mehr auf dem Vertrag beharren, sodass ich ebenfalls nicht zahlen muss.

Nun können nicht beide Recht haben. Wer aber begeht den Denkfehler?





Erörterung

Dies ist in jeder Hinsicht ein "klassisches" Problem, wie es die alten Griechen besonders gern hatten. Es gibt hier keinen "Trick", jedenfalls hat bis jetzt noch niemand einen entdeckt.
Das Paradoxe daran ist, dass beide Argumentationsketten korrekt zu sein scheinen, aber zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen führen. Weder Euathlos noch Protagoras begehen einen Denkfehler, aber trotzdem können nicht beide Recht haben. Damit wird die Logik an sich in Frage gestellt, die doch die Basis für den Großteil unseres Denkens ist. Deshalb hielten die Griechen solche Probleme für besonders interessant.

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.