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Abschied nehmen am Totenbett: Rituale und Hilfen für die Praxis - Hardcover

Lamp, Ida; Küpper-Popp, Karolin

 
9783579031910: Abschied nehmen am Totenbett: Rituale und Hilfen für die Praxis

Inhaltsangabe

Die Situation nach dem Tod eines Menschen begreifen und würdig gestalten

- Arbeitshilfe zu Verabschiedungsfeiern (Aussegnung)
- Überkonfessionell und überinstitutionell

Wie soll mit der Situation unmittelbar nach dem Tod eines Menschen umgegangen, wie kann sie gestaltet werden?
Dieses Buch ist eine Arbeitshilfe für alle Menschen, die in privaten und öffentlichen Räumen andere Menschen bis zum Tode begleiten. Es bietet Hilfen zum Abschiednehmen, Anregungen zum symbolischen letzten Handeln am Totenbett und Anleitungen zu Verabschiedungsfeiern aus dem Sterbezimmer. Mit vielen Textbeispielen, Ritualen, Gebeten und mehr.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Ida Lamp, geb. 1961, Diplom-Theologin, Psychosoziale Beraterin, Psychoonkologin, seit 1986 freiberuflich tätig im Feld von Palliative Care (Qualifizierungsmaßnahmen, Supervision, Beratung; Schwerpunkte: Demenz und Sterben, Trauer, spirituelle Begleitung, Kommunikation); 1999-2004 Seelsorgerin im Franziskus-Hospiz Hochdahl; 2004-2007 Projektleitung und -begleitung eines Demenz-Projektes im Altenheim Reginenhaus Rhynern; bis 2013 Geschäftsführerin des Palliativen Hospiz Solingen, dann Koordinatorin eines Hospizdienstes in Mönchengladbach; seit Oktober 2015 Koordinatorin des Zentrums für ambulante Palliativversorgung und Hospozarbeit - ZAPUH GrenzLand e.v. in Brüggen; zahlreiche Veröffentlichungen zur Hospizarbeit.

Karolin Küpper-Popp, geb. 1961, Dr.phil., Diplom-Theologin, langjähriges Vorstandsmitglied des Hospiz Leverkusen e.V., Initiatorin des Leverkusener Projekts "Hospizarbeit in der Schule"; Lehrbeauftragte der Kath. Fachhochschule Köln.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

In den Veröffentlichungen zu Tod und Sterben, die in den letzten Jahren erschienen sind, findet sich kaum etwas über die Aussegnung oder über andere Rituale, die unmittelbar auf den Tod eines Menschen folgen. Diese Lücke verwundert angesichts der Tatsache, dass über die Begleitung im Sterben und über die Begleitung in der Trauer eine Fülle von fachspezifischen und populärwissenschaftlichen Abhandlungen, Ratgebern und Erfahrungsberichten vorliegt.
Zwei Tendenzen sind erkennbar: Eine ist, dass man das, was unmittelbar nach dem Tod eines Menschen zu tun ist, vorwiegend und ohne Zögern dem oder der Beauftragten einer Kirche überlässt. Diese sieht dafür traditionell festgelegte und eingeübte Rituale vor. Nehmen die meisten Menschen, ob einer Kirche zugehörig oder nicht, diesen "Service" gern an, auch wenn die benutzten Texte eine ihnen ungewohnte Sprache sprechen und die gebrauchten Bilder ihnen fremd geworden sind? Oder sind die kirchlich gehüteten Bilder, Sprache, Abschiedsformen gar nicht so fremd, sondern treffen genau Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen (auch wenn sie sonst nicht mehr kirchlich verortet sind)? Wenn dem so ist, scheint das doch ein Phänomen zu sein, das der Individualisierung unserer Gesellschaft und der De-Institutionalisierung, die damit einhergeht, völlig zuwiderläuft. Ist unsere Zeit tatsächlich, wie in der Religionssoziologie diskutiert wird, auch im 21. Jahrhundert in problematischen Situationen "religionsproduktiv" oder zumindest "religionskonservativ"? Profitiert man im Sinne modernen Dienstleistungsdenkens in der Hauptsache von der Erfahrung, mit der kirchliche Seelsorgerinnen und Seelsorger - an das Bett eines Sterbenden oder kurz zuvor Verstorbenen gerufen - über das liturgische Angebot hinaus frei und situationsangepasst (Gebete) formulieren können? Das scheint da der Fall zu sein, wo man sich heilsame "Spontanrituale" wünscht, die auf die individuelle Situation der Anwesenden abgestimmt sind und sehr sensibel auf ihre aktuelle
Befindlichkeit eingehen können, für die eben (fast) ausschließlich die traditionellen Ritenträger in Frage kommen.
Die andere Tendenz geht dahin, allein den Bestatter für die Toten zuständig zu erklären. Nicht wenige wünschen sich, der Bestatter möge dafür sorgen, dass die Entsorgung "lebloser Überreste" möglichst kurz und schmerzlos vonstatten gehe. Gleichzeitig sind es immer mehr Bestattungsunternehmen, die ihrerseits Verabschiedungs- und Trauerfeiern anbieten. Das weist eindeutig darauf hin, dass der Moment des Übergangs vom Leben zum Tod von vielen als etwas aus dem übrigen Fluss der Zeit Herausfallendes oder Herausgehobenes erlebt wird. Es ist ein (auch im säkularen Kontext) "heiliger Moment". Zunehmend wird Betroffenen wie Verantwortlichen klar, dass dieser Moment Gestaltung braucht - weil es ein subjektives Bedürfnis danach gibt, aber auch, weil die unzureichende Beachtung oder gar das Ignorieren der Besonderheit dieses Moments psychische und physische gesundheitliche Folgen für die Trauernden haben kann.
Nur selten sprechen Menschen darüber, wie sie - als Betroffene oder als Begleitende - diesen Moment des Übergangs erleben. Hängt dieser Mangel an Erfahrungsaustausch möglicherweise mit einer Art Scheu zusammen, die die "Schwebe des Lebendigen" nicht zerreden möchte, nicht in der Situation am Totenbett selbst, auch nicht im Reden über das Erlebte oder im Festschreiben von rituellen Abläufen?
Vielleicht ist hier weniger Pietät als vielmehr Verdrängung virulent: Das entspräche - leider - dem immer wieder von Hinterbliebenen beklagten Vorgehen vor allem in Krankenhäusern, dass nämlich der Moment des Übergangs (im Sinne des Sterbens selbst schon, aber hier fokussiert - aus der Perspektive der Angehörigen - auf den Umgang mit dem nun Toten) nicht begangen, sondern übergangen wird in der Geschäftigkeit eines Personals, das hauptsächlich vom organisatorischen Gesichtspunkt her aktiv wird und nur aktiv sein kann und darf. Zunehmend wächst in den Einrichtungen das Empfinden dafür, dass es hier an Gestaltung fehlt. Die Gestaltung des Abschieds gehört je nach Verständnis der Verantwortlichen in den Einrichtungen nicht mehr zur Sterbebegleitung - der begleitete Mensch ist ja bereits tot - , aber auch noch nicht zur Trauerbegleitung - die Angehörigen haben den Tod des Verstorbenen und seine Bedeutung für ihr Leben noch längst nicht in seiner ganzen Tragweite wahrgenommen. Gibt es also - auch kritisch angefragt - deshalb so wenig Literatur, weil es für Medizin schon zu spät und für Therapie noch zu früh ist und die anwesenden Berufsgruppen sich überfordert fühlen oder nicht in ihrer Zuständigkeit angesprochen sehen? Welche Gründe - wenn nicht ethische oder religiöse - hat eine medizinisch-pflegerische Einrichtung, ihr Personal in der Gestaltung dieses Moments zu sensibilisieren und zu schulen?
Gibt es tatsächlich wenig Abschiedskultur für diesen relativ kurzen Zeitraum oder mangelt es lediglich an einer Dokumentation von Ritualen und an der Sammlung von benutzten oder brauchbaren Texten? Mit dem vorliegenden Buch wollen wir die bestehende Lücke ein wenig schließen. Wir möchten über Rituale aus verschiedenen Traditionen und Erfahrungsbereichen informieren und damit zur Gestaltung des Moments unmittelbar nach dem Eintritt des Todes einladen. Wir sind davon überzeugt, dass diese Zeit - von Ruthmarijke Smeding so treffend Schleusenzeit(r) genannt (diese Bezeichnung wurde von ihr gesetzlich geschützt und ist nur mit dem Hinweis auf diesen Ursprung zu verwenden) - eine markante Wegmarkierung auf dem nun beginnenden Trauerweg darstellt. Wir hoffen also, dass verschiedene Zielgruppen von dieser Sammlung profitieren:
Die Hospizbewegung ist in Deutschland im Aufwind. Immer mehr ehrenamtlich Tätige engagieren sich in der Begleitung Sterbender und deren Angehöriger. Haupt- und ehrenamtliche SterbebegleiterInnen suchen Unterstützung für das Abschließen ihrer jeweiligen Sterbebegleitung.

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