Das spannende Fußball-Abenteuer um die Jugendnationalmannschaft
Eine Zerreißprobe für die Freundschaft! Locke und Matz müssen bei der Jugend-EM 2008 gegeneinander antreten! Locke für Deutschland, Matz für die Türkei! Ganz relaxt gehen die zwei damit um, bis kurz vor der EM: Ein gemeinsames Liga-Spiel eskaliert, Matz wird beschimpft, und Locke unternimmt NICHTS! Zoff mit Matz, Krach mit Freundin Eva – Locke hat ein dickes Eigentor geschossen …
• Uli Potofski ist einer der renommiertesten Fußballreporter Deutschlands
• Ein Plädoyer gegen Gewalt und Rassismus auf dem Fußballplatz
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Der Autor, Produzent und Sprecher Ulli Potofski begann seine Medienlaufbahn 1974 als Radio Diskjockey bei RTL. Er hat unzählige Sportsendungen moderiert und alle Fußballgrößen vor dem Mikrofon gehabt. Für sein Engagement wurde er mit einem Bambi ausgezeichnet. Mit seinem ersten Kinderbuch "Locke bleibt am Ball" hat er große Erfolge gefeiert.
"Dass Reporter bisweilen erstklassig schreiben können, [beweist] Ulli Potofskis Locke greift an." Buchkultur
Geschockt - genau, das war das richtige Wort - saßen die allerbesten Freunde Locke und Matz in ihrem Sportcafe und stierten förmlich auf eines der Fernsehgeräte.
In der ultramodernen "location" glitzerte es nur so vor Chrom und riesige Flachbildschirme ringsum bestimmten das Bild. Auf den Geräten waren unterschiedliche Sender eingeschaltet, sodass die diversen Sportprogramme zeitgleich verfolgt werden konnten. Hier kam her, wer sich für Sport und insbesondere für das Fußballgeschehen interessierte - meist junge Leute. Der Lautstärkepegel war enorm hoch, denn zu den Stimmen der Kommentatoren dröhnte in irgendeiner Ecke auch immer noch Musik aus einer Box. Vater Schubert, der einmal mit in diesem Sportcafe gewesen war, hatte es nur eine Stunde hier ausgehalten. Dann war er geradezu geflohen. Besonders laut war es immer am Wochenende, wenn die unterschiedlich "gepolten" Fans von Bundesligavereinen hier die Konferenz der Spiele im Fernsehen verfolgten.
Matz und Locke lauschten der Stimme des Eurosport-Moderators, der nochmals zusammenfasste: "Damit treffen beim Eröffnungsspiel der Schüler-Europameisterschaft in Berlin am 4. Mai 2008 aufeinander: Deutschland und die Türkei."
Die beiden Jungen verharrten in einer geheimnisvollen Starre, als ob ein Alien sie in mittelalterliche Statuen verwandelt hätte. Es dauerte geschlagene fünf Minuten, bevor sie langsam die Sprache wiederfanden. Ein absoluter Rekord für beide, die sonst nur schwer aus der Fassung zu bringen waren. Nun aber brach es aus Patrick Schubert, genannt Locke, hervor.
"Matz, ist dir das klar geworden? Deutschland gegen die Türkei - das heißt auch Matz gegen Locke." Er war fassungslos. "Wir müssen gegeneinander antreten."
Matz hatte sich schon wieder besser in der Gewalt und entgegnete trocken: "Und damit startet Deutschland gleich mit einer Niederlage in das Turnier."
Locke verzog das Gesicht. "Da ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen." Er grinste. "Tatsache ist, dass du ab sofort mein größter Feind bist."
Matz schaute einen Augenblick entsetzt, lachte dann aber sofort und entgegnete locker: "Na, dann bist du wenigstens mein Lieblingsfeind, und bis zur Europameisterschaft müssen wir ja auch noch das eine oder andere Spiel zusammen im Verein gewinnen."
Genauso war es. Die beiden Jungs hatten gemeinsam den Weg in die U15-Mannschaft von Schalke 04 gefunden und ebenso waren beide in die U15-Nationalmannschaften ihrer Länder berufen worden.
Bis vor wenigen Monaten hatten Locke und Matz bei einem kleineren Verein in Gelsenkirchen gespielt, bei Blau-Weiß, aber dann war die ganze Stadt auf die beiden Jungen aufmerksam geworden, als sie bei einem Freundschaftsspiel in Newcastle ein fast verlorenes Match, bei dem sie mit 0:3 zur Pause zurückgelegen hatten, noch mit 4:3 für BlauWeiß entscheiden konnten. Fast sensationell zu nennen war es, dass Patrick drei Tore erzielte und Matz allein auf Patricks Vorarbeit hin den Siegtreffer landen konnte. Unvergesslich auch, als Locke am Ende der Begegnung barfuß auf dem Spielfeld stand, weil seine Fußballschuhe sich in Nichts aufgelöst hatten. Manch einer hatte damals vermutet, dass irgendein Geheimnis um diese Fußballschuhe war, dass sie so etwas wie magische Fähigkeiten besaßen und seinen Träger Locke geradezu zum Sieg katapultiert hatten. Der Trainer der deutschen Schülernationalmannschaft glaubte damals aber mehr an die Leistung von Locke als an Magie und berief ihn in das U15-Nationalteam.
Matz, als Sohn türkischer Eltern, hatte fast zeitgleich den Weg in die Landes-Elf der besten Schüler der Türkei gefunden, und so war es dann auch nur ein logischer Schritt, dass die Jugendabteilung des großen FC Schalke 04 die Jungen von ihrem Heimatverein Blau-Weiß Gelsenkirchen abgeworben hatte. Bei Schalke spielten sie nun seit einigen Monaten fast unter professionellen Bedingungen.
Unzertrennlich waren die beiden Freunde. Na ja, fast, denn Locke verbrachte auch viel Zeit mit Eva, dem Mädchen, mit dem er seit zwei Jahren "ging". Eva allerdings war wie Matz und Locke auch Mitglied in der gemeinsamen Band "NEW KICKING DEVILS" und so waren die drei automatisch viel miteinander zusammen. Eva war die Sängerin der Gruppe geworden und hatte für die Band sogar auf eine Solokarriere bei "Deutschland sucht den Superstar" verzichtet. Relativ regelmäßig traten die "DEVILS" - wie Fans die Truppe nannten - in Jugendheimen und Clubs auf.
Tja, Fußball, Musik, Freundschaft und Verliebtsein. Kein Problem für Patrick Schubert - wegen seiner blonden Haarpracht Locke genannt -, all diese Dinge auf die Reihe zu kriegen; doch damit nicht genug, da waren auch noch die Schule, ein Hund namens Poldi und die lieben Eltern ...
Vater Schubert hatte sich die Auslosung für die Schüler-Europameisterschaft natürlich auch angeschaut und begrüßte seinen Sohn Locke daheim mit den Worten: "Das packt ihr aber mit den Türken im Eröffnungsspiel - oder?"
Locke war nie sonderlich begeistert, wenn er nach Hause kam und gleich überfallmäßig nach allem und jedem ausgefragt wurde. Im Stillen nannte er es Verhör, was sein Vater da gern praktizierte, was natürlich etwas hart ausgedrückt war, aber es nervte ihn einfach. Seine Mutter war da einfühlsamer, so auch heute. "Jetzt lass doch erst mal den Jungen in Ruhe", bemerkte sie aus der Küche, "und lass uns etwas essen und dann besprechen wir eure Europameisterschaft in aller Ruhe."
Vater Schubert machte eine unwirsche Bewegung. "Eine Europameisterschaft kann man nicht so nebenbei bei Gürckchen und Salami besprechen" knurrte er, "das erfordert strategisches Denken, Übersicht und ein Fußballwissen, wie es vielleicht Marcel Reif, der berühmte Reporter, hat oder unser Bundestrainer. Schluss. Aus. Basta."
Beim Wort "Basta" meldete sich Schuberts Hund Poldi aus der Ecke des Wohnzimmers mit einem fragenden Fiepen. "Schluss. Aus. Basta.", sagte nämlich auch Locke zu seinem Hund, wenn er die gemeinsamen Laufrunden mit ihm beendete. Poldi war, wie es schien, etwas überrascht, dass jetzt eine Laufeinheit hier im Wohnzimmer zum Ende kommen sollte. Locke musste jetzt doch lachen.
"Genau Poldi, du hast es erfasst", meinte er, dem Hund zugewandt, "hier wird schon manchmal viel Unsinn verzapft."
Mutter Schubert hatte - wie so oft - das letzte Wort: "Mein lieber Sohn, wer hier Unsinn verzapft oder nicht, das beurteile ich wohl immer noch am besten", sagte sie resolut. "Und jetzt ab an den Tisch, das Essen kommt gleich, und dann sage ich euch mal, wer Europameister wird und wer nicht."
Lockes Mutter war mit den Jahren zu einer echten Fußballanhängerin geworden.
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