Am Bahnhof, mitten in der Nacht, verabschiedet sich der 15-jährige Jude Jakob Stern hastig von seinen Eltern. Der Zug fährt an und plötzlich ist Jakob auf sich allein gestellt. Zum ersten Mal in seinem Leben, so wie auch Viktor, Lukas und Erika, die wie Jakob mit dem Kindertransport nach England unterwegs sind, um dem Regime der Nationalsozialisten zu entfliehen. Doch die Reise der "Arandora Star" steht unter keinem guten Stern. Auf hoher See, mitten im Nirgendwo, werden sie angegriffen. Ein Torpedo durchschlägt den Maschinenraum und versenkt das Schiff. In letzter Sekunde können sich Jakob und seine Freunde auf herumschwimmende Trümmer retten. Eine abenteuerliche und gefährliche Odyssee beginnt, die Jakob um die halbe Erdkugel bis nach Australien führt ... "Das neue Werk von Rainer M. Schröder brilliert mit sehr starker atmosphärischer Dichte ." Landshuter Zeitung
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Rainer M. Schröder, 1951 in Rostock geboren, ist einer der profiliertesten deutschsprachigen Jugendbuchautoren. Mit seinen bis ins kleinste Detail exakt recherchierten und spannend erzählten historischen Jugendromanen begeistert er seit mehr als zehn Jahren seine Leserschaft. Nachdem er viele Jahre ein wahres Nomadenleben mit zahlreichen Abenteuerreisen in alle Erdteile führte, lebt er heute mit seiner Frau in einem kleinen Ort an der Atlantikküste Floridas.
»Das neue Werk von Rainer M. Schröder brilliert mit sehr starker atmosphärischer Dichte ...«
Landshuter Zeitung
Die Angst hatte schon lange vorher seine Seele befallen und sein Leben überschattet. Aber an jenem nasskalten Tag im März brach sie offen auf wie ein Geschwür. Von dem Zeitpunkt an war die Angst allgegenwärtig. Wie eine schwarze Wolke hing sie über ihm, bei Tag und bei Nacht. Egal wohin er ging, wo er sich befand, was er tat.
An diesem Nachmittag Anfang März befand sich Jakob Stern mit seinem Vater auf dem Weg zum Fahrradhändler Siegel & Söhne nahe der Innenstadt. Der Vater hatte sein Tabak- und Schreibwarengeschäft in der Obhut der Mutter gelassen, um mit ihm bei Siegel & Söhne das Tourenrad auszusuchen, das er sich schon so lange wünschte und nun in wenigen Wochen, zu seinem Geburtstag, von den Eltern geschenkt bekommen sollte.
Erfüllt von freudiger Aufregung, bog er mit dem Vater um die Straßenecke und ging die belebte Hauptstraße hoch, auf der das große Fahrradgeschäft lag, als plötzlich vor ihnen lautes Gejohle, höhnische Rufe und das Geräusch schwerer Stiefel den nachmittäglichen Großstadtlärm auf der Straße übertönten. Die Leute vor ihnen blieben stehen und richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Ursache dieses lärmenden Spektakels.
»Schau mal, Otto! Da wird ein Jude durch die Straßen getrieben!«, sagte ein stämmiger Mann in ihrer Nähe zu seinem halbwüchsigen Sohn, der die uniformierte Kluft der Hitler-Pimpfe trug.
Augenblicklich spürte Jakob die feste Hand seines Vaters auf seinem Arm und wurde von ihm von der Mitte des Bürgersteiges weg in den nächsten Hauseingang gezogen. Verwirrt blickte er zu ihm auf und sah, wie der Vater die andere Hand vor den Mund schlug, ohne jedoch verhindern zu können, dass ihm ein erstickter Laut des Erschreckens entfuhr.
»Was ist?«, fragte Jakob beunruhigt. Eine Litfaßsäule verwehrte ihm den Blick auf das Geschehen vor ihm auf der Straße.
»Das... das ist Simon!«, flüsterte der Vater gequält, das Gesicht bleich wie ein Leichentuch.
»Onkel Simon? ... Wo?« Jakob reckte den Kopf, und dann sah auch er den Mann, der vor einer Horde uniformierter Nazis mitten auf der Straße zwischen den Schienen der Tram taumelte.
Im ersten Moment glaubte er, sein Vater müsse sich getäuscht haben. Denn dieser Mann dort, den die johlenden Braunhemden mit Stiefeltritten und Stockschlägen vor sich hertrieben, konnte unmöglich sein Onkel, der angesehene Rechtsanwalt Simon Rosenberg sein! Er kannte den Bruder seiner Mutter nur als eine Respekt gebietende Person und stets untadelig gekleidet. Nicht einmal im Sommer ging Onkel Simon ohne Hut, steifen weißen Kragen und perfekt gebundene Krawatte aus dem Haus. Die größte Form von Bequemlichkeit, die er sich an heißen Tagen und dann auch nur in privater Gesellschaft leistete, bestand darin, dass er das Jackett ablegte und mit korrekt zugeknöpfter Weste in einem Ausflugslokal saß.
Und doch, dieser Mann mit dem blutbeschmierten Gesicht und den aufgeplatzten Lippen, dem man die Hosen über den Knien abgeschnitten hatte, sodass die langen weißen Unterhosen hervorschauten, und der mit nackten Füßen über das Pflaster wankte, war kein anderer als Onkel Simon!
Er war ohne Jackett, die Weste klaffte weit auf und wies an der rechten Schulter einen langen Riss auf, die Krawatte fehlte und Blutspritzer hatten den aufgesprungenen Hemdkragen beschmutzt. Von der goldgerahmten Brille, die ihm lächerlich schief und verbogen auf der Nase saß, fehlte das linke Glas, während ein Spinnengewebe aus unzähligen Rissen das andere durchzog und es so gut wie blind machte.
Man hatte ihm ein großes Pappschild vor die Brust gehängt, auf dem in Onkel Simons eigener Handschrift geschrieben stand: »Ich bin ein dreckiger Jude und will mich nie wieder über Nazis beschweren!« Und damit torkelte er wie ein Betrunkener über die Hauptstraße, das Gesicht verquollen und von Schlägen gezeichnet, den Blick starr zu Boden gerichtet, von Stiefeltritten und Stockschlägen traktiert, angespuckt von vorbeifahrenden Jugendlichen auf Fahrrädern und verhöhnt vom braunen Mob um ihn herum und so manch einem Schaulustigen am Straßenrand.
»Komm weg!«, flüsterte der Vater erstickt.
»Aber Vati, wir können doch Onkel Simon nicht...!«, stieß Jakob fassungslos hervor.
»Sei still und komm mit! Wir können ihm nicht helfen!« Der Vater packte ihn mit schmerzhaftem Griff am Arm und zog ihn mit sich.
Vergessen war das Tourenrad, das sie bei den Siegels hatten aussuchen wollen. Sie gingen jedoch nicht auf dem kürzesten Weg nach Hause zurück, weil der an ihrer Synagoge* vorbeigeführt hätte. Der Vater sagte zwar kein einziges Wort und Jakob wagte nicht zu fragen. Aber er wusste auch so, was der Grund für ihren Umweg war.
Die Angst schnürte ihnen beiden die Kehle zu.
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Hardcover. Zustand: Fine. Leichte Gebrauchsspuren. Deutschland, 1939: Als der 15-jährige Jakob Stern sich am Bahnhof von seinen Eltern verabschiedet, hofft er, dass sie bald nachkommen werden. Doch Jakob wird seine Familie nie mehr wiedersehen. Er flieht mit einem Kindertransport nach England. Monatelang leben Jakob und seine Freunde in Flüchtlingslagern. Als die Ausreise nach Amerika bevorsteht, keimt neue Hoffnung unter den Kindern auf. Jakob steht auf der Liste. Eine lange Odyssee beginnt. Artikel-Nr. 969c941f-fa9c-4a8d-94e1-d12ee9c056bf
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gebundene Ausgabe, Zustand: gut. * Ausgabe: 1. Auflage * Umfang/Format: 348 Seiten ; 22 cm * Einbandart und Originalverkaufspreis: fester Pappeinband : EUR 16.90 3-570-12645-5 fester Pappeinband : EUR 16.90 * Sachgebiet: Kinder- und Jugendliteratur Die lange Reise des Jakob Stern: eine bewegende Geschichte, aktuell wie nie! Als der 15-jährige Jakob Stern, Kind jüdischer Eltern, sich 1939 von seinen Eltern verabschiedet, weiß er noch nicht, dass er seine Familie nie wiedersehen wird. Auf sich allein gestellt, flieht Jakob zunächst mit einem Flüchtlingszug nach England, wo er Viktor, Lukas und Erika kennenlernt. Das Schicksal schweißt sie zusammen, doch trennt sie auch wieder. Jakobs Name steht auf der Liste für die Ausreise nach Amerika. Eine lange Odyssee beginnt. * Akribisch recherchiert vom profiliertesten Autor historischer Jugendromane, Rainer M. Schröder. * Hat auch lange nach der Reichspogromnacht nicht an Brisanz und Aktualität verloren. * Spannend geschrieben für geschichtlich interessierte Jugendliche ab 12 Jahren. gutes Exemplar, ordentlich * Verlag: München : Bertelsmann * Bindung: gebundene Ausgabe, Artikel-Nr. B00073191
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Pp. Zustand: Gut. 1. Aufl. 348 S. ; 22 cm gebraucht, guter bis sehr guter Zustand 8 f ISBN: 9783570126455 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 571. Artikel-Nr. 1884863
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