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Der Musterknabe: Roman (Hardcover Fiction) - Hardcover

Redmond, Patrick

 
9783570007075: Der Musterknabe: Roman (Hardcover Fiction)

Inhaltsangabe

Ronnie ist ein wunderbarer Junge. Dem warmen Glanz seiner Augen kann sich niemand entziehen. Er ist das ganze Glück seiner Mutter, die ihn alleine aufzieht, seit sie nach dem Krieg vergeblich auf die Rückkehr ihrer großen Liebe wartete. Doch ihre fürsorgliche Unterwerfung und die Demütigungen der Verwandten wecken Aggressionen in dem Kind. Schon früh lernt Ronnie, eine Maske zu tragen und Gefühle wie Hass und Wut dahinter zu verbergen. Sein berühmtes Ronnie-Sunshine-Lächeln gefriert, als er zufällig herausfindet, dass sein leiblicher Vater schon vor Ronnies Zeugung glücklicher Familienvater war. Ronnie rächt sich und trägt sein schreckliches Geheimnis fortan mit sich herum. Bis er als Sechzehnjähriger der hübschen Susie begegnet und sich unsterblich verliebt. Auch sie ist traumatisiertes Opfer ihrer Kindheit. Die beiden glauben, ineinander den lang ersehnten Seelenverwandten gefunden zu haben. Aus Rache, Angst und als Liebesbeweis begehen sie ein Verbrechen an Susies Stiefvater. Ronnie ist endlich sicher, dass Susie so ist wie er und wagt es, ihr sein Geheimnis anzuvertrauen. Doch wie beim Öffnen der Büchse der Pandora hat dies schreckliche Folgen, die nicht wieder gutzumachen sind. Wie schon in seinem Aufsehen erregenden Debüt "Das Wunschspiel" erzählt Patrick Redmond in seinem neuen Psychothriller von der zerstörerischen Kraft eines Jungen, der das Böse in die Welt trägt - und zum Spiegel ihrer Schrecken wird. "Ein Page-Turner mit Gänsehaut-Effekt" Daily Mail "Redmond umgeht gekonnt alle Stereotypen und beschreibt die psychischen Abgründe seiner Figuren mit einem hohen Maß an Mitgefühl." Financial Times "Man riskiert nicht viel mit der Prognose, dass 'Der Musterknabe' zu den besten Thrillern des Jahres gehören wird." Oberbadisches Volksblatt

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Patrick Redmond, geboren 1966, schrieb schon während seiner Schulzeit Geschichten. Auf Drängen seines Vaters absolvierte er aber ein Jurastudium und arbeitete danach in verschiedenen Anwaltskanzleien in London. In seiner Freizeit verfasste er seinen ersten Roman "Das Wunschspiel", mit dem er international für Furore sorgte und die Bestsellerlisten stürmte. Mittlerweile folgten diesem sensationellen Debüt zwei weitere Romane, "Der Schützling" und "Der Musterknabe"; das vierte Buch des Autors ist bereits in Vorbereitung.

Aus dem Klappentext

»Ein Page-Turner mit Gänsehaut-Effekt«
Daily Mail

»Redmond umgeht gekonnt alle Stereotypen und beschreibt die psychischen Abgründe seiner Figuren mit einem hohen Maß an Mitgefühl.«
Financial Times

"Man riskiert nicht viel mit der Prognose, dass 'Der Musterknabe' zu den besten Thrillern des Jahres gehören wird."
Oberbadisches Volksblatt

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

PROLOG
Hepton, Greater London, 1945

Ein Spätnachmittag im Juni. In der stickigen, grau gestrichenen Praxis bereitete sich der Arzt mit einem Räuspern auf ein Gespräch vor, das er mittlerweile auswendig konnte.
»Es besteht kein Zweifel. Sie sind schwanger. Im fünften Monat, würde ich sagen.«
Das Mädchen gab keine Antwort. Bestimmt hatte sie schon damit gerechnet.
»Also kein Hungern mehr. Sie müssen darauf achten, dass Sie bei Kräften bleiben. Schließlich essen Sie jetzt für zwei.«
Noch immer keine Antwort. Er lehnte sich zurück und betrachtete sie. Sie war ein hübsches Ding: rotblondes Haar, feine Gesichtszüge, blassblaue Augen. Kein Ehering. Nervös rieb sie sich über die Unterlippe. Mit ihrer weißen Bluse und dem knielangen Rock wirkte sie wie ein Kind. Was sie im Grunde ja auch noch war. Aus ihrer Krankenakte wusste er, dass sie Anna Sidney hieß und in drei Monaten siebzehn Jahre alt wurde. Das war aber nicht das Einzige, was er in dieser Akte über sie gelesen hatte.
»Handelt es sich bei dem Vater um einen Soldaten?«
Sie nickte.
»Ist er noch hier?«
»Nein.«
»Wissen Sie, wo er sich aufhält?«
Sie antwortete nicht sofort, rieb sich erneut über die Lippe. »Nein.«
Er schüttelte den Kopf. Das alles war für ihn nicht neu: Naives, nach Liebe hungerndes Mädchen trifft geilen, Süßholz raspelnden Soldaten und lässt sich von ihm ihre Jungfräulichkeit und noch so einiges mehr rauben. Jemand hatte mal zu ihm gesagt, eine Frau lerne den Mann zu begehren, den sie liebe, während ein Mann lerne, die Frau zu lieben, die er begehre. Leider taten sich manche Männer mit dem Lernen ziemlich schwer.
Aber so war das Leben nun mal. Er war alt und müde und konnte nichts daran ändern.
Er griff nach dem Füller. »Sie brauchen mehr Vitamine. Ich werde Ihnen etwas verschreiben.« Sein Ton klang schroff und geschäftsmäßig. »Und Sie müssen «
»Er wird zurückkommen«, unterbrach sie ihn mit leiser, heiserer Stimme. »Ich weiß, dass er zurückkommen wird.«
»Nein, das wird er nicht. Sie kommen nie zurück. Nicht im wirklichen Leben. Nur im Film.« Er schrieb weiter, ohne den Kopf zu heben. Ihm war daran gelegen, möglichst schnell nach Hause zu kommen. Er sehnte sich schon nach seinem Abendessen und seinem Bett. Draußen auf der Straße sang ein Mann lauthals vor sich hin. Der Krieg war erst seit einem Monat zu Ende, die Menschen noch von einem Gefühl der Euphorie durchdrungen. Nach sechs langen Jahren endlich Frieden.
Die Feder seines Füllers kratzte über das Papier. Ein Tropfen Tinte landete auf dem Schreibtisch. Als er sich nach einem Blatt Löschpapier umblickte, bemerkte er, dass sie weinte. Er musste daran denken, was er in ihrer Akte gelesen hatte.
Und plötzlich schämte er sich.
Er legte seinen Stift weg. Sie wischte sich gerade mit den Fingern über die Augen. In seiner Schreibtischschublade lag ein sauberes Taschentuch. »Hier«, sagte er in sanftem Ton. »Nehmen Sie das.«
»Danke. Es tut mir Leid.«
»Es braucht Ihnen nicht Leid zu tun. Verzeihen Sie, wenn meine Worte ein wenig hart klangen. Das war nicht meine Absicht. Eigentlich sollte auch im wirklichen Leben alles so sein wie im Film, aber leider ist das meist nicht der Fall.«
»Er hat zu mir gesagt, dass er mich liebt. Dass er mich nachkommen lassen wird. Dass wir heiraten werden.«
Natürlich. Das sagten sie alle. Aber vielleicht hatte er es ja ernst gemeint.
»Gehen Sie gerne ins Kino, Anna?«
»Ja.«
»Wer ist Ihr Idol? Clark Gable? Errol Flynn?«
»Ronald Colman.«
»Meine Frau und ich mögen seine Filme auch sehr gern. Er spielt immer so edle Charaktere. Gütige, ehrenwerte Männer. Von denen gibt es leider zu wenige auf der Welt.«
»Er sieht aus wie mein Vater.«
Wieder musste er an ihre Akte denken. Den harten Weg, den sie hinter sich hatte, und den noch härteren, der vor ihr lag. Es gab nicht viel Tröstliches, was er ihr sagen konnte, aber er hatte trotzdem das Bedürfnis, es zumindest zu versuchen.
»Anna, die Leute werden Ihnen weismachen wollen, dass Sie Grund haben, sich zu schämen. Hören Sie nicht auf sie. In Ihrem Körper wächst neues Leben heran, und das ist etwas Wunderbares. Meine Frau und ich haben uns nichts sehnlicher gewünscht als ein eigenes Kind, aber dieses Glück war uns leider nie vergönnt. Genau das ist es nämlich, Anna: ein Glück. Das dürfen Sie nie vergessen, egal, was die Leute sagen.«
Sie blickte hoch. Ihre Tränen versiegten langsam. »Ich werde es nicht vergessen«, antwortete sie, und plötzlich war ihre Stimme voller Würde, »weil er es nämlich ernst gemeint hat. Er liebt mich, und nun, da der Krieg vorbei ist, werden wir zusammen sein.«
»Ich hoffe es.«
»Ich weiß es.«

Nach dem Abendessen sagte Anna es Stan und Vera.
Sie saßen zu dritt am Küchentisch des Hauses in der Baxter Road. Durch das geöffnete Fenster sah man auf das winzige Stück Grün hinaus, das Vera beharrlich ihren Garten nannte. Die hereinströmende Luft trug einen Hauch von all den Mahlzeiten mit sich, die in der Nachbarschaft gerade gekocht oder gegessen wurden, und konnte den Geruch nach altem Pommesfett, der wie ein Nebel im Haus hing, nicht ganz vertreiben.
»Ich hab s ja gewusst!«, verkündete Vera. »Ich hab schon zu Stan gesagt, dass irgendwas im Busch ist.«
Stan nickte. Er war ein Cousin von Annas Vater, ein großer, dürrer, leicht asthmatischer Mann mit schlaffem Kinn und dem Ansatz einer Stirnglatze. Er arbeitete zwei Straßen weiter in einer Dosenfabrik.
»Es tut mir Leid, Stan«, flüsterte Anna.
Er seufzte. »Tja, ich schätze, so was kann passieren.« Sein Gesichtsausdruck wirkte mitfühlend. Obwohl er ein schwacher Mann war, bemühte er sich, ein guter zu sein.
Aber auf seine Reaktion kam es nicht an.
»In meinem Haus nicht!« Veras verkniffener Mund verhieß nichts Gutes. Sie war wie ihr Mann hoch gewachsen, aber doppelt so breit wie er. »Wie konntest du uns das nur antun, nach allem, was wir für dich getan haben?«
Anna starrte auf die Tischdecke. Aus dem Wohnzimmer, wo der vierjährige Thomas und der zweijährige Peter gerade ein Rennen mit ihren Spielzeugautos veranstalteten, drang aufgeregtes Kreischen herüber.
»Du bist mit leeren Händen gekommen. Wir haben dich aufgenommen, dir ein Zuhause und eine Familie gegeben, und jetzt dankst du es uns, indem du dich benimmst wie eine Hure.«
»So war es nicht.«
»Wie ist es dann passiert? War es eine unbefleckte Empfängnis?«
»Wir lieben uns.« Sie spürte, wie die Emotionen in ihr hochstiegen, kämpfte aber dagegen an, weil sie keine Schwäche zeigen wollte. Nicht jetzt.
»Wo ist denn dann dein edler Ritter?«
»Ich weiß es nicht.«
Verächtliches Schnauben. »Du weißt überhaupt nichts über ihn!«
Aber das stimmte nicht. Sie wusste, dass er Edward hieß, fünfundzwanzig Jahre alt und knapp über eins achtzig groß war. Dass er nach klassischen Maßstäben nicht übermäßig gut aussah, aber schöne graugrüne Augen hatte und mit seinem Lächeln eine Million Schmetterlinge in ihrem Bauch freisetzen konnte. Dass er am Hals ein kleines Muttermal besaß, das er seine kleine Englandkarte nannte. Dass er ganz leicht lispelte. Dass er klug, witzig und gütig war und dass sie einander liebten.
»Du Närrin! Jedes Kleinkind hat mehr Verstand als du!«
»Geh nicht zu hart mit ihr ins Gericht«, mischte sich Stan plötzlich ein. »Sie hat es nicht leicht gehabt.«
»Wir haben es alle nicht leicht gehabt, Stan Finnegan, aber deswegen spreizen wir nicht gleich die Beine, wenn uns irgendein Soldat anlächelt. Wir haben für dieses Mädchen alles getan, und das ist nun der Dank. Wir haben ihr ein Zuhause gegeben «
Und so ging es endlos weiter. Voller Wut und Verachtung erinnerte Vera sie immer wieder daran, was sie ihnen alles zu verdanken hatte. Anna saß schweigend da und fühlte sich genauso leer und verängstigt wie damals vor drei Jahren, als sie bei einer Freundin übernachtet hatte und bei ihrer Rückkehr feststellen musste, dass eine deutsche Bombe ihr Zuhause zerstört und das Leben ihrer Eltern und ihres...

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9783442463176: Der Musterknabe: Roman

Vorgestellte Ausgabe

ISBN 10:  3442463173 ISBN 13:  9783442463176
Verlag: Goldmann Verlag, 2006
Softcover