Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?: Chronik eines unbegrenzten Krieges | Der Journalist wendet sich dem Krieg zu, den die USA gegen den islamistischen Terrorismus führen (0) - Softcover

Scholl-Latour, Peter

 
9783548366791: Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?: Chronik eines unbegrenzten Krieges | Der Journalist wendet sich dem Krieg zu, den die USA gegen den islamistischen Terrorismus führen (0)

Inhaltsangabe

Peter Scholl-Latour wendet sich dem Krieg zu, den die USA gegen den islamistischen Terrorismus führen. Im Blickpunkt steht der zentralasiatische Raum, den er seit Jahrzehnten sehr genau kennt. Er analysiert die bedrohlichen Szenarien, die auf diesem »Schlachtfeld der Zukunft« erkennbar werden, und setzt sich kritisch mit dem erdrückenden Übergewicht der USA auseinander, das sie zu gefährlichen Fehleinschätzungen zu verleiten droht. 

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Über die Autorin bzw. den Autor

Peter Scholl-Latour, geboren 1924 in Bochum. Promotion an der Sorbonne in Paris in den Sciences Politiques, Diplom an der Libanesischen Universität in Beirut in Arabistik und Islamkunde. Er war in vielfältigen Funktionen als Journalist und Publizist tätig, unter anderem als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina, als ARD- und ZDF-Studioleiter in Paris, als Programmdirektor des WDR-Fernsehens, als Chefredakteur und Herausgeber des STERN und als Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr. Seine TV-Sendungen erreichten höchste Einschaltquoten, seine Bücher haben ihn zu Deutschlands erfolgreichstem Sachbuchautor gemacht. Zuletzt erschienen bei Propyläen »Die Welt aus den Fugen« (2012) und "Der Fluch der bösen Tat" (2014). Peter Scholl-Latour verstarb am 16. August 2014.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Kabul-Berlin, im Herbst 2002

"Mutter aller Schlachten", so hatte Saddam Hussein seinen Feldzug gegen Amerika und dessen Verbündete zu Beginn des Jahres 1991 prahlerisch genannt, bevor seine Armeen im Süden des Zweistromlandes zu Staub wurden. Heute läuft der Westen Gefahr, daß der "Krieg gegen das Böse", den Präsident George W. Bush zur Vernichtung des weltweiten Terrorismus in Gang brachte und dem keine zeitlichen oder geographischen Grenzen gesetzt sind, zur "Mutter aller Lügen" wird. Manche mögen diesen "Introitus" als Provokation empfinden. Aber so ähnlich ist es mir ergangen, als ich über "Das Schwert des Islam" schrieb, als ich das "Schlachtfeld der Zukunft" in Zentralasien ankündigte und die "Lügen im Heiligen Land" aufdeckte.
Der 11. September 2001 wird von den zu Hysterie und Konformismus neigenden Massenmedien als Zeitenwende dargestellt. In Wirklichkeit hat die Vernichtung des World Trade Center eher als Katalysator gewirkt. Die Menschheitsbedrohung, die seitdem mit unerträglicher Insistenz hochgespielt wird, kündigte sich lange zuvor als fatale Zwangsläufigkeit an. Die Tragödie von Manhattan berührt jeden Europäer, haben wir doch fast alle Verwandte, Freunde, geschätzte Kollegen in jenem großen Land der Neuen Welt, das de Gaulle mit der ihm eigenen stolzen Anmaßung "fille de l'Europe", Tochter Europas, nannte. Doch wenn wir schon von Globalisierung und der Gleichheit aller Menschen reden, dann sollte uns nicht nur das Gedenken an die zwei- bis dreitausend Toten von "Ground Zero" aufwühlen; auch die Gespenster jener zwei bis drei Millionen Afrikaner sollten uns heimsuchen, die unlängst im Umkreis des Kongo-Beckens so grauenhaft verendeten. Allzu oft waren sie Opfer von Stellvertreterkriegen, von Machenschaften eines entarteten Kapitalismus, für den die beiden gigantischen Türme des World Trade Center in der Zwangsvorstellung verblendeter Attentäter als Symbol und Zielscheibe herhielten.
In dem vorliegenden Buch werde ich - getreu dem von Montaigne entliehenen Grundsatz "je n'enseigne pas, je raconte - ich belehre nicht, ich erzähle" - ausschließlich auf persönliche Erlebnisse und Erfahrungen zurückgreifen, auf eine Chronistentätigkeit am Ort des Geschehens, die mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt. Daran werde ich kein Wort verändern. Ist denn alles so "neu" an der heutigen Stimmungslage, die zwischen polterndem Übermut und schreckhafter Verzweiflung pendelt? Versetzen wir uns nur in den Januar 1991 zurück. So schrieb ich bei Ausbruch des Konflikts um Kuweit:

"Um Ferien zu machen und gleichzeitig das Ohr an das imperial schlagende Herz Amerikas zu legen, war ich Anfang 1991 nach Florida - in die Nähe des zentralen Übersee-Commandos der US-Streitkräfte von Tampa - gereist. Dort, in der heilen Welt eines subtropischen Luxus-Ressorts mit Blick auf den schimmernden Golf von Mexiko, auf weißen Strand, Mangroven-Dickichte, Palmenhaine und üppige Villen, hatte mich die Nachricht vom Beginn des Golfkrieges in der Nacht meiner Ankunft erreicht. Die drei nächsten Tage verbrachte ich vor dem Bildschirm. Ich ergab mich dem CNN-Syndrom, ließ das Computerspiel einer manipulierten Kriegsberichterstattung über mich ergehen und bewunderte die Kaltblütigkeit meines alten Vietnam-Kollegen Peter Arnett, der im bombardierten Bagdad ausharrte.
In unserem amerikanischen Bekanntenkreis von Naples, der sich abends im Royal Club traf, herrschte in jenen Januartagen Hochstimmung. Die Amerikaner waren offenbar noch einer patriotischen Begeisterung fähig, die den Kontinentaleuropäern längst abhanden gekommen ist. Unsere engsten Gesprächspartner, mehrheitlich als wohlhabende Geschäftsleute oder Anwälte etabliert, hatten in ihrer Jugend als Offiziere bei den US-Marines gedient. Eine geradezu victorianische Erfolgszuversicht kam auf. Präsident George Bush hatte Männer, Schiffe und Flugzeuge in einem Umfang gegen die weit überschätzte Armee Saddam Husseins aufgeboten, wie sich das nach dem Vietnam-Debakel, dessen Trauma es zu überwinden galt, niemand mehr vorgestellt hätte. Aber das Geld für die Monster-Expedition am Golf, so sickerte bereits durch, mußte er sich bei den Erdöl-Potentaten der Arabischen Halbinsel, bei den Japanern und bei den Deutschen beschaffen. In jenen zuversichtlichen Tagen der Operation Wüstensturm wäre jeder von einem Ausländer geäußerte Zweifel an der Fähigkeit Amerikas, nach der Niederschlagung des neuen Hitler im ganzen Orient eine dauernde Friedensordnung zu schaffen, als Ausdruck von Neid und Häme gewertet worden. Mich drängte es, an den Ort des Geschehens zu eilen."

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