Tilly Bagshawe, geboren in London, hat in Cambridge studiert, wurde mit sechsundzwanzig Partnerin in einer weltweit agierenden Personalberatung und schrieb zahlreiche Artikel für Sunday Times, Evening Standard und Daily Mail. Aus Bewunderung für die Romanautoren des 19. Jahrhunderts (Charles Dickens, die Brontë-Schwestern, George Eliot) begann sie ihren ersten Roman. Sie lebt mit Ehemann und Tochter in Los Angeles und London.
Prolog
England, 1998
Siena würde nach Hollywood zurückkehren, und wenn sie dabei draufginge.
"Sie sehen also, Schwester Amata", fuhr sie fort, wobei sie ihre Miene sorgfältig so arrangierte, daß sie, wie sie hoffte, reuig und zerknirscht aussah, "mir ist klar, daß es sich um ein Vergehen handelt, für das ich von der Schule verwiesen werden kann. Und ich möchte, daß Sie eins wissen: Ich bin bereit, die volle Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen."
Du liebe Güte, sie klang, als wäre sie den Tränen nahe. Aber sie hatte ja schon immer gewußt, daß sie eine erstklassige Schauspielerin war. Sah ganz so aus, als fiele die alte Hexe tatsächlich drauf rein.
"Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe." Sie schlug beschämt die Augen nieder. Nonnen, das hatte sie gelernt, sprangen alle sofort auf ein bißchen Selbsterniedrigung an. "Aber ich verstehe natürlich, daß Sie keine Wahl haben. Ich habe St. Xavier schwer enttäuscht."
Fabelhaft. Es klappte wie am Schnürchen. Im Geiste begann Siena zu kalkulieren, wie lange sie brauchen würde, um ihr muffiges kleines Zimmer auszuräumen. Natürlich würde sie sich noch von den Mädels verabschieden müssen, aber wenn sie sich beeilte, konnte sie vielleicht den Sechsuhrflug nach L. A. erwischen. Oder waren vorher irgendwelche Formalitäten zu erledigen? Möglicherweise würde sie erst noch zu einem Gespräch bei ihrem Tutor gebeten. Wie auch immer: Ein Frühflug würde sie allemal noch zeitig genug heimbringen, um schnell zum Waschen und Fönen bei Zapata vorbeizuschauen, bevor sie sich in die Bars auf der Melrose Avenue stürzte.
"Miß McMahon." Hinter dem sanften, melodiösen irischen Tonfall der Schulleiterin verbarg sich eine Entschiedenheit, die Siena nur zu gut kannte. Mittlerweile haßte sie die Art, wie Schwester Amata ihren Namen aussprach: "McMaaaahn". Sie zog das Wort in die Länge, als läge es auf einer Streckbank. Siena fragte sich, was für eine endlose Gardinenpredigt sie wohl diesmal erwartete.
Sie sah sich in der vertrauten Umgebung von Schwester Amatas Büro um - zum allerletzten Mal, wie sie hoffte. Es war einfach eingerichtet, wie es sich für das Zimmer einer Nonne gehörte, aber nicht spartanisch. Ein üppiger, im Verblühen begriffener Strauß pfirsichgelber Rosen dominierte den Schreibtisch und verbreitete seinen Duft im ganzen Raum bis hin zur mit bunten Kissen verzierten Fensterbank - die inzwischen leicht fadenscheinig gewordene Handarbeit von Generationen fleißiger Stickerinnen. An einer der weißgetünchten Wände hing ein dezentes Kruzifix, während die anderen mit Fotografien übersät waren, die St.-Xavier-Schülerinnen der vergangenen Jahrzehnte zeigten und an ihre zahlreichen Erfolge bei Sportwettkämpfen oder Theateraufführungen erinnerten. Siena, die sich für Gruppenaktivitäten nie besonders interessiert hatte, war auf keinem der Bilder vertreten. Die Tafel, auf der die Nachsitzstunden der Schülerinnen verzeichnet waren, enthielt ihren Namen dagegen mehrfach.
In diesem Halbjahr war sie bereits dreimal ins Büro der Direktorin bestellt worden, das einem Adlerhorst gleich über der Schulkapelle thronte. In den sieben Jahren, die verstrichen waren, seit Siena als verängstigte Zehnjährige an der Schule aufgenommen worden war, hatte Schwester Amata den Überblick verloren, wie oft sie über ihren Schreibtisch hinweg in das hübsche, trotzige, wütende Gesicht dieser überdurchschnittlich begabten und dennoch so schwierigen Schülerin geblickt hatte.
Egal wie oft sie Siena ansah - die unheimliche Ähnlichkeit traf sie jedesmal wieder wie ein Schlag: Sie war ihrem berühmten Großvater wie aus dem Gesicht geschnitten. Als junges Mädchen in Connemara (damals noch unter dem Namen Eileen Dineen) hatte Schwester Amata ein wenig für Duke McMahon geschwärmt. Wer hatte das nicht? Sonnenuntergang auf Capri war sein erster großer Film gewesen, mit Maureen O'Hara. Eileen und ihre Freundinnen hatten ihn neun- oder sogar zehnmal gesehen. Die verwegene dunkle Haarmähne, die tiefe, sonore, geradezu glutvolle Stimme. Oh ja, in Dukes Glanzzeit waren seine Filme für jeden zweiten Teenager Irlands Anlaß zur Sünde gewesen - vom Rest der Welt gar nicht zu reden.
Und hier saß sie nun fünfzig Jahre später, von denen sie vierzig als Nonne verbracht hatte, und fragte sich, was in aller Welt sie nur mit seiner obstinaten Enkelin anstellen sollte.
Sie strich ihren braunen Rock glatt - die Nonnen von St. Xavier trugen kein Habit mehr, und das einzige, was sie von den übrigen Mitgliedern des Lehrkörpers unterschied, war das schlichte silberne Kreuz an der Kette um den Hals -, rückte ihren Mahagonistuhl ein Stück nach hinten und wandte ihre Aufmerksamkeit erneut dem menschlichen Rätsel namens Siena McMahon zu.
Aus unerfindlichen Gründen hatte sich das Kind nie richtig in der Schule eingelebt. Siena war durchaus beliebt - das war nicht das Problem. Vielleicht war hier und da ein wenig Eifersucht im Spiel, aber in der Regel suchten alle Mädchen ihre Nähe. Als Enkelin einer Hollywoodlegende und Tochter eines der erfolgreichsten Filmproduzenten der Welt verkörperte sie Glanz und Abenteuer, und zwar in einem Maß, das weit über das hinausging, was wohlerzogene englische Töchter aus gutem Hause gewohnt waren.
Siena hatte auch noch andere Vorzüge. Sie war unzweifelhaft eine Schönheit, und fünfzehn Jahre Erfahrung als Lehrerin an einem Mädcheninternat hatten Schwester Amata gezeigt, daß so etwas traurigerweise stets ein Garant für Beliebtheit war - mit oder ohne einen Namen wie McMahon im Rücken. Und trotz ihres erschreckenden Mangels als Disziplin und ihrer beinahe krankhaften Abneigung gegen harte Arbeit hatte Siena ihre gesamte Schulzeit mit Bestnoten hinter sich gebracht. Oberflächlich betrachtet, konnte sie sich wirklich nicht beklagen.
Dennoch sah selbst ein Blinder, daß sie trotz all ihrer Begabungen und ihrer privilegierten Herkunft zutiefst unglücklich war.
Der Grund für ihre Unzufriedenheit war seit ihrer ersten Woche im Internat, schon damals war sie ein streitlustiges, aufsässiges kleines Ding gewesen, derselbe geblieben: Sie wollte nach Hause. Das war es, was Schwester Amata besonders befremdlich vorkam, da es offensichtlich war, daß Siena ihre Eltern aus tiefster Seele ablehnte. Tragisch. Pete und Claire McMahon gaben sich so selten wie möglich mit ihrer einzigen Tochter ab. Lediglich die sechswöchigen Sommerferien verbrachten sie gemeinsam auf dem Familienanwesen in Hollywood. Hingegen flog Siena nie zum Halbjahresende oder für die kürzeren Ferien nach Hause, sondern wohnte in dieser Zeit unter Aufsicht einer mexikanischen Haushälterin in der Wohnung ihrer Eltern in Knightsbridge. Das war wirklich kein Leben für ein Kind. Aber es schien das Mädchen nur noch eigensinniger zu machen - und in dem verzweifelten Wunsch, nach Hause zurückzukehren, zu bestärken.
Schwester Amata bemerkte, daß Siena sich auf die Lippe biß, ein Zeichen kindlicher Nervosität, das nicht zu der femininen Siebzehnjährigen passen wollte, zu der sie sich entwickelt hatte. Frühere Generationen hätten Siena als "drall" bezeichnet, aber heutzutage schienen die Mädchen das mit "fett" gleichzusetzen. Siena war schmal gebaut, verfügte allerdings über eine üppige Oberweite, an die sich ihr blauer Uniformpullover auf fast schon obszöne Weise anschmiegte. Ihr kleiner knospender Mund, die blasse Haut und die dichte Mähne schwarzer Locken wirkten wie Überbleibsel einer längst vergangenen, sinnlicheren und weiblicheren Ära. Nur ihre Augen - zwei dunkelblaue Feuer, die vor unerbittlicher Entschlossenheit Funken sprühten - verliehen ihrem ansonsten engelsgleichen Gesicht eine überaus zeitgemäße, lebhafte Ausstrahlung. Im Moment waren sie wachsam und argwöhnisch zu Schlitzen verengt.
Die Direktorin seufzte. Sie war der ständigen Auseinandersetzungen beinahe ebenso müde wie Siena. Diesmal war sie in flagranti beim Marihuanarauchen im Aufenthaltsraum erwischt worden. Wobei "erwischt" den Sachverhalt strenggenommen nicht traf, da...
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anbieter: Falkensteiner, Falkenstein, SN, Deutschland
gebunden. Zustand: wie verlagsneu. Zustand des Schutzumschlags: mit Schutzumschlag. Erstausgabe. Schillerndes Hollywood in Glamour und Intrigen, exzellent vor- und dargestellt.In der Hollywood-Villa des Kinostars Duke McMahon herrschen Eifersucht und neid, Geltungssucht und finanzieller Erfolgsdruck. Siena, das Nesthäkchen der einflussreichen Film-Dynastie will ebenfalls gross im internationalen Filmgeschäft das sagen haben, Geld verdienen, doch hinter den abgeschotteten Sicherheitszäunen wird sie behütet und muss lernen, zwischen Gefühl und Glanz zu unterscheiden.Ganz gegen die elterlichen Wünsche eines Medizinstudiums in Oxford beginnt sie heimlich eine Modelkarriere und auch bald ihr erstes Filmangebot. Sie verliebt sich in den Regisseur Max, dem sie auch ihr totales Vertrauen schenkt. Doch diese Liebe wird durch ihre eigenen Launen und Maxens Eifersucht auf eine harte Probe gestellt.Ein spannender, mitreissender Roman um Ruhm, Glamour und Intrigen, ein Leseerlebnis bis zur letzten Seite. Artikel-Nr. 100013
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Antiquariat im Kaiserviertel | Wimbauer Buchversand, Dortmund, NRW, Deutschland
Pp. Zustand: Befriedigend. 587 S. ; 20 cm Adored.- folienkaschiertes exBibliotheksexemplar mit den üblichen Stempeln/Signaturen, Kanten etwas bestossen, Schnitt fleckig /// Standort Wimregal MIR-00007 ISBN 9783547710878 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 730. Artikel-Nr. 140194
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Antiquariat Jochen Mohr -Books and Mohr-, Oberthal, Deutschland
hardcover. Zustand: Sehr gut. 592 Seiten 9783547710878 Wir verkaufen nur, was wir auch selbst lesen würden. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 734. Artikel-Nr. 178231
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Buchpark, Trebbin, Deutschland
Zustand: Sehr gut. Zustand: Sehr gut | Seiten: 587 | Sprache: Deutsch | Produktart: Bücher | Keine Beschreibung verfügbar. Artikel-Nr. 3148507/2
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Butterfly Books GmbH & Co. KG, Herzebrock-Clarholz, Deutschland
Hardcover. Zustand: Sehr gut. Siena McMahon wächst in einer der einflussreichsten Film-Dynastien auf und strebt nach Ruhm im Filmgeschäft. Doch im Hintergrund herrschen Eifersucht und ein zerstörerisches Verlangen nach Ruhm. Zustand: Einband mit geringfügigen Gebrauchsspuren, insgesamt SEHR GUTER Zustand! Stichworte: Genres: Roman; Schlagworte: Hollywood, Glamour, Intrigen, Filmindustrie, Ruhm, Dynastie, Siena McMahon, Eifersucht, Verlangen, Unterhaltung. 592 Seiten Deutsch 729g. Artikel-Nr. 331467
Anzahl: 1 verfügbar