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Die Steppe und andere Erzählungen aus den mittleren Jahren 1887-1892 - Hardcover

Cechov, Anton P

 
9783538052253: Die Steppe und andere Erzählungen aus den mittleren Jahren 1887-1892

Inhaltsangabe

Anton Tschechow. [Aus d. Russ. übertr. von Gerhard Dick ...] / Winkler-Weltliteratur : Dünndruck-Ausgabe 3. Aufl. 1991 815 S. ; 20 cm Gewebe, gebundene Ausgabe München : Artemis und Winkler, Mit Schutzumschlag

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Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Der Fehltritt

Der Kollegienassessor Migujew blieb während seines Abendspaziergangs an einem Telegrafenmast stehen und seufzte aus tiefstem Herzen. Vor einer Woche hatte ihn an ebendieser Stelle, als er von seinem Abendspaziergang nach Hause zurückkehrte, das frühere Stubenmädchen Agnija eingeholt und böse zu ihm gesagt: "Na warte! Dir werd ich die Suppe versalzen, daß du noch lange an mich denkst! Unschuldige Mädchen zugrunde richten! Das Kind leg ich dir vor die Tür, und aufs Gericht gehe ich, und deiner Frau erzähl ich alles ..."

Und sie verlangte, er solle bei der Bank fünftausend Rubel auf ihren Namen einzahlen. Migujew erinnerte sich daran, seufzte und machte sich des flüchtigen Abenteuers wegen, das ihm so viele Sorgen und Leiden bereitet hatte und das er von Herzen bereute, aufs neue bittere Vorwürfe.

Er kam zu seinem Landhaus und setzte sich auf das Treppchen vor der Haustür, um auszuruhen. Es war genau zehn Uhr, ein Stückchen Mond sah hinter den Wolken hervor. Auf der Straße und vor den Häusern war keine Menschenseele - die älteren Sommerfrischler legten sich bereits schlafen, und die jüngeren gingen im Wäldchen spazieren. Migujew, der sich eine Zigarette anstecken wollte, suchte in beiden Taschen nach Streichhölzern und stieß mit dem rechten Ellenbogen an etwas Weiches; er sah aus Langerweile nach, und sein Gesicht verzerrte plötzlich ein solcher Schrecken, als hätte er neben sich eine Schlange entdeckt. Auf dem Treppchen lag gleich an der Tür ein längliches Bündel. Es war in etwas eingepackt, das sich wie eine kleine Steppdecke anfühlte. Das eine Ende des Bündels war ein wenig offen, und der Kollegienassessor stieß, als er die Hand hineinsteckte, auf etwas Warmes und Feuchtes. Er sprang erschrocken auf und sah sich wie ein Verbrecher um, der vor der Polizeistreife flüchten will.

"Hat sie es mir doch tatsächlich vor die Tür gelegt!" stieß er erbittert zwischen den Zähnen hervor und ballte die Fäuste. "Da liegt er ... der Fehltritt! O Gott!"

Er war vor Angst, Wut und Scham wie gelähmt. Was sollte er jetzt anfangen?

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