Die deutsche Familie: Versuch einer Sozialgeschichte (Suhrkamp Taschenbücher) - Softcover

Weber-Kellermann, Ingeborg

 
9783518390573: Die deutsche Familie: Versuch einer Sozialgeschichte (Suhrkamp Taschenbücher)

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Ökonomische Struktur und soziale Funktion der »Sippe« in frühgeschichtlicher Zeit Lebens- und Herrschaftsformen

Über die Verbreitung der Großfamilie in Mitteleuropa weiß man nur aus vorgeschichtlichen Funden, vor allem Hausgrundrissen der bandkeramischen Kultur, die eine solche Wirtschaftsform vermuten lassen.

Bei den meisten germanischen Stämmen scheint sie sich dann früh zur Sippenordnung aufgelockert zu haben, bei der weder gemeinsame Hausanlage noch patriarchalische Führungsspitze Voraussetzung waren. Für das gesellschaftliche Leben der Germanen in dieser frühgeschichtlichen Zeit besaß die Institution der Sippe verpflichtende Dominanz. Im Gegensatz zu der etwa gleichzeitigen, herrschaftlich organisierten Hausgemeinschaft der römischen gentes bestand die Sippe aus erwachsenen blutsverwandten männlichen Mitgliedern, einem auf gegenseitige Hilfe ausgerichteten Verband gleichberechtigter Genossen, und deren Frauen und Kindern. Jeder Sohn, der heiratete, entzündete ein eigenes Herdfeuer, so daß sich die Sippe aus einem System koexistierender Kleinfamilien zusammensetzte. Ihre gegenseitigen, streng normierten Verpflichtungen gingen nicht über den Sippenverband hinaus und besaßen einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert als ein irgendwie geartetes Staatsdenken , wie es doch zur gleichen Zeit den Griechen und Römern selbstverständlich war.

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