Das Buch enthält fünfundzwanzig Bilder und fünfundzwanzig Gedichte. Die einen sind die »Fenster«, die anderen die »Stimmen«. Ein Bild zu beschreiben, ist eine besondere Kunst. Vor allem dann, wenn man versucht, der Faszination oder Betörung auf den Grund zu gehen oder sich loszukaufen. Zweierlei Arten gibt es, ein Bild zu beschreiben. Die eine ist das Inventarisieren: Man benennt den Stuhl, der aus Holz gemacht ist, das Fenster, das offensteht, den Blick hinaus, auf Stadt oder Land, den Blick hinein, die Bewegung der Gardine, die Beschaffenheit des Fußbodens. Korrekt, präzis, ja pedantisch verzeichnet man einen Besitzstand, als bedürfe es eines Beweises für den Fall, jemand kommt bei Nacht, dies oder jenes zu entwenden. Die andere Art der Bildbeschreibung ist jene, die der Beschreibung fernliegt. Walter Benjamin hat sie aufs schönste benannt, als er Andersen rügte, der behauptete, Menschen und Dinge gehen aus dem Buch heraus, dem Betrachtenden entgegen und springen, wenn das Blatt umgewendet wird, »gleich wieder hinein, damit keine Unordnung entstehe«. Doch nicht die Dinge treten aus den Seiten heraus, sondern das Kind selbst dringt »im Schauen« in sie ein, widerspricht Benjamin. Und genauso geschieht's, bedient man sich der zweiten Art der Bild-Beschreibung, die - wie gesagt -keine Beschreibung ist, vielmehr die Animation einer »nature morte«: Das Bild wird aus seiner Begrenzung erlöst, wird zur Szene, der Stuhl wird benutzbar, die Dielen machen Geräusche, das Licht der Landschaft verändert sich, der Mond kann vergraben werden, die Alte erzählt, ein Kranich sei sie gewesen, Kälte nimmt zu oder ab, das Schicksal wird sichtbar, vermehrt sich, »es ist draußen und drinnen ein stilles Geschiebe«, das sind die »Flächen des Traumes«. Zu Suchbildern werden die Bilder: »Du schaust hinaus, in die Szene der Möglichkeiten ... Natürlich siehst du es nicht, aber du stellst es dir vor. Und was du in deiner Vorstellung siehst, das ist es, deshalb schaust du hinaus, immerzu. Du könntest die Augen auch zumachen. Gar nichts mehr sehen. Aber du willst ja noch etwas sehen, und suchen.« Das ist Methode und Geschichte zugleich. Die Methode lehrt das Betrachten, Bevölkern, den Eintritt in ein fremdes Theater, in dem der Eintretende, der Fremde, Hauptrolle und Regie der Geschichte übernimmt. Die Geschichte wird so stark, daß sie das »nächste Leben« erfaßt. Immer ist es das Fenster, das den Aus- oder Einblick gewährt, in Bild und Wort: Grenze und Grenzüberschreitung zugleich, magischer Ort, der die Stille der Bilder in Bewegung verzaubert. Die Malerin und Graphikerin Rango Bohne, Jürgen Beckers Frau, hat dieses Buch mit ihren Bildern ermöglicht, denen, unabdingbar zugehörig, die selbständigen Stimmen der Gedichte zur Seite gestellt sind.
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Jürgen Becker wurde 1932 in Köln geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre, zwischen 1939 und 1947, lebte er in Erfurt. Nach Aufenthalten in Osterwieck/Harz und Waldbröl kam er 1950 nach Köln zurück. 1953 Abitur. Nach kurzem, abgebrochenem Studium begann er seine Existenz als freier Schriftsteller; seinen Lebensunterhalt bestritt er jahrelang mit wechselnden Tätigkeiten, als Arbeiter und Angestellter, als Werbeassistent und Journalist. Er arbeitete für den WDR und in den Verlagen Rowohlt und Suhrkamp. Zwanzig Jahre lang, bis 1993, leitete er die Hörspielredaktion des Deutschlandfunks.
Große Aufmerksamkeit fand Jürgen Becker mit seinem ersten Prosabuch Felder (1964); die beiden folgenden Bücher Ränder (1968) und Umgebungen (1970) festigten seinen Ruf als Verfasser experimenteller Literatur. Zugleich wirkte er mit seinen ersten Hörspielen (Bilder, Häuser, Hausfreunde) am Entstehen des "Neuen Hörspiels" mit. In seinem 1971 veröffentlichten Fotobuch Eine Zeit ohne Wörter verschmolz er seine literarische Arbeit mit dem visuellen Medium. Die künstlerischen Grenzüberschreitungen der Avantgarde hatte er 1965 bereits mit dem Band Happenings dokumentiert, einer Gemeinschaftspublikation mit dem Happening-Künstler Wolf Vostell.
In den Siebziger und achtziger Jahren konzentrierte sich Jürgen Becker auf die Lyrik. Die in dieser Zeit entstandenen Gedichtbücher - darunter Das Ende der Landschaftsmalerei (1974), Odenthals Küste (1986), Das Gedicht der wiedervereinigten Landschaft (1988) - plazierte die Kritik in die obersten Ränge der zeitgenössischen Poesie. Gleichzeitig schrieb Jürgen Becker weiterhin Hörspiele und die beiden Prosabücher Erzählen bis Ostende (1980) und Die Türe zum Meer (1983). Dazu korrespondierte er weiterhin mit dem visuellen Medium: Fenster und Stimmen (1982), Frauen mit dem Rücken zum Betrachter (1989), Korrespondenzen mit Landschaft (1996) entstanden nach Collagen seiner Frau, der Malerin Rango Bohne, Geräumtes Gelände (1995) nach Bildern seines Sohnes, des Fotografen Boris Becker.
Wende und Wiedervereinigung wirkten entscheidend auf das Schreiben Jürgen Beckers ein. Die Wiederentdeckung der Orte und Landschaften zwischen Elbe und Oder, Rügen und Thüringer Wald motivierten seine Gedichtbände Foxtrott im Erfurter Stadion (1993) und Journal der Wiederholungen (1999), die Erzählung Der fehlende Rest (1997) und vor allem den im Sommer 1999 erschienenen Roman Aus der Geschichte der Trennungen. Mit den Vorbereitungen dazu begann er während eines Stipendiums im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf. Es ist Jürgen Beckers erster Roman; eine bewegende, persönliche Geschichte, die zugleich von den Widersprüchen der deutschen Erfahrungen erzählt.
Jürgen Beckers Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. erhielt er den Preis der Gruppe 47, den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste, das Stipendium der Villa Massimo, den Bremer Literaturpreis, den Heinrich-Böll-Preis.
Jürgen Becker ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin-Brandenburg, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, sowie des PEN-Clubs. 2001 erhält er für seinen Roman Aus der Geschichte der Trennungen den Uwe-Johnson-Preis, der von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft vergeben wird. 2006 wird er für sein Prosa-Werk, insbesondere den Journalroman Schnee in den Ardennen, mit dem Hermann-Lenz-Preis ausgezeichnet, 2009 erhält er den Schiller-Ring. 2014 wird Jürgen Becker als »maßgebliche Stimme der zeitgenössischen Poesie« mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt.
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Groß-8°. 23,5 x 17 cm. 59 Seiten. Original-Englischbroschur. Als Blockbuch gebunden. 1. Auflage. Von Rango Bohne und Jürgen Becker auf Titelblatt signiert. Beiliegend ein gefalteter Brief im DIN A4-Format von Rango Bohne an Manfred Hilden, datiert Köln, 13. Juni 1983, in einem Briefumschlag. Adresseintrag auf dem Brief abweichend mit Kugelschreiber, ein kleiner Einriss im Blatt (3 cm) und kleiner Zusatz mit rotem Filzstift. Briefumschlag leicht fleckig und mit einer Wegbeschreibung in Blei. Mit zahlreichen Abbildungen. Schutzumschlag minimal berieben und innenliegend mit einem früheren Preisetikett, ansonsten sehr gutes Exemplar. Artikel-Nr. 62269CB
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Zustand: Sehr gut. Erstausgabe. 59 Seiten mit 25 Abbildungen von Rango Bohne. 23,8 x 16,9 cm. Mit einer eigenhändigen Widmung von Jürgen Becker und Rango Bohne für den Schriftsteller Michael Baier auf dem Vortitel. Mit einer Karte von Rango Bohne und mit 2 beiliegenden Photos von Jürgen Becker und Michael Baier. Sehr guter Zustand. Minimal gewellt. - Jürgen Becker (* 10. Juli 1932 in Köln; 7. November 2024 ebenda) war ein deutscher Lyriker, Prosaist und Hörspielautor. Leben und Werk: Jürgen Beckers Familie zog 1939 von Köln nach Erfurt, so dass er eine Kriegs-Kindheit in Thüringen erlebte. 1947 übersiedelte er nach Waldbröl in Westdeutschland und kehrte 1950 in seine Geburtsstadt Köln zurück, wo er bis zum Abitur 1953 ein Gymnasium besuchte. Anschließend begann er ein Studium der Germanistik, das er jedoch 1954 abbrach. In den folgenden Jahren übte er verschiedene Tätigkeiten aus. Von 1959 bis 1964 war er Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks und von 1964 bis 1966 Lektor im Rowohlt-Verlag. Ab 1968 war er freier Schriftsteller. Ab 1973 war er Leiter des Suhrkamp-Theaterverlags und von 1974 bis 1993 Leiter der Hörspielabteilung im Deutschlandfunk. Becker war ab 1965 bis zu ihrem Tod am 25. September 2021 mit der Künstlerin Rango Bohne verheiratet und lebte in Köln-Brück und Odenthal im Bergischen Land. Das Fachwerkhaus in der Heide in Odenthal-Glöbusch suchte er nach dem Tod seiner Frau lange nicht mehr auf. Jürgen Becker trat in den 60er Jahren mit einer stark experimentellen Art von Literatur hervor, die vor allem aus Opposition zum herkömmlichen Erzählen auf die offene Form setzte. In späteren Texten ist dieser Impuls zurückgenommen, während die Landschaft nach wie vor in Beckers Lyrik eine wichtige Rolle spielt. Neben den Gedichten, die sein Hauptwerk bilden, verfasste Becker auch Erzählungen und Hörspiele. Ab 1994 erscheinen Beiträge von ihm in der von der Akademie der Künste (Berlin) herausgegebenen Zeitschrift Sinn und Form. In der Begründung des Georg-Büchner-Preises, der Becker 2014 zuerkannt wurde, wird er als eine maßgebliche Stimme der zeitgenössischen Poesie gewürdigt, der die deutschsprachige Dichtung über Generationen entscheidend geprägt hat. Seine Gedichte lehrten die Leser, die Welt und die Sprache genauer wahrzunehmen. Sie machten unsere alltäglich erlebte Welt auf neue Weise sichtbar und unvergesslich. Ab 1960 war Becker Teilnehmer der Gruppe 47, deren Literaturpreis er auf dem letzten Treffen der Gruppe 1967 gewann. Ab 1969 war er Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und der Akademie der Künste (Berlin), ab 1974 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, ab 1984 der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz[6] und ab 2009 der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Im WS 1980/81 war er der erste Inhaber der neu geschaffenen Mainzer Poetikdozentur der Akademie der Wissenschaften und der Literatur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 2012 erschien unter dem Titel In der Hölle des Schweigens: Der Schriftsteller Jürgen Becker der erste Dokumentarfilm über Jürgen Becker von Christoph Felder, ein 80-minütiges Porträt (s/w, Verlag Die Neue Sachlichkeit, Produktion CFF) mit seinen eigenen Worten und einigen wenigen kurzen Ausschnitten seiner Kollegen Günter Grass, Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger (Gruppe 47). Sein Sohn ist der Fotograf und Filmemacher Boris Becker, seine Enkel die Schauspieler Lotte Becker und Tristan Becker. Jürgen Becker verstarb 92-jährig am 7. November 2024 in seinem Haus in Köln-Brück. Er wurde am 21. November 2024 auf dem alten Friedhof Dellbrück beigesetzt. . . . Aus: wikipedia--J%C3%BCrgen_Becker_(Schriftsteller). -- - Michael Baier (* 17. Dezember 1940 in Baden-Baden; 17. Juni 2019 in Pittsfield, Massachusetts) war ein deutscher Drehbuchautor. Er erfand mehrere erfolgreiche Fernsehserien, darunter Das Erbe der Guldenburgs, Adelheid und ihre Mörder und Um Himmels Willen und Freunde fürs Leben. Leben: Michael Baier besuchte das von Pallottinern geführte Internat St. Paulusheim in Bruchsal. Er studierte nach dem Abitur Theaterwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Köln und München und Film an der Hochschule für Gestaltung Ulm. Baier war zunächst als Werbetexter in Deutschland tätig. 1980 wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in Boston in Neuengland nieder. Mitte der 1980er Jahre begann er mit dem Schreiben von Drehbüchern. Baier starb im Juni 2019 im Alter von 78 Jahren nach längerer Krankheit. . . . Aus: wikipedia-Michael_Baier. Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 430 Englische Broschur mit Blockbuchbindung. Artikel-Nr. 76760
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Anbieter: BUCHSERVICE / ANTIQUARIAT Lars Lutzer, Wahlstedt, Deutschland
Zustand: gut. 1982. Fenster und Stimmen. Gedichte von Jürgen Becker. Bilder von Rango Bohne. [Signiert und mit einem Autograf]. In deutscher Sprache. pages. Artikel-Nr. BN425668
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