Der Protagonist dieses Romans, Don Ramón Villaamil, ist ein ins 19. Jahrhundert transportierter Don Quijote, der in verzweifeltem, tragikomischem Kampf um die Würde seiner Person der Korruption und Günstlingswirtschaft spanischer Prägung schließlich unterliegt.
Der ehemalige Beamte der Steuerbehörde ist arbeitslos und versucht vergeblich, durch Bittbriefe eine neue Stellung zu erhalten, da ihm nur noch zwei Monate Arbeitszeit fehlen, um eine bescheidene Pension beziehen zu können. Seine Gattin, Doña Pura, frönt ihrem eigenen Interesse, der Oper. Ihre ledige Schwester Milagros, eine heruntergekommene Soubrette, lebt ebenfalls im Haushalt und „führt die Küche“. Die Tochter von Doña Pura und Don Ramón, Abelarda, die „Unbedeutende“, ist eine unscheinbare Person, die ihre einzige Chance darin sieht, einen ebenso farblosen Herren namens Ponce zu ehelichen, auf den eine kleine Erbschaft wartet. Den drei Frauen gemeinsam ist der Spitzname ›Miau‹, „denn sie haben so eine Fisonomie im Gesicht wie Katzen“, erklärt ein Schulfreund dem Luisito, Enkel von Don Ramón und Doña Pura, den man mit diesem Spitznamen in der Schule quält. Der anständige und ehrliche Don Ramón bleibt ohne Stellung, denn „Anständigkeit bedeutet manchmal dasselbe wie Dummheit“.
Miau ist einer der frühen europäischen Romane, in denen der Einzelne der seelenlosen modernen Massenbürokratie entgegengestellt wird.
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Benito Pérez Galdós wurde 1843 in Las Palmas de Gran Canaria geboren. Im Alter von 19 Jahren ging er nach Madrid, um Jura zu studieren. Dort lernte er Francisco Giner de los Ríos kennen, den Begründer der Institución Libre de Enseñanza, der ihn mit der Philosophie des Krausismo vertraut machte und ihn zum Schreiben ermutigte. Seinen ersten, noch von der Romantik beeinflußten Roman La fontana de oro veröffentlichte Galdós 1870. Er beschäftigte sich intensiv mit den Werken von Balzac und Dickens, die sein erzählerisches Werk zunehmend prägten. 1873 begann Galdós sein Projekt der Episodios nacionales, einem Zyklus historischer Romane, die sich mit der spanischen Geschichte des 19. Jahrhunderts auseinandersetzen. Zwischen 1873 und 1912 entstanden 46 Romane in diesem Zyklus. Galdós arbeitete auch als Journalist und schrieb Artikel zu gesellschaftlichen und politischen Problemen seiner Zeit.
Galdós gilt aber vor allem als der Begründer des modernen spanischen Romans. Er schrieb weitere 32 Romane, die vorwiegend das Leben der spanischen Bourgeoisie, deren Gebräuche und Moralvorstellungen schildern und sich durch die feine psychologische Durchdringung der Charaktere auszeichnen. Zu den bekanntesten zählen Doña Perfecta (1876) und Fortunata y Jacinta (1886/87). In den 1890er Jahren beschäftigte Galdós sich auch mit dem Theater und schrieb mehrere Stücke.
1897 wurde Galdós Mitglied der Königlichen Spanischen Akademie der Sprache. Er engagierte sich auch politisch und war 1907 Spitzenkandidat der Republikanisch-Sozialistischen Partei in Madrid. 1912 erblindete er und starb 1920 in Madrid.
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