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Die Nebel von Connemara: Roman - Softcover

Temple, Emma

 
9783492303613: Die Nebel von Connemara: Roman

Inhaltsangabe

Clara steigt ins Auto und fährt einfach los, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Selbst als sie auf der Fähre nach Irland ist, weiß sie noch immer nicht, wohin die Reise sie führen wird. Da trifft es sich, dass sie auf der Überfahrt den sympathischen Iren Sean kennenlernt, der verspricht, ihr alles über seine Heimat zu verraten, wenn sie ihn in seinen Heimatort in Connemara begleitet. Clara willigt ein und erlebt auf der Fahrt quer durch ein magisches Irland wunderschöne Tage. Als die beiden schließlich in Carna ankommen, beschließt Clara, noch ein paar Tage in dem verschlafenen Nest zu bleiben. Doch als sie eines Abends ein blinkendes Licht auf der nicht weit entfernt liegenden Insel Feenish sieht, ahnt sie nicht, dass sich ihr Schicksal schon bald entscheidend wenden wird. Denn die Insel ist seit Jahrzehnten unbewohnt, die von Wind und Wetter zerstörten Häuser nur noch Ruinen – und das Licht dürfte dort nicht sein …

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Emma Temple ist das Pseudonym der deutschen Autorin Katrin Tempel. Sie wurde 1967 in Düsseldorf geboren und wuchs in München auf. Während ihres Studiums der Geschichte und der Politik entdeckte sie ihre Liebe zu Neuseeland und verbrachte ein Jahr auf einer Farm in der Nähe von Christchurch – ein Ort, zu dem sie immer wieder zurückkehrt. Nach dem Studium war sie zunächst Journalistin, seit ein paar Jahren arbeitet sie an ihren Romanen und Drehbüchern. Sie lebt heute mit ihrer Familie an der Weinstraße.

Von der hinteren Coverseite

Die Schatten der Vergangenheit Eine tragische Liebe, die zur Legende wurde. Ein Geheimnis, das in den Nebeln von Connemara verborgen ist. Eine düstere Vergangenheit, die ihre Schatten bis in die Gegenwart wirft, und eine junge Deutsche, die an der malerischen Westküste Irlands erkennt, was das wahre Glück sein könnte ... Originalausgabe

Aus dem Klappentext

Die Schatten der Vergangenheit

Eine tragische Liebe, die zur Legende wurde. Ein Geheimnis, das in den Nebeln von Connemara verborgen ist. Eine düstere Vergangenheit, die ihre Schatten bis in die Gegenwart wirft, und eine junge Deutsche, die an der malerischen Westküste Irlands erkennt, was das wahre Glück sein könnte ...

Originalausgabe

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

New York, 1911 »Lassen Sie mich durch!« Der massige Mann schob das junge Paar, das vor ihm an der Reling stand, grob zur Seite. »Ich will das sehen!« Den beiden in ihren dünnen Mänteln blieb nichts anderes übrig, als vor ihm auszuweichen, denn die Gesetze hier an Bord waren eindeutig und von niemandem zu ändern. Anders als sie, reiste dieser Passagier ganz sicher nicht in der dritten Klasse, das zeigten schon sein warmer Mantel mit dem dicken Pelzkragen und die Schuhe aus feinem Leder, die kaum Gebrauchsspuren zeigten. Sie mussten ihm ihren Platz an der Reling überlassen. Momentan konnte aber nicht einmal das ihr Glück trüben, denn sie hatten es geschafft. Jetzt würde ihr neues Leben beginnen. Der Mann drängte sich schnaufend an ihnen vorbei und stellte sich breitbeinig vor sie, während er seinen Blick auf die langsam im grauen Morgennebel auftauchende Freiheitsstatue richtete. »Wurde aber auch Zeit«, knurrte er vor sich hin. »Ich habe schon gedacht, dass wir niemals unser Ziel erreichen. Wer auch immer behauptet, diese Schiffe seien Meisterwerke der Konstruktionskunst, ist noch nie auf einem gereist.« Das Pärchen sah sich überrascht an. »Entschuldigung, reden Sie mit uns?«, fragte der junge Mann vorsichtig nach und hustete kurz. Sein dünner Schnurrbart zitterte in der kalten Morgenluft. »Wir finden nämlich, dieses Schiff hat uns außerordentlich sicher über den Atlantik gebracht. Immerhin mussten wir nicht fürchten, dass uns ein Sturm auf den Grund des Meeres schickt …« »Das ist doch wohl das Mindeste, was man von so einem Schiff erwarten kann, oder etwa nicht?« Der reiche Passagier würdigte sie keines Blickes, während er weitersprach, ohne auf eine Antwort auf seine Frage zu warten. »Ich meine, dass es nicht untergeht, ist doch so eine Art Grundvoraussetzung. Wenn du deiner Arbeit nachgehst, dann freut sich dein Chef doch auch nicht, wenn du dabei nicht tot umfällst!« Der dicke Mann schnaubte verächtlich durch die Nase. Dann warf er einen letzten Blick auf die näher kommende Statue, drehte sich um und überließ seinen Platz in der ersten Reihe wieder dem Pärchen. »Ich sehe lieber mal nach meinem Koffer.« Er schob sich ungeduldig durch die Menge an Passagieren am Oberdeck, die allesamt den Hals reckten, um nach den vielen Tagen auf See endlich einen ersten Blick auf das verheißene Land zu erhaschen. Wenig später machte das mächtige Dampfschiff am Pier von Ellis Island fest und die Reisenden aus der ersten und zweiten Klasse verließen das Schiff mit ihren feinen Koffern und Kisten, die nicht selten von Bediensteten getragen wurden. Auch der kräftige Mann war darunter, allerdings musste er seinen Koffer selbst tragen. Mühselig wuchtete er das große Gepäckstück eine steile Treppe nach oben, bis er vor einem mürrisch dreinblickenden Inspektor stehen blieb, um seinen Namen und vor allem die Geldsumme anzugeben, die er in seinem Gepäck mit sich führte. »Eamon Devlin. 58 Dollar.« Der uniformierte Mann an der Sperre für die Immigranten winkte ihn wortlos durch. Wer genug Geld bei sich hatte, um den Vereinigten Staaten von Amerika nicht zur Last zu fallen, der musste an dieser Stelle nicht mit Problemen rechnen. Der dicke Mann mit seinem Fellkragen war schon längst weitergegangen und in der großen Halle verschwunden, als das junge Paar vor dem Inspektor auftauchte. Auf dem für die Jahreszeit viel zu dünnen Mantel des jungen Mannes prangte ein schnell mit Kreide hingeschmiertes Zeichen: ein »E«. Der junge Mann hatte wegen des Gedränges nicht einmal gemerkt, dass ihm da jemand etwas auf den Stoff geschrieben hatte. Jetzt sorgte dieser eine Buchstabe allerdings dafür, dass der Inspektor in Richtung der Quarantänestation deutete. »Hier müssen Sie sich von Ihrer Frau trennen, Mister. Wenn Sie wieder gesund sind, können Sie sich später an Festland treffen.« »Aber ich kann meinen Mann doch nicht …«, fing die Frau an zu widersprechen, als die Menge sie auch schon weiterschob und ihr Mann sie überrascht ansah, während sich der Abstand zwischen ihnen mit jedem Atemzug vergrößerte. Schnell machte sie einen großen Schritt auf ihn zu, streckte die Hand nach ihm aus und berührte ihren Mann, der auch seine Hand nach ihr ausstreckte, noch einmal kurz an den Fingerspitzen. Dann wurde sie von den anderen Passagieren unsanft weitergeschoben und sah zu, wie ihr Mann in der Quarantänestation verschwand. Jetzt war sie allein mit ihrem schweren Seesack und dem Korb, den sie mit so viel Sorgfalt in Donegal gepackt hatte. Sie musste erst einmal ohne ihn zurechtkommen. Die junge Frau wusste nicht, dass ihr Mann das Festland von Amerika niemals erreichen würde. Sie hatte keine Ahnung, dass dieser ihr letzter gemeinsamer Augenblick gewesen war. Eamon Devlin war zu diesem Zeitpunkt schon fast auf der Fähre, die ihn endgültig nach Manhattan bringen würde. Zu seinem neuen Leben, einem Leben ohne die Erinnerungen an den kleinen Ort in Connemara, aus dem er stammte. Ein Leben ohne die beständige Angst, dass ihm sein Reichtum wegbrechen könnte. Ein Neuanfang. Er freute sich darauf. Sehr sogar. Endlich hatte er alles hinter sich gelassen, was ihn belastete. Er lächelte. Als er wenig später über die Landungsbrücken schritt, wartete dort niemand auf ihn. Rings um ihn herum wurden die Menschen, mit denen er während der Überfahrt noch an einem Tisch gesessen hatte, zu Fremden, die von ihren Verwandten und Freunden überschwänglich begrüßt wurden. Tränen, Gelächter und überall die vertraute irische Sprache. Keiner achtete auf ihn, als er sich konzentriert umsah. Er brauchte zunächst einmal eine Wohnung und natürlich eine einträgliche Arbeit. Hier an den Landungsbrücken trieben sich genügend Menschen herum, die den neuen Einwanderern ihre Hilfe anboten. Gegen Geld natürlich. Aber Eamon war entschlossen, seinen Weg zu machen. Dazu würde er allerdings zumindest in der Anfangszeit einen Helfer brauchen, am besten einen, der ihn nicht betrügen würde. Aber seine Menschenkenntnis würde ihn in der neuen Welt sicher nicht verlassen. Als er seinen Blick auf der Suche nach einem vertrauenswürdigen Gesicht über die Menschenmenge schweifen ließ, meinte er für einen Augenblick, ein vertrautes Gesicht unter einer grauen Tweedkappe entdeckt zu haben – aber noch bevor er sich vergewissern konnte, dass er sich nicht getäuscht hatte, war der Mann auch schon verschwunden. Eamon schüttelte den Kopf. Das war unmöglich. Von allen Menschen aus Irland – dieser konnte nicht hier am Pier stehen. Da war er sich sicher. Unglaublich, welche Streiche einem die Phantasie doch manchmal spielte. Die Reise hatte ihm offenbar doch mehr zugesetzt als gedacht. »Kann ich helfen, Sir? Suchen Sie eine Wohnung?« Ein junger Mann, fast noch ein Junge, stand neben ihm und sah ihn fragend an. Er hatte kaum Bartwuchs, nur ein leichter roter Flaum zierte seine Oberlippe. Dieser Knabe mit den kindlich blauen Augen und der pickligen Haut würde ihn kaum über das Ohr hauen. »Ja. Kannst du mir zeigen, wo ich etwas finden kann? Für den Anfang kann es ruhig eine kleine Wohnung sein.« Eamon lächelte zufrieden. »Sicher«, nickte der Junge, drehte sich um und pfiff gellend zwischen zwei Fingern. »Ich kümmere mich um einen Wagen, der uns hinbringen kann.« Sein Pfiff sorgte dafür, dass eine der Kaleschen, die am Straßenrand standen, anfuhr und vor ihnen hielt. Der Junge half, den schweren Koffer auf dem Dach zu verstauen, und lächelte Eamon breit an. Eine Zahnlücke sorgte dafür, dass er wie einer der Lausbuben aussah, die in Eamons Laden in Irland regelmäßig nach Zuckerbrocken gefragt hatten. Wenige Augenblicke später ruckelte der Wagen los. Zufrieden sah Eamon auf die anderen Immigranten zurück. Bis diese Würmer endlich in der Stadt waren, würde er schon seine erste Wohnung beziehen. Er hatte keine Zeit zu...

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