Ein Mann ein Boot: Wie man als Landratte zum Segler wird - Softcover

Barth, Rüdiger

 
9783492301947: Ein Mann ein Boot: Wie man als Landratte zum Segler wird

Inhaltsangabe

»Schon lange hatte ich davon geträumt, ein Boot zu besitzen. Ein richtiges Boot mit Segeln, das lautlos übers Meer gleitet, mit Kojen, einem Kühlfach, in dem eiskaltes Bier lagert, und einem Anker, den ich auswerfe, wenn wir eine Bucht entdecken, in der das Wasser den roten Abendhimmel spiegelt ...« Wie aus einer süddeutschen Landratte ein Segler wird, mit Familiencrew und Hund an Bord: Voller Abenteuerlust erzählt Rüdiger Barth von der Sehnsucht nach dem Wasser und der Leidenschaft echter Männer für ihr Boot.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rüdiger Barth, Jahrgang 1972, im Schwarzwald aufgewachsen, lebt mit seiner Familie in Hamburg. Er ist Mitglied der Chefredaktion des stern und veröffentlichte bei Malik »Die 10 – Magier des Fußballs«, »Wilde Dichter« und zuletzt »Ein Mann, ein Boot«.

Von der hinteren Coverseite

Von der Landratte zum Segler »Schon lange hatte ich davon geträumt, ein Boot zu besitzen. Ein richtiges Boot mit Segeln, das lautlos übers Meer gleitet, mit Kojen, einem ­Kühlfach, in dem eiskaltes Bier lagert, und einem Anker, den ich auswerfe, wenn wir eine Bucht ­entdecken, in der das Wasser den roten Abendhimmel spiegelt …« Wie aus einer süddeutschen Landratte ein Segler wird, mit Familiencrew und Hund an Bord: Voller Abenteuerlust erzählt Rüdiger Barth von der Sehnsucht nach dem Wasser und der Leidenschaft echter Männer für ihr Boot.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

EINS VORWEG, dieses Buch ist nichts für trockene Kehlen. Es wird manches Mal geflucht auf den folgenden Seiten, ich weiß auch nicht recht, warum, muss mit dem Bootsleben zu tun haben. Mit der Art, wie wir sailors so sind. Es wird auch oft gesoffen in diesem Buch, da werde ich keinen enttäuschen, no, Sir, doch am Ende werden Sie, verehrte Leser, die Böe in der Ferne wittern können, so wie ich sie zu wittern gelernt habe – und wie ich lernte, die Wellen auszureiten und den Rum zu verschütten und den Anker zu lichten und in einer mondhellen Nacht vielleicht sogar Schmetterlinge aus Lichtfunken ins Meer zu malen. So vieles. Ich habe gelernt, einen Traveller nach Lee rauschen zu lassen – was auch immer das ist, ein Traveller – und einen elf Meter hohen Mast zu legen; ich habe bei Windstärke fünf bis sechs Anlegemanöver gemacht, bis ich das Anlegen beinahe beherrschte; ich kann neuerdings sogar über Bord pinkeln, ohne die Pinne loszulassen. Bei allem Respekt, es erwartet Sie ein wilder Ritt, wenn Sie noch ein hundsgewöhnlicher Landmensch sind. Wer schwanger ist oder es schnell am Nacken kriegt, sollte besser aussteigen, wem leicht übel wird, dem rate ich rundweg von der Lektüre ab. Also Leuten wie mir selbst. Ich will keinem was vormachen. Ich gehörte nicht immer zu den Helden der See. Es gibt in unserem Land Millionen Menschen, die figgerig werden, wie ich es werde, wenn man ihnen eine Silikonpistole in die Hand drückt. Die eine Heidenangst schon bei der Vorstellung bekommen, auf einer schlingernden Plastikschale in ein Gewitter zu geraten. Und genug, da wette ich, die, wenn sie sich hinter die Brandung gekämpft haben, sofort dieses »Der weiße Hai«-Thema hören, dudu-dudu- dudu, und beim Schwimmen im Meer die Beine anziehen. Aber von denen will ja keiner ein eigenes Boot, oder? Vielleicht sind Sie aber auch, wie ich es war. Sie hätten gern eines. Sie trauen sich aber nicht. Nicht nur es zu wagen, sondern sogar es auszusprechen. Weil es so lächerlich klingt. Weil so vieles dagegenspricht. Zum Beispiel die eigene Ehefrau. Meine sagte: »’tschuldigung, mein Lieber, aber wenn es einer nicht kann, dann du.« Das hat sie gesagt, ich schwör’s, und zwar gerade, als ich mich aus innerster Überzeugung aufgemacht hatte, ein Seemann zu werden. Schon lange hatte ich davon geträumt, ein Boot zu besitzen. Ein richtiges Boot mit Segeln, das lautlos übers Meer gleitet, nur die Kraft der Winde ausnutzend, eins mit Kojen, in denen man schlafen kann, einem Kühlfach, in dem eiskaltes Bier lagert, und einem bleiernen Anker, den man auswirft, wenn man eine Bucht entdeckt hat, in der das Wasser den roten Abendhimmel spiegelt. Mehrere meiner Freunde besitzen ein Segelboot. Sie sagten schon lange »Du musst dich zu deinem Glück zwingen. Kauf dir ein Boot, das kostet nicht so viel, wie du denkst. Wenn du eins hast, lernst du das Segeln. Und wir helfen dir.« Ich fand stets, das klang gut. Selbstverständlich hörte ich mir alle Gegenargumente an. Sie waren durch und durch stichhaltig. Mein Vater erzählt bis heute gerne, einer seiner früheren Geschäftspartner, ein Anwalt, bekannter Mann in München, sei beim Segeln auf dem Starnberger See ertrunken. Allein unterwegs, es war kühl, Sturm kam auf, der Baum wehte ihn von Deck, bumms, tot. So gefährlich ist Segeln. Mein Bauch wiederum raunte, ich sei schon oft seekrank gewesen, ich könne es jederzeit wieder werden. Seekrank sein ist nicht schön, ein bisschen wie sterben, nur dass man nicht stirbt. Man hängt über der Reling und wartet, bis es nachlässt. Manchmal dauert es, bis es nachlässt. Meinem Vater wie meinem Bauch schleuderte ich das beste, aber auch einzige Argument entgegen, das mir einfiel: Ihr werdet schon sehen, wenn ihr dabei seid! Und so stand ich eines Tages da, in Bogense, Nordfünen, Dänemark. Ein kühler Tag im Mai. Um meine Füße schmiegten sich Lederstiefel, mit denen man auch die Antarktis hätte befahren können. Meine Handschuhe waren an den Innenseiten angeraut, doch zwei Fingerkuppen lagen frei, wegen des Gefühls. Ein Himmel ohne Sonne, neun Grad, Windstärke drei bis vier aus Nordwest, das Meer lag da, als warte es auf uns. Die Crew: meine Frau Anna, die mitzog, weil sie immer mitzieht, wenn’s drauf ankommt. Zwei beste Freunde, die uns halfen. Und natürlich der Skipper. Darf ich mich schon so nennen ? Unser Boot, Liv, eine Bianca Commander 31, neun Meter fünfunddreißig lang, zwo Meter siebzig breit und dreieinhalb Tonnen schwer, Baujahr 1974, war ein paar Wochen zuvor zu Wasser gelassen worden, der Mast, das Rigg, die Segel montiert. Nun startete ich den Motor, der, obschon etwas älter, schnurrend ansprang, und wir glitten gemeinsam aus dem Hafen, hinaus auf die blanke See, dorthin, wo jetzt ein schmaler Strahl der Sonne das Wasser glitzern ließ. Mal sehen, sagten wir uns, wo wir heute Abend landen. EINS SÜCHTIG WERDEN 1 AM TAG, an dem unser Sohn auf die Welt kommt, beschließe ich vor lauter Glück, uns ein Segelboot zu kaufen. Ich erzähle es meiner Frau nicht sofort, das wäre nicht sehr klug, ich warte ab, bis sie wieder stark genug ist, mich für verrückt zu erklären. Dann schauen wir unseren Sohn an, der noch sehr klein ist, wirklich wahnsinnig klein, und ich deute auf seine gebogenen Waden. »Seemannsbeine«, flüstere ich, und mein Sohn zwinkert mir zu. »Zwo zu eins«, sage ich. Ich bin an den Hängen des Schwarzwalds groß geworden. Bei uns in Baden gibt es den eingedeichten Rhein, früher von Mücken umschwirrt, die bei uns Schnaken heißen, ein paar Baggerseen und oben in den Bergen die Schwarzenbachtalsperre, die man sonntags gar nicht sieht vor lauter Harley-Hintern auf Picknickdecken. Segeln tut da kein Mensch. Aus meiner Kindheit kenne ich das malerische Bild, wenn ein Dutzend Enten aus einem Feld aufsteigen, ich weiß, wie sich der Knall eines Gewehrschusses anfühlt im eigenen Magen, und ich sehe noch vor mir, wie erst ein schlaffer Körper abstürzt und bald darauf einzelne Federn zu Boden schweben. In meiner Familie gibt es, historisch gesehen, viele Jäger, aber keinen einzigen seefahrenden Entdecker. Ich werde der erste sein. Ein Pionier. Mein Sohn wird mal sagen können: »Mein Vater war ein Segler. Und meine Mutter wurde auch zu einer Seglerin. Ich habe segeln gelernt, da war ich nicht viel größer als eine Boje.« Das soll er mal sagen dürfen. Also werde ich mir ein Haus auf dem Meer kaufen. Ein altes Boot mit Seele, mit viel Holz, ächzendem Tauwerk und langer Geschichte, weil vor allem solche Boote einen Charakter haben, und ein Boot ohne Charakter will ich nicht. Am besten eines, das so alt ist wie ich selbst, womöglich mein Baujahr, 1972. » Und denk an Pumba «, fahre ich fort, » sie wäre total heiß. « »Das ist unfair«, erwidert meine Frau. »Drei zu eins.« Wir haben einen Hund, der groß ist und schwarz und aussieht wie eine Mischung aus Problembär und Alf. Es wäre ihm peinlich, erkannt zu werden, daher wollen wir ihn im Verlaufe dieser Geschichte Pumba nennen, wie das furzende Hängebauchschwein aus dem »König der Löwen«, ohne dass ich erläutern möchte, wieso. Pumba ist ein Weibchen, auch wenn sie das zu verbergen sucht. Sie schwimmt für ihr Leben gern. Tappst freudig auf Stegen herum, erklettert begeistert Bordwände und schaut sehnsuchtsvoll Wildgänsen nach, die vor ihr flüchten – noch sehnsuchtsvoller aber, wenn sie nicht flüchten. Sie ist, man kann es so sagen, ein Wasserhund. Vielleicht wäre ich ohne Pumba gar nicht auf die Idee mit dem Boot gekommen. Obwohl, nein, das ist zu viel der Ehre. Einmal segelten wir auf dem Plöner See in der Holsteinischen Schweiz, in Sachen Berge ein Witz, aber schön dort. Wir hatten uns eine Jolle gemietet, es sah nicht sehr windig aus, aber es war windig. Und es war das erste Mal, dass wir unseren Sportbootführerschein lässig auf die Theke knallen konnten. Davon träumt man ja als Segelschüler: sich...

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