Geschichte der Politik: Alte und neue Wege (Historische Zeitschrift / Beihefte, N.F. 44, Band 44)

 
9783486644449: Geschichte der Politik: Alte und neue Wege (Historische Zeitschrift / Beihefte, N.F. 44, Band 44)

Inhaltsangabe

"The state is back in." Die Geschichtswissenschaft richtet ihren Blick wieder verstärkt auf die Erscheinungsformen des neuzeitlichen Staates, nämlich auf die Eliten, die ihn trugen, und auf die Mechanismen von Macht und Herrschaft, die in ihm wirksam waren. Diese Rückkehr des Politischen eröffnet den Historikern neue und alte Forschungsfelder, die der Band im Überblick erfasst: Politische Biographik, Frieden und Konflikt, Monarchische Politik, Geschichte des Parlamentarismus, Militärgeschichte, Internationale Politik, Verfassung und Institutionen, politische Ideengeschichte – es gilt die alten Wege der Forschung mit neuen Ansätzen in Einklang zu bringen.

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V. Militärgeschichte als politische Geschichte Bürokratisierung, Zentralisierung, Sozialdisziplinierung, Konfessionalisierung, Militarisierung (S. 239-240)

Politische Geschichte der Frühen Neuzeit als "Machtstaatsgeschichte"

Von

Michael Hochedlinger

Lucien Febvre (1878–1956), Gründervater der "Annales" und nicht gerade zimperlicher Intimfeind traditioneller politischer Geschichte, hatte zweifellos recht: Es gibt nur eine Geschichte – "l'histoire tout court". In Wahrheit aber muß sich der Historiker heute, da keine gleichgerichtete historische Forschung unter dem einst kanalisierenden (und verengenden) "Primat der Politikgeschichte" mehr existiert, damit trösten, daß man in der Alltagspraxis ohne scharfe, für die Synopsis am Ende natürlich gefährliche Arbeitsteilung schlicht und einfach nicht mehr das Auslangen findet.

Eine Zusammenschau ist angesichts von Zugangs- und Methodenvielfalt, Hyperspezialisierung und sogar institutionell zementiertem Neben- und auch Gegeneinander der Subdisziplinen nicht mehr möglich. Von der reklamierten "histoire totale", die letztlich in der Ausweitung des Historikerinteresses steckengeblieben ist, scheint gerade die Frühneuzeitforschung weiter entfernt denn je. Vielmehr tritt das allzu selbstbewußte Bekenntnis zum Ausschnitthaften dem Wunsch nach Vollständigkeit und weitestgehender Materialbeherrschung oft genug in den Weg. Selbst Weltanschauungen und politisches Lagerdenken haben in der Postmoderne ihren Einfluß und ihre einstige Zwingmacht zugunsten von in Wahrheit freilich nicht weniger tyrannischen, dabei aber noch viel beliebigeren Modeströmungen verloren.

Es bedarf, wenn sich auch die "politische Geschichte" der Frühen Neuzeit eine Nische sichern will, eines ganzheitlicheren Interpretationszusammenhangs, der forschungsanregend und in Maßen forschungsleitend wirksam werden kann. Eben daran scheint es der verschüchterten "Politikgeschichte" der Frühen Neuzeit in ihrer "realgeschichtlichen Einlösung" oft zu mangeln. Im folgenden soll skizzenhaft und sehr zugespitzt ein möglicher integrativer Zugang in Erinnerung gerufen werden, der bewußt den Staat und sein Aus greifen nach innen und außen, den frühneuzeitlichen Machtstaat insgesamt, in den Mittelpunkt stellt: "Machtstaatsgeschichte".

I. Was ist "politische Geschichte"?

Die Frage, was denn "politische Geschichte" oder "Politikgeschichte" eigentlich sei, ist in unseren Tagen nicht eben leicht zu beantworten, allein die terminologische Unsicherheit muß nachdenklich stimmen. Mit dem Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts unter "la politique" hauptsächlich die außenpolitische Praxis zu verstehen greift selbstredend zu kurz, auch wenn ab und an im Dickicht des Terminologiedschungels, meist von Kritikern, "Politikgeschichte" mit "Außenpolitikgeschichte" gleichgesetzt wird. Bleiben wir auf Lehrbuchniveau, so ist Politik ein das Gemeinwesen regulierendes und sicherndes Handeln, seit der Neuzeit vorwiegend dem Staat und seinen Organen zugeordnet. Mittlerweile ist der Begriff mit fortschreitender Entstaatlichung vieler Lebensbereiche verschwommener geworden ("Entstaatlichung der Politik").

Wir verwenden "Politik", wie es den aktuellen Entwicklungen zu entsprechen scheint, viel allgemeiner, durchaus auch fernab des Staatlichen, ganz so wie "Strategie" aus dem militärischen Eck längst in den allgemeinen Sprachgebrauch diffundiert ist. Die "politische Geschic

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