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Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Neueste Zeit - Hardcover

 
9783486588309: Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Neueste Zeit

Inhaltsangabe

Das OGL Neueste Zeit gibt allen Studierenden der Neueren Geschichte den für ein erfolgreiches Studium entscheidenden Überblick über die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Band setzt mit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts ein, erschließt die Epoche somit im Ganzen. aus dem Inhalt - Chronologischer Überblick - Die wichtigsten Entwicklungen und Ansätze der Geschichtsschreibung z.B. Entstehung der Gesellschaftsgeschichte; das Individuum in der Geschichte; die Impulse der Neuen Kulturgeschichte - So funktioniert Geschichtswissenschaft: Quellen, Forschungseinrichtungen, Archive, Bibliotheken - Die Neueste Geschichte als Epoche - Historische Bildforschung - Russland als Thema der Osteuropäischen Geschichte Alle Beiträge funktionieren als abgeschlossene Themen- und Lerneinheiten; Querverweise stellen die Verbindungen her; Abbildungen, Graphiken und Karten veranschaulichen einzelne Aspekte. "Durch eine Fülle kurzer und guter Artikel bietet das Lehrbuch eine zeitgemäße Einführung in das Studium der Neuesten Geschichte." Christian Jostmann, Süddeutsche Zeitung, 11.12.2006

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Staaten, Nationen und Internationale Beziehungen als Bezugspunkte historischer Forschung (S. 177-179)

Große Politik und deutscher Nationalstaat. Seit ihren Anfängen beschäftigt sich die moderne Geschichtsschreibung in starkem Maß mit der Entwicklung staatlicher Politik. Die traditionelle Historiographie von Herrscherhäusern fand zwar auch im 19. Jahrhundert noch Beachtung, sofern sie sich damit verknüpfen ließ. Die einzelnen Staaten Europas, ihre Entstehung und Entwicklung, wurden nun jedoch zu den Hauptgegenständen historischer Forschung. Leopold von Ranke (1795– 1886), mit dessen Namen die Etablierung der Geschichtswissenschaft im deutschen Sprachraum verbunden ist wie mit keinem anderen, kleidete seine Staatsauffassung 1836 in die Form eines "Politischen Gesprächs": "Friedrich: Alle die Staaten, die in der Welt zählen und etwas bedeuten, sind erfüllt von besonderen, ihnen eigenen Tendenzen. [...] Jeder selbständige Staat hat sein eigenes ursprüngliches Leben, das auch seine Stadien hat und zu Grunde gehen kann, wie alles, was lebt, aber zunächst seinen ganzen Umkreis erfüllt und beherrscht und mit keinem anderen gleich ist. Carl: In diesem Sinne verstehst du es, daß die Staaten Individuen seien. Friedrich: Individualitäten, eine der anderen analog, – aber wesentlich unabhängig von einander. Statt jener flüchtigen Konglomerate, die sich dir aus der Lehre vom Vertrag erheben wie Wolkengebilde, sehe ich geistige Wesenheiten, originale Schöpfungen des Menschengeistes, – man darf sagen, Gedanken Gottes." [Ranke, 95]

Neben den Staat trat zunehmend die Nation als entscheidender Bezugspunkt der Geschichtsschreibung. Die zwischenstaatliche Politik erschien dadurch in einem anderen Licht. Ranke würdigte die grundlegende Veränderung, die die Französische Revolution mit sich gebracht hatte, 1833 in seinem Aufsatz über die "Großen Mächte" Europas: "Wenn es das Ereignis der letzten hundert Jahre vor der französischen Revolution war, daß die großen Staaten sich erhoben um die Unabhängigkeit von Europa zu verfechten, so ist es das Ereignis der seitdem verflossenen Periode daß die Nationalitäten selbst sich verjüngt, erfrischt und neu entwickelt haben. Sie sind in den Staat mit dem Bewußtsein eingetreten, er würde ohne sie nicht bestehen können." [Ranke,63] In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb es einer Minderheit überlassen, Nationalbewusstsein und die bestehende Staatenordnung in Europa gegeneinander auszuspielen. Für Ranke war es noch selbstverständlich, nicht eine einzelne Nationalgeschichte in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu rücken, sondern neben Deutschland auch West- und Südeuropa in die Themenpalette einzubeziehen. Den individuellen Entwicklungsgang jedes einzelnen Staates zu würdigen, war eng mit der positiven Bewertung des Selbstbehauptungswillens der Staaten als Garanten der Freiheit Europas verbunden. Staatenvielfalt und ein diese Vielfalt bewahrendes Mächtesystem besaßen nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft den Charakter einer Norm.

Die Auflösung der 1814/15 geschaffenen "Wiener Ordnung" [Doering-Manteuffel 1991, 10–13, 327–329] und die Hinwendung zur "Realpolitik" in den 1850er Jahren leitete in Deutschland die machtstaatliche Lösung der "Deutschen Frage" durch Preußen ein. Historiker leisteten seit der Revolution von 1848/49 wichtige Beiträge zur öffentlichen Debatte um einen deutschen Nationalstaat. Engagierte Befürworter einer kleindeutschen Lösung aus den Reihen der Geschichtswissenschaftler bemühten sich vor der Reichsgrü

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