99 Methoden, in der Partnerschaft zu scheitern - Softcover

Ingwersen, Friedrich

 
9783466306824: 99 Methoden, in der Partnerschaft zu scheitern

Über die Autorin bzw. den Autor

Friedrich Ingwersen: geb. 1949, ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie und war von 1994 bis 2004 Chefarzt der Fachklinik für SozioPsychosomatische Medizin Rastede. Er ist Gründer des Norddeutschen Instituts für Systemische Lösungen. Dr. Friedrich Ingwersen ist seit knapp 30 Jahren mit Dagmar Ingwersen verheiratet. Sie haben drei Kinder und leben in Oldenburg/Niedersachsen.

Aus dem Klappentext

Gute Ratschläge, wie Sie in der Partnerschaft glücklich werden, gibt es schon genug. Deshalb erfahren Sie in diesem Buch etwas über die Gefahren und Hindernisse, die die Zweisamkeit bedrohen: vom Wunschtraum, die ganz große Liebe zu finden, bis zur Lösung, auf Nummer sicher zu gehen alleine bleiben, gar nichts wagen. Sie können aber auch einen Partner wählen, der keinen Humor hat, die berufliche Karriere vor die Beziehung stellen oder die eigene Identität für die Partnerschaft opfern.

Kennen Sie all diese Klippen, gelingt es Ihnen besser, sie elegant zu umschiffen und eine erfolgreiche Partnerschaft zu führen.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

99 Methoden, in der Partnerschaft zu scheitern

Ich möchte Ihnen in diesem Buch hoffentlich nützliche Gesichtspunkte zum Thema Partnerschaft vorstellen das Ergebnis dessen, was ich alles von meinen geschätzten Lehrern, aus 20 Jahren Ehe und von den vielen Paaren, die meine Klienten waren, gelernt habe.
Statt jedoch eine Rezeptsammlung zu bringen, wie man alles richtig machen könnte, will ich lieber eine Negativliste abliefern, wie man alles verkehrt machen könnte. Das steht zwar dem Ideal eines positiven Denkens zuwider, jedoch scheint mir eine solche Negativliste nützlicher zu sein als die positive Rezeptsammlung.
Zur Begründung für eine solche Vorgehensweise möchte ich ein Gleichnis aus der Seefahrt nennen, welches einige von Ihnen vielleicht schon von Paul Watzlawick kennen und welches auch für die Binnenlandbewohner unter Ihnen verständlich sein dürfte:
Der Kapitän eines Schiffes ist naturgemäß an gutem Fahrwasser interessiert. Und doch schenkt er der weiten, ruhigen, offenen See wenig Aufmerksamkeit. Sein intensives Interesse und seine sorgenvolle Beschäftigung gelten vielmehr all den Dingen, die er vermeiden möchte: Klippen, Untiefen, Eisberge, Orkantiefs, gefährliche Driften und so weiter. Indem er dem, was er nicht will, also dem Negativen, seine ganze Aufmerksamkeit schenkt, sichert er sich das, was er eigentlich will, nämlich das Positive, das problemlose, unendliche, freie Fahrwasser.
So ähnlich will ich es in diesem Buch auch halten, indem ich Ihnen eine Liste von Klippen und anderen Möglichkeiten des Scheiterns nenne, in der Hoffnung, dass ich auf diese Art so etwas wie eine gute Seekarte liefere, deren Benutzer dann einigermaßen sicher auf der großen hellblauen Fläche, wo keine Untiefen drohen, navigieren kann. Auf diese Weise kann ich mir und Ihnen auch eine konkrete Beschreibung dessen ersparen, was eine erfüllte Zweisamkeit auszeichnet. Sie ist vielleicht wie ein großer, freier Bereich oder ein weites Meer , auf dem es für vieles genug Platz gibt und zahllose Möglichkeiten, sich zu zweit zu entfalten. Diese unendlichen Möglichkeiten zu beschreiben scheint mir mithin unmöglich, weshalb ich mich ja auch auf die Widrigkeiten und Hindernisse beschränken möchte.
Ich habe also im Folgenden nichts anderes vor, als Ihnen eine Anzahl von Gefahren und Hindernissen, die eine erfüllte Zweisamkeit bedrohen können, aufzuzählen. Manche der Punkte scheinen sich logisch zu widersprechen. Vielleicht entdecken Sie auch Überschneidungen. Das ist schlicht ein Ausdruck der Komplexität des Themas. Und ich will ja keine schlüssige Generaltheorie liefern, sondern nur einen Wegweiser durch die gängigsten Gefahren.
Womöglich stiftet diese Liste bei einzelnen Lesern am Ende eher Verwirrung, als dass sie den Blick frei macht für die große, leere, freie See, in der ich halbwegs unbekümmert mit meinem schwimmenden Partnerschaftskistchen navigieren kann. In diesem Falle von Verwirrung wäre dann vielleicht etwas professionelle Beratung notwendig. Die hilft nämlich manchmal.
Ich muss noch hinzufügen, dass ich keine überzeugende Möglichkeit gefunden habe, die Punkte nach irgendwelchen systematisierten Gesichtspunkten zu ordnen. Die 99 Möglichkeiten kommen deshalb jetzt in der Reihenfolge, wie sie mir eingefallen sind.

Auf Nummer sicher gehen: alleine bleiben, gar nichts wagen.
Mit dieser Methode spart man sich garantiert alle anderen 98 Möglichkeiten.
Das wäre die Nummer eins, und dazu fällt mir eine Geschichte ein, die mir eine liebe, langjährige Freundin, Carola aus Bruchsal, mal beiläufig zur Selbstermutigung erzählt hat, bevor sie eine neue Ehe einging:
»Der jüdische Kaufmann Mosche betet jeden Abend verzweifelt zu seinem Herrn: Gott, warum lässt du mich nicht gewinnen den Jackpot? Nachdem er das viele Abende getan hat, erscheint ihm eines Nachts im Traum der Engel des Herrn und sagt: Mosche, wenn du willst gewinnen den Jackpot, musst du auch kaufen Lose! «
Das ist also die Logik von der Möglichkeit des Scheiterns Nummer eins.

Davon ausgehen, dass sich zwei ideale Königskinder gefunden haben, anstatt dass zwei hochneurotische Seelenstümper das Wahnsinnsabenteuer Zweisamkeit antreten, in welchem sie jahrelang lernen und die härtesten Prüfungen bestehen müssen.
Also, die Königskinder werden scheitern, denn Vollkommenheit immunisiert gegen Lernfähigkeit. Hans und Grete aber, die Neurotischen, für das Leben Missratenen, haben ihre Chance.

Lange Jahre zusammenleben,
ohne zu heiraten.
Das hören 68er vielleicht nicht so gerne. In meiner Generation war es für viele sagen wir mal schick zu behaupten, dass ein Trauschein der Liebe eher im Wege stehe. Und wir haben auch gemeint, dass unsere Eltern, die ja noch an den Trauschein geglaubt haben, genau deshalb nicht so glücklich gewesen seien.
Ich habe auch zu diesen Trauschein-Ungläubigen gehört, aber ich habe eine Partnerin gefunden, die nicht auf diese 68er-Ideologie hereingefallen ist. Sie hat sofort gesagt: »Ich will einen Trauschein und Ringe.« Und ich war damals leicht von ihr zu beeinflussen. Heute bin ich sehr dankbar für meine damalige Beeinflussbarkeit.
Jedoch sind diejenigen befreundeten Paare meiner Generation schlechter dran als wir, die sich gesagt haben: »Aus ideologischen Gründen und aus Aversion gegen diese Bürokratie auf dem Standesamt und gegen alle kleinbürgerliche Enge lassen wir den Trauschein weg.« Denn sie haben soweit ich das überschauen kann inzwischen offenbar ausnahmslos dicke und quälende Partnerschaftskrisen durchlitten oder stecken noch drin.
Offensichtlich konnten sie sich das Weglassen der formellen Eheschließung gegenseitig unbewusst nicht verzeihen. Ich habe schon Einzelfälle von Paaren gesehen, bei denen es ganz, ganz bösartig geworden ist. Und in jedem dieser Einzelfälle hatten die beiden damals tatsächlich gesagt: »Wir bleiben zusammen, wir lieben uns wirklich, aber den Trauschein wollen wir auf keinen
Fall.«
Mithin ist unser Unbewusstes offenbar so kleinbürgerlich veranlagt, dass es auf solchen bürokratischen Formalitäten besteht. Denn es scheint dem Unbewussten auf das Ritual auf dem Standesamt oder auch in der Kirche anzukommen. Psychologen wissen heute: Was nicht durch ein Ritual ratifiziert ist (und sei es noch so bürokratisch), wird vom Unbewussten, also der Seele, nicht für gültig genommen.
Bei der Hochzeit einen Ehevertrag zur Gütertrennung schließen.
Wenn Hans und Grete heiraten und Hans dann zum Beispiel sagt: »Für den Fall der Scheidung will ich mein Geld zurück und meine Güter«, heißt das, dass heimlich schon die Scheidung eingeplant wird. Jedenfalls ist das mein Eindruck aus vielfältiger Beobachtung, dass also jedes Mal die Scheidung schon als Option in der Hinterhand war, wenn zuvor eine Gütertrennung vereinbart worden war.

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.