Mit 50 bekommt die Lebensplanung und die Ausrichtung des eigenen Lebens eine neue Qualität. Bei Männern stellt sich in der Regel die Frage, wo man mit seiner bisherigen Lebensleistung steht. Die meisten spüren, dass sie nach den beruflichen und privaten Aufbaujahren jetzt gern Einfluss geltend machen möchten, auf welcher Ebene auch immer.
In kurzen Kapiteln beleuchtet Holger Reiners das Lebensgefühl der Fünfzigjährigen. Durch seine sympathische Offenheit inspiriert er andere, auch ihr Leben ehrlich, ohne Lebenslügen zu reflektieren.
Aus dem Inhalt:
Generationenwechsel – Zeit der Besinnung;
Liebe – Kosmos des Glücks;
Freunde – die Weggefährten als Spiegel des Selbst;
Freundin – das Alter Ego und seine Phantasien;
Wünsche – Ausdruck der Vitalität;
Haare färben, Fett absaugen, liften – Ansporn oder Selbstbetrug?;
Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Holger Reiners geb. 1948, ist Architekt, Unternehmensberater und erfolgreicher Autor von über 20 Büchern zu Architektur-Themen. 1998 gründete er die Reiners-Stiftung zur Förderung von Architektur und Baukunst. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg.
Best Age
Best Age um die 50 wirklich?
Ende der siebziger Jahre drehten sich endlose Diskussionen um die Midlife-Crisis. Die Lebensmitte wurde daraufhin versicherungsmathematisch beschwichtigend ein wenig nach hinten verschoben. Es half nichts: Die biografische Erwartung der Männer um die vierzig war plötzlich von einer alle bedrohenden schweren Krise bestimmt geistig, seelisch, körperlich. Trotz steigender Lebenserwartung war das Szenario bedrückend. Es stand offenbar nicht gut um die Lebensaussichten der Männer, die die vierzig überschritten hatten. Und heute, nur eine Generation später?
Objektiv hat sich die Situation der über 40-Jährigen statistisch sogar verschlechtert allerdings nur beim Blick auf die Beschäftigungssituation. Es gibt Branchen, die nach dem 38. Lebensjahr niemanden mehr einstellen, andere versuchen sich von Mitarbeitern über 45 zu trennen, weil sie keine Leistungssteigerung versprechen, angeblich nicht mehr ausreichend belastbar, nicht genügend mobil und flexibel sind oder Jüngere die selbe Tätigkeit für sehr viel weniger Geld auszuüben bereit sind. Das Erwerbszenario der Männer über vierzig ist nicht gerade ermutigend, weil tatsächlich fast jeder in seiner beruflichen Laufbahn mit erheblichen Irritationen zu rechnen hat, Selbständige ebenso wie Angestellte und Beamte.
Dennoch ist die Charakterisierung Best Age für Männer um die fünfzig keine Mogelpackung im Gegenteil. Wer sich den Fünfzig nähert, sie gerade überschritten hat oder mit der neun hinter der fünf auch noch dazugehört, verfügt über beides: den viel versprechenden Joker der Zukunft und den täglich stechenden Trumpf der gelebten Vergangenheit. Best Age ist die Hochebene des Lebens, die uns die Ausblicke von hoher Warte ebenso gewährt wie das Innehalten und Genießen während der Strapazen des Aufstiegs zur imposanten Reihe der persönlichen Gipfel. War es das jetzt schon? Nein. Die Bilanz Ich habe mein Leben gelebt und meine Aufgaben erfüllt ist einem viel späteren Lebensabschnitt des statistisch zu erwartenden Alters vorbehalten. Auch das ist nur ein Durchschnittswert, dem nicht jedes Individuum zwangsläufig ausgeliefert ist vielleicht dürfen wir ja hundert oder noch älter werden.
Fünfzig kann also durchaus die Lebensmitte bedeuten und die muss keineswegs mit dem Begriff einer Krise verbunden sein. Oft aber ist sie es, dabei ist eine solche Krisensituation meist hausgemacht. Zu leicht überhören wir den Ruf des Lebens oder negieren längst gewonnene Erkenntnisse über einen für uns wesentlicheren Weg, weil wir sonst Entscheidungen treffen und handeln müssten. Das kann im Augenblick durchaus unbequem, auf lange Sicht aber für das eigene Lebensprofil unabdingbar sein. Wer sich mit dem eigenen Leben auseinander setzt, wer mit fünfzig ganz nüchtern eine Zwischenbilanz zieht, um Soll und Haben abzuwägen und zu interpretieren, wird irgendwann nicht nur ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen, sondern vor allem einen prächtigen Lebensgewinn ausweisen können die zufriedene, gelassene und glückliche Persönlichkeit, die wir ab einem gewissen Alter doch alle gern sein möchten. In vieler Hinsicht haben wir es buchstäblich in der Hand, all das auszufüllen, was eine wahre Persönlichkeit ausmacht, schließlich wollen wir Zeichen setzen und nicht eines Tages konturlos einfach von dieser Welt verschwinden.
Ich hatte das Glück, in den vergangenen Jahren Menschen um die fünfzig aus einer Vielzahl von Perspektiven begegnen zu können: als Freund, Bekannten, Kollegen, Untergebenen, Vorgesetzten oder Berater und vor allem als Beobachter, der weniger an den Defiziten als an den Potenzialen seines Gegenübers interessiert ist. Was hatte der eine alles an Möglichkeiten übersehen, weshalb war der andere so zögerlich in seinem Handeln? Warum dagegen schienen manche Mut, Tatendrang und Lebenslust ohne Ende zu haben, andere aber einer ständigen und ziellosen Hektik zu verfallen? Ich wollte es genauer wissen und das führte nur über den Weg der Auseinandersetzung mit der biografisch wichtigen Zäsur der eigenen Fünfzig.
Die Glücklichen unter uns, die das Leben lieben, ohne vor der Verantwortung gegen sich selbst und anderen zu fliehen, haben alle eines gemeinsam: einen ausgeprägten Lebenswillen, dessen Motor aus Einsicht, Selbstreflexion und einer auf diesen Polen basierenden, klaren Zielsetzung besteht: sein Leben bewusst leben, es nicht einfach geschehen lassen. Und was heißt bewusst leben anderes, als immer wieder, mal mehr, mal weniger, ernsthaft und humorvoll über die uns alle angehenden Facetten des Lebens nachzudenken. Auf diese Weise schärfen wir unser Profil und können Prioritäten setzen, um die uns selbst gesteckten Ziele zu verwirklichen. Wer diesen selbstbestimmten Weg geht, wird sich nicht eines Tages quälende Versäumnisse vorwerfen müssen: hätte ich doch damals ... und jetzt ist es zu spät.
Natürlich ist es nie wirklich zu spät, glücklicherweise gibt es zu jedem Zeitpunkt Alternativen, immer neue Ziele, mit deren Verwirklichung wir unsere eigenen Konturen schärfen können wir müssen es nur tun. Gelassen, nicht verbissen, gütig und nicht neidgetrieben, selbstkritisch, aber nachsichtig anderen gegenüber kurz: das Leben als Bühne verstehen, auf der wir unseren wichtigen Auftritt haben, jeden Tag. Best Age, oder?
Sex Zwiegespräch der Lust
Wie oft denken Männer (und Frauen) jeden Tag an Sex? Umfragen wurden nie ganz seriös erhoben ist das überhaupt möglich? und schwanken stark in ihren Ergebnissen zwischen »immer, oft, gelegentlich und selten«. Und sicher würden sie auch alters-, jahreszeitlich und biografisch bedingt ganz unterschiedliche Ergebnisse zutage fördern. Eindeutig lässt sich hingegen aus männlicher Sicht um die fünfzig immer wieder und immer noch feststellen: Sex ist das in Phantasie und Realität alles bestimmende, alles stimulierende und alles versüßende Schöpfungsgeschenk. Sexualität ist ein glücklicherweise! nie zu erschließender Kosmos, eine sich immer wieder selbst gerierende Kraft, allgegenwärtige Herausforderung, Glück verheißender Zeugungsakt, stets neu und anders erfahrener kleiner Tod und in seinem Ablauf von erotischer Ahnung, erotischem Stimulans und erotischem Austausch bis zum Geschenk dargebotener, offener oder raffiniert verhüllter Nacktheit stets überwältigend. Kurz: Sex ist das stärkste Memento mori überhaupt. Herausforderndes Geheimnis in der Adoleszenz, scheinbare Selbstverständlichkeit in der Jugend bis Ende zwanzig oder dreißig, wenn man den Medien trauen möchte, und dann, irgendwann plötzlich und eindeutig der Bruch in Absicht und Wahrnehmung: Die Institutionalisierung der Sexualität noch am Hochzeitstag, der Ehering als Symbol ewiger Treue, aber auch der sexuellen Abwehr gegen die Versuchung von außen. Am Polterabend ist für den Mann scheinbar noch einmal alles erlaubt, am nächsten Abend aber schließen sich für immer die Vorhänge der bis dahin alle angehenden Inszenierung persönlicher erotischer Selbstdarstellung. Ab sofort gilt: anfassen verboten. Oder ist es alles doch ganz anders?
Wie er es mit der Treue zu seiner Frau oder Partnerin hält, ist eine Frage der persönlichen Moralvorstellung, um die es hier nicht gehen soll. Aufgrund unserer biologischen Beschaffenheit als Mann besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit permanenten sexuellen Erlebens, Treue dagegen ist eine schließlich auch viele Vorteile bringende! gesellschaftliche und moralische Übereinkunft. Zwischen diesen Polen bewegt sich der Mann. Auch wenn die Entscheidung zugunsten der Treue zur Partnerin ausfällt, so gehört das erotische Erleben über die Partnerschaft hinaus doch zur fast täglich durchgespielten Phantasie, ja ist unverzichtbares, kraftspendendes Lebenselixier. Diese Phantasie ist umso reichhaltiger, je mehr wir in der Vergangenheit erlebt haben und je zielgerichteter, wenn das sexuelle Erleben von Entbehrungen oder unerfüllten Wünschen geprägt ist. Das Einhalten der selbst gesteckten Grenzen in der Sexualität ist vielleicht die größte Herausforderung des Lebens überhaupt!
ist die Versuchung, den Phantasien freien Lauf zu lassen, doch mächtig und allgegenwärtig. Die viel jüngere Freundin als anerkanntes Markenzeichen sexueller Attraktivität auf der einen und der in allen denkbaren Varianten angebotene käufliche Sex auf der anderen Seite zeigen überall, wie dominant das Phänomen Sexualität täglich ist auch als überaus facettenreicher Wirtschaftsfaktor mit immer noch wachsendem Potenzial. Niemand wird das leugnen, aber jeder Mann fragt sich irgendwann, wie er eigentlich mit diesem Überangebot sexueller Reize umgehen soll, ob und wie er seine Phantasien in die eigene Partnerschaft inkorporieren kann, und oder ob er nicht längst viel zu viel verpasst hat und sich das vermeintlich Verpasste überhaupt noch nachholen lässt.
Die ernüchternde Antwort auf Partnerwechsel oder Scheidung ist gemäß einer ernst zu nehmenden Studie, dass ein überraschend hoher Prozentsatz der Befragten zugab, ihre nachfolgenden Ehen seien nicht wirklich glücklicher als die erste. Sind sexuelle Phantasien in Bezug auf das persönliche Glück also nur ein gefährliches Strohfeuer, das irgendwann, vielleicht schon bald nicht mehr als nur verbrannte Erde zurücklässt?
Mit über fünfzig hat uns das Leben in all diesen Facetten bereits ein eindrucksvolles Maß an Beispielen im nahen wie fernen eigenen Lebensumfeld sowie in Literatur und Medien geliefert niemand kann also mit Überzeugung sagen, davon nichts gewusst zu haben. Verzeihen lässt sich nach dem Ehebruch nicht einfordern, darauf kühn zu setzen ist riskant. Anders als die wirklichen Fehlentscheidungen im Leben, gegen die niemand gefeit ist, ist der Treuebruch eine in den Folgen klar kalkulierbare, alles provozierende Entscheidung, auch wenn er nicht immer die Trennung bedeuten muss. Der Preis jedoch ist stets hoch, viele Wunden heilen nie, und ist das Leben noch so lang.
Die Sehnsucht nach dem Zwiegespräch in der Lust ist neben Kompetenz und Erfahrung die einzige Leistungskurve, die mit dem Erreichen der magischen Fünfzig nicht nach unten zeigt im Gegenteil. Was also ist noch möglich? Die Antwort ist eindeutig: Alles! Der ganze unerschöpfliche Kosmos der Sexualität, ohne jede Einschränkung, mit der vertrauten, unendlich kostbaren großen Liebe ebenso wie vielleicht mit der unverzichtbaren jungen Muse für die zweite Lebenshälfte.
Aber auch in der Sexualität wird uns das Glück nicht täglich neu geschenkt. Voraussetzung ist vielmehr die eigene Attraktivität, die nicht bei einer interessanten Körperlichkeit stecken bleibt, sondern das einlöst, was auch wir mit unserer Lebenserfahrung von unserem Gegenüber erwarten: die Erotik der Persönlichkeit und nicht allein die erotischen Botenstoffe eines makellosen Körpers. Der ist nun einmal unwiederbringlich der Jugend vorbehalten, damit müssen wir uns abfinden, allen Fitnessbemühungen zum Trotz. Und dennoch gibt es weder ein Verfallsdatum für die eigene Attraktivität noch eines für Erotik und Sexualität. Sie unterliegen keiner Altersbeschränkung, bedürfen aber zunehmend der stimulierenden Impulse der Aufmerksamkeit in allen Persönlichkeitsbereichen, die die eigene erotische Attraktivität ausmachen. Angefangen bei der physischen Verfassung und dem äußeren Erscheinungsbild der gewählten Kleidung, der Aufmerksamkeit für die Partnerin, das überzeugende Interesse an!
ihr, das unverzichtbare Begehren mit der unerschöpflichen Vielfalt erotischer und sexueller Überraschungsmomente bis zur aufmerksam gepflegten Attraktivität des eigenen geistigen und sozialen Lebens. Zugegeben, ein anspruchsvolles Programm, aber sind nicht all diese Facetten gelebten Alltags genau das, was wir uns vom Leben in unseren kühnsten Träumen erhoffen? Und haben wir für diesen alles verzaubernden Zustand nicht ein einziges Wort, das all das beschreibt die Liebe? Gelebte Liebe ist noch immer der beste Garant für ein erotisch auf- und erregendes Leben in der Wirkung übrigens auch auf unser Gegenüber. Erotische Ausstrahlung ab fünfzig ist sowohl egoistisch wie zutiefst altruistisch, weil sie das notwendige Strahlen in die irgendwann zur Vergrauung neigende zweite Lebenshälfte bringt. Gegen die Übermacht der eigenen Erfahrung ist niemand gefeit, besonders nicht gegen ihre mächtigen täglichen Sendboten, die Vorurteile, die inneren Warnungen und kleinen Mutlosigkeiten und Nachlässigkeiten.
Erotik und Sexualität ab fünfzig auch weiterhin das köstlichste Fest für die Sinne. Ausrichten müssen wir es selbst. Nur dann werden wir auch immer wieder eingeladen.
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.
Anbieter: Hamelyn, Madrid, M, Spanien
Zustand: Very Good. : Este libro explora la vida de hombres alrededor de los 50 años, abordando sus experiencias, desafíos y perspectivas en esta etapa de la vida. Ofrece una mirada introspectiva y reflexiva sobre la madurez masculina. EAN: 9783466306718 Tipo: Libros Categoría: Otros Título: Best Age. Männer um die 50 Autor: Holger Reiners Idioma: de Formato: Tapa dura. Artikel-Nr. Happ-2025-10-27-8bd2bb97
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Versandantiquariat Felix Mücke, Grasellenbach - Hammelbach, Deutschland
hardcover. Zustand: Gut. Seiten; ehem. BÃchereiexemplar, deutschsprachige Ausgabe von 2004, KÃ sel, Artikel stammt aus Nichtraucherhaushalt! BL8755 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 500. Artikel-Nr. 1243712
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: Studibuch, Stuttgart, Deutschland
hardcover. Zustand: Gut. Seiten; 9783466306718.3 Gewicht in Gramm: 500. Artikel-Nr. 1321465
Anzahl: 1 verfügbar